Die Causa Hanslmeier-Prockl

Ziel: ein gutes zukünftiges Miteinander

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Bei der Übergabe von rund 1000 Unterschriften richteten Mechtild Ferber-Holzbauer und Simone Müller deutliche Worte an die KJFVorstände Bartholomäus Brieller (2.v.r.) und Bastian Eichhammer (r.).

Eltern und Mitarbeiter haben in München den Verantwortlichen der Katholischen Jugendfürsorge 1.000 Unterschriften übergeben: Die Forderung: Gertrud Hanslmeier-Prockl soll zurück kommen

Steinhöring/München – Auf großes Unverständnis, ja sogar auf Fassungslosigkeit“, wie Landrat Robert Niedergesäß es betonte, war die Kündigung von Dr. Gertrud Hanslmeier-Prockl, Gesamtleiterin des Einrichtungsverbundes des Betreuungszentrums Steinhö- ring (EVS), durch den Vorstand der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) gestoßen. Einstimmig beschloss neun Tage später die Außerordentliche KJF-Mitgliederversammlung: „Der Aufsichtsrat wird gebeten, darauf hinzuwirken, dass in einer offenen und konstruktiven Aussprache mit Frau Dr. Gertrud Hanslmeier-Prockl der Versuch gemacht wird, die Grundlagen für ein erneutes vertrauensvolles Miteinander von Vorstand und Frau Dr. Gertrud Hanslmeier-Prockl zu schaffen. 

Diese Aussprache soll baldmöglichst unter der Leitung von Herrn Prof. Egon Endres stattfinden“. Die Kündigung von Hanslmeier-Prockl, von vielen liebevoll und nicht minder mit Respekt „Gerti“ genannt, wurde am 20. Mai der Belegschaft durch ein Schreiben vom Vorstandsvorsitzenden Bartholomäus Brieller und Vorstand Bastian Eichhammer bekannt. Eltern und Betreuer erfuhren dies am 21. Mai bei der Zeitungslektüre. Am 23. Mai trafen sich Gertrud Hanslmeier-Prockl als Klägerin und der KJF beim Arbeitsgericht München. Hier war denn zu erfahren, dass Anfang April der KJF-Aufsichtsrat beschlossen habe, sich von Hanslmeier-Prockl zu trennen und am 23. April sei die Kündigung erfolgt. Das Verfahren sollte seinen Lauf nehmen. 

Denn auf Seiten des KJF-Vorstands sah man aufgrund „Unüberbrückbare Differenzen in der Ausrichtung des Einrichtungsverbundes“ keinen anderen Weg. Am 24. Mai schrieb Landrat Robert Niedergesäß an Seine Eminenz Reinhard Kardinal Marx. Am 29. Mai erfolgte die außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt von Mitgliedern des Vereins Katholische Jugendfürsorge. Vor Beginn dieser Mitgliederversammlung kamen gut 40 EVS-Beschäftigte, Eltern, Betreuer und EVS-Bewohner, um dem Vorstandsvorsitzenden Bartholomäus Brieller und Vorstand Bastian Eichhammer 727 Unterschriften der Mitarbeiter zu überreichen. Nur 69 Beschäftigte hatten nicht unterschrieben, da sie derzeit in Urlaub, Elternzeit oder Krankenstand waren. Mechtild Ferber-Holzbauer, die im Betreuungszentrum für die Seelsorge zuständig ist, hatte die Aufgabe die Unterschriften zu überreichen. Am Tag zuvor hatte Ferber-Holzbauer in Steinhöring noch eine Andacht gehalten und hier, wie viele der Mitarbeiter erlebt wie schwierig die aktuelle Situation vor Ort ist. Kurz vor der Sitzung kamen denn auch Brieller und Eichhammer vor die Eingangstür. Brieller streckte die Hände nach den Unterschriftenlisten.

 Nein, sie wolle zunächst noch ein paar erklärende Worte sagen, so Ferber-Holzbauer. „Wir würden gerne wissen, was passiert ist?“ Es könne nicht sein, dass man Beschäftigte wie Betreute im Ungewissen lasse. „Wir haben Stillschweigen vereinbart,“ erklärte Brieller immer wieder mit nahezu stoisch freundlicher Miene. Man wolle das Mediationsverfahren nicht gefährden und werde deshalb keine Einzelheiten nennen. Zu gegebener Zeit werde er Stellung nehmen. Doch Ferber-Holzbauer fuhr beharrlich fort: Die betreuten Menschen im EVS seien sehr emotional aufgebracht und könnten mit der Situation nur schwer umgehen. Auch für die Beschäftigten sei die Situation nicht einfach, da ohne Kenntnis den Betreuten kein warum und weshalb zu erklären sei. So könne man die Betreuten nur schwer beruhigen. „Wir wollen unsre Gerti wiederhaben“, rief einer von ihnen dazwischen. Deutlicher wurde Simone Müller, Vorsitzende des Werkstattbeirates, die rund 300 gesammelte Unterschriften zu überreichen hatte: „Wir fordern“, betonte sie laut, „dass die Kündigung von Gertrud Hanslmeier-Prockl zurückgenommen wird.“ 

So sei nicht mit der von allen geschätzten Einrichtungsleitung umzugehen. Schließlich lebe man nicht mehr im 15. Jahrhundert und seinen Scheiterhaufen. „Finden Sie einen goldenen Mittelweg. Wir fordern, dass unsre Gerti wieder zurückkommt“. Er werde den letzten Satz, einen goldenen Mittelweg zu finden, mit in die Sitzung nehmen, erklärte Brieller und drehte sich zum Eingang. Doch da meldete sich eine Mutter aus der Gruppe. Auch die Eltern und Betreuer hatten ein Schreiben an die KJF verfasst. Sie monierte, dass „bis heute, die Eltern seitens des KJF nicht informiert wurden“. Man habe es aus der Zeitung erfahren und sei sehr enttäuscht; habe man doch großes Vertrauen in das KJF gesetzt, indem man seine Kinder und Angehörigen der Einrichtung anvertraut habe. Gegenüber dem Grafinger Anzeiger äußerte eine andere Mutter, dass es in den vergangenen Wochen schon „ungute Gefühle gegeben“ habe. „Gerti Hanslmeier-Prockl war immer präsent; hat nie gefehlt.“ 

Der „eindringlichen Bitte“ im Schreiben von Landrat Niedergesäß – unterzeichnet von den Landtagsabgeordneten Thomas Huber und Doris Rauscher, den Bezirksrätinnen Ottilie Eberl und Susanne Linhart sowie Prof. Dr. Angelika Niebler, Dr. Andreas Lenz und Staatsministerin a.D. Christa Stewens – kommt der Beschluss der KFJ Mitgliederversammlung nahe. Im Schreiben heißt es, da die „Katholische Jugendfürsorge in der Verantwortung stehe, Brücken zu bauen, statt sie einzureißen“, gelte „sich im Sinne einer friedlichen und christlichen Lösung für alle betroffenen Menschen einzusetzen und die Kündigung von Frau Dr. Hanslmeier-Prockl zurückzunehmen“. Ferner schlug man vor, Prof. Dr. Egon Endres, den ehemaligen Präsidenten der Katholischen Stiftungshochschule München, als Vermittler einzuschalten. „Prof. Dr. Endres kann, da er beide Seiten aus seiner beruflichen Tätigkeit gut kennt, einen Weg aus dieser schwierigen Situation finden“ ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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