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Wo gehöre ich hin?

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„Die Donau ist nicht an allem Schuld“ – so lautet der Titel von Helga Sedlaks Buch. © Foto: Schäfer

Helga Sedlak ist an der Donau groß geworden. Über diesen Raum hat sie ein Buch geschrieben – über sich, ihre Ahnen und über einen großartigen Fluss

Ebersberg – Heimat – was ist das? Und vor allem: was macht sie mit uns? Heimat bedeutet zunächst die Beziehung zwischen einem Menschen und einem Raum, und zwar einem fest definierten – ein Dorf, ein Bezirk, ein Land. Heimat kann die Identität, den Charakter, die Einstellungen und die Weltsicht prägen. Doch was ist, wenn sich die Heimat der Kindheit über 2.000 Kilometer erstreckt und maximal 500 Meter breit ist? Wenn man mal hier und mal dort zuhause ist, wenn die Wurzeln der Ahnen weit ausgeschlagen sind. Nun, man schreibt ein Buch. Doch der Reihe nach. 

Der Gedanke, ein eigenes Buch zu schreiben, kam für Helga Sedlak aus Ebersberg erst am Schluss - am Ende einer Reise in die Vergangenheit, einer Reise zurück bis ins 17. Jahrhundert. Sedlak ist in Bukarest geboren, hat in Deggendorf ihre Kindheit verbracht. Der Vater ist in Regensburg groß geworden, die Mutter kam aus Wien, irgendwie war immer die Donau da – und die Frage, wo gehöre ich hin? 

Auf der Suche nach ihren Wurzeln begab sie sich auf die Reise – nicht nur historisch, sondern auch geografisch. Sie forschte nach ihren Ahnen und besuchte die Orte ihrer Familiengeschichte. Zusammen mit ihrem Mann fuhr sie nach Böhmen und Mähren, nach Wien, nach Regensburg, ins Schwäbische. Und führte dort Gespräche, hat Häuser aufgesucht, viele schöne menschliche Begegnungen gehabt. Am Ende dieser zehnjährigen Reise entstand eine Familienchronik, die ihren Ursprung im Jahr 1670 hat. 

Dieser Punkt sollte eigentlich das Ende ihres Ausflugs in die Vergangenheit sein. Doch der Stoff ließ sie nicht los, die Zeit ihrer Kindheit an der Donau wurde immer präsenter. Und so setzte sich Helga Sedlak wieder an ihren Schreibtisch und fing an zu erzählen: von ihrer Zeit an der Donau, von ihren Großeltern, von ihrem Vater, dem Donaukapitän und ihrer Mutter, der Wiener Kulturbürgerin. 

Von ihr stammt übrigens auch der Titel ihres Buches, wenn auch in abgeänderter Form. Als sich die Familie in Deggendorf in einer Hafenanlage niederließ, war dies für die Mutter, die ihr Leben immer in pulsierenden Metropolen gesehen hatte, ein Schock: „Die Donau ist an allem Schuld.“ 

Helga Sedlak hat ihre Kindheit in zehn Geschichten niedergeschrieben, ein zeitgeschichtliches Werk, das sowohl autobiographische als auch fiktive Elemente enthält. Dabei hat jede Geschichte ein bestimmtes Objekt – sei es ein Zeitungsbericht über eine Donaufahrt, ein besticktes Kleid oder ein Biedermeieranhänger – welches einen Angelpunkt bildet. Dabei geht es nicht immer nur um das Früher, sondern auch um das Jetzt, um die Empfindungen von Helga Sedlak und ihre Versöhnung mit dem Donauraum. 

„Die Donau ist nicht an allem schuld“ ist ein dokumentarisches Werk, eine Reise in eine Vergangenheit, die vielen fremd ist. Und es ist auch ein Bekenntnis: die Donau durchfließt zehn Länder, und doch zeigt das Buch, dass es sich um einen einheitlichen Raum handelt – ein faszinierender Fluss mit faszinierenden Landschaften. Ein Buch über einen Fluss, der keine Grenzen kennt und der Europa verbindet. sc 

Das Buch ist erhältlich in Grafing in den Buchhandlungen Slawik und Braeuer, in Ebersberg in der Buchhandlung Otter, und ganz allgemein unter der ISBN 978-3-7407-4584-4, außerdem in den diversen Online Shops, auch als E-Book.

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