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Nicht alle finden die Elektrifizierung des Filzenexpress gut

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Auffallend gut besucht: Die Informationsveranstaltung zur Elektrifizierung des Filzenexpresses in Tulling. © Foto: Kees

Nicht alle finden die geplante Elektrifizierung des Filzenexpresses gut. Dies wurde bei einer Informationsveranstaltung in Tulling deutlich.

Steinhöring – Alles wird besser, oder auch nicht. So könnte das Fazit der Infoveranstaltung zur Elektrifizierung des Filzenexpress vergangenen Donnerstag im Dorfgemeinschaftshaus in Tulling lauten. Oder wie es der Fahrplanplaner Peter Högel von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ausdrückte: „Es ist wie immer im Leben, es gelingt halt nicht alles.“ Ein wenig dicke Luft herrschte durchaus in der gut zweieinhalb Stunden dauernden Veranstaltung, die auffallend gut besucht war. 

Vor allem Anlieger der Bahnstrecke haben Furcht vor der Elektrifizierung, genauer vor dem Elektrosmog, der durch die Oberleitungen entsteht. Wenn man recht nahe an einer solchen Hochspannungsleitung wohnt, kann das womöglich ein Problem sein. Doch die Vertreter von der Südostbayernbahn und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft versuchten zu beschwichtigen. Und am Ende hieß es, es sei ohnehin noch gar nichts klar, erst einmal müsse ein Planfeststellungsverfahren stattfinden. Und das würde dauern.

Ein Zug pro Stunde sei genug

Man sei aber bemüht, im Hinblick auf die Optimierung des Verfahrens, den Dialog mit dem Bürger aufrecht zu halten. Außerdem: es gäbe zwar einen Beschluss der bayerischen Staatsregierung, doch bis zur Umsetzung des Vorhabens sei es noch ein weiter Weg. Am Ende sei sogar noch nicht einmal sicher, ob die Strecke auch tatsächlich elektrifiziert werden könne. Und wieder fiel das Wort Planfeststellungsverfahren. 

Der Fahrplanplaner jedenfalls schien von dem neuen System felsenfest überzeugt, wobei er so manche Unklarheit nicht wirklich beseitigen konnte. Da fahren die Züge mal schneller, dann wieder langsamer. „Das ist eine Frage womit man vergleicht,“ lautete seine lapidare Antwort. Mit einem elektrifizierten Filzenexpress, so gab er aber zumindest zu, wird die Fahrt nach München etwas länger dauern. Ab Ebersberg soll es dafür mit der S-Bahn schneller gehen. Eine wirklich klare Auskunft zur zukünftigen Streckendauer konnte er nicht geben, dafür positionierte er sich eindeutig zu Forderungen des Fahrgastverbandes PRO BAHN: Einen Ausbau des Nadelöhrs zwischen Grafing und Ebersberg wird es nicht geben und eine engere Taktung des Zugverkehres auch nicht, schließlich sei das Angebot schon deutlich besser als es einmal war und läge heute ohnehin im bayernweiten Durchschnitt. Ein Zug pro Stunde sei genug. Ohnedies ruhten sich die Referenten, Robert Wagner von der Parteilose Wählergemeinschaft Steinhöring (PWG), Norbert May von PRO BAHN und Peter Högel, sehr auf den Fortschritten der Vergangenheit aus, sollte die Strecke doch auch schon mal still gelegt werden. 

Durch die Geschichte der Eisenbahn zwischen Wasserburg und Ebersberg wurde man gleich zweimal geführt, die beiden Nachredner Peter Högl und Matthias Krause von der Südostbayernbahn übersprangen diesen Punkt dann galant in ihren Vorträgen. Allein das zeigt die Schwierigkeit in Abstimmungsprozessen. Natürlich wollen alle, dass weniger Autos und dafür mehr Menschen mit der Bahn fahren. Im Tullinger Publikum saßen einige, die den Worten und Versprechen derer auf dem Podium nicht so ganz trauten. Eigene Erfahrungen standen dafür Pate. 

Ein ganz anderes Stichwort wurde noch angesprochen, allerdings mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt: die Barrierefreiheit an den Bahnhöfen - gerade in Steinhöring ein ernsthaftes Problem, leben im dortigen Einrichtungsverbund doch jede Menge Menschen, die auf Barrierefreiheit dringend angewiesen sind. „Ja, ich habe da einen Fehler gemacht,“ gab Krause zu, „der neue Bahnsteig in Steinhöring war aber keine Fehlinvestition, wie manche Medien, vor allem der BR in seiner Sendung Quer vorwerfen. Der 76 cm hohe Bahnsteig ist bereits für die S-Bahn ausgelegt.“ Infrastruktur, Infrastruktur, so lautete das Credo der Eisenbahnvertreter in Tulling. „Der Landkreis wächst, also muss reagiert werden.“ 

Was das nun konkret bedeutet, wurde allerdings nicht wirklich ersichtlich. Immerhin erfuhr man, dass die Belastung durch Elektrosmog bei 64 Meter Entfernung von der Oberleitung etwa so hoch sei, wie 30 cm neben einem Radiowecker. „Das neue System wird auf jeden Fall besser,“ so Högl euphemistisch. Aber selbst ein Lokomotivführer meldete sich zu Wort und gab kund, dass er von einer Elektrifizierung der Strecke Wasserburg-Ebersberg nicht viel halte. Wie einige im Publikum setzt er auf akkubetriebene Züge. Auf dem Podium reagierte man dazu im Grunde nicht. Die Gemüter im Saal waren erhitzt und so wolle die Fragestunde auch kaum enden. Unterm Strich: es sind noch sehr viele Fragen offen. Kees

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