Zukunftsrisiko Fachkräftemangel

Sozialministerin Kerstin Schreyer zu Gast im Einrichtungsverbund Steinhöring

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Gertrud Hanslmeier-Prockl leitet den EinrichtungsverbundSteinhöring

Den Besuch der bayerischen Sozialministerin Kerstin Schreyer im Einrichtungsverbund Steinhöring nimmt die Leiterin des Hauses zum Anlass dringende Probleme anzusprechen

Steinhöring – Auf Einladung von Thomas Huber (CSU) kam am 11.September die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer in den Einrichtungsverbund Steinhöring. Beim Sozialempfang machte Einrichtungsleiterin Gertrud Hanslmeier-Prockl auf die Lebensbedingung schwerstbehinderter Menschen und die damit verbundenen Schwierigkeiten aufmerksam. 

„Uns geht es vor allem darum, auf das Problem des Fachkräftemangels aufmerksam zu machen, das für uns ein großes Problem darstellt. Es fehlen einfach Mitarbeiter und das geht auf Kosten der Menschen, die wir betreuen,“ erklärt sie. „Zwar bilden wir aus, doch wir kommen damit an unsere Grenzen. Es fehlen Anleitungszeiten, Geld und Personal.“ Sie fordert deshalb von den Kostenträgern mehr Unterstützung. „Die Anleitungszeiten müssen separat finanziert werden. Das ist aber nicht der Fall.“ Die Auszubildenden, so erzählt sie, sind zum Teil in den Stellenplan integriert oder müssen zusätzlich finanziert werden. Das eben sei schwierig. Dabei gäbe es durchaus mehr Menschen, die im Pflegebereich arbeiten wollen. „Von unsern jährlich etwa 40 Mitarbeitern, die ein freiwillig soziales Jahr bei uns absolvieren, will sich die Mehrzahl ausbilden lassen. Das können wir nur unter den gegebenen Umständen nicht leisten. Deshalb meine Forderung ans Ministerium und die Kostenträger, den Versorgungsauftrag ernst zu nehmen und uns mehr zu unterstützen.“ Personalengpässe gibt es, weil der Fachkräftemangel einerseits ein allgemeines Problem darstellt, aber auch weil immer mehr Menschen ausgebildet werden müssen, unter anderem da ältere Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. 

Sorgen macht sich Hanslmeier-Prockl aber auch um die Lebensqualität für Menschen mit hohem Hilfebedarf im Alter. „Aktuell sollen ältere Menschen raus aus der Förderstätte, obwohl der Bedarf an Eingliederungshilfe weiterhin gegeben ist. Auch ältere Menschen haben Bedarf an Teilhabe und Begegnung zum ersten Lebensbereich,“ so ihre Worte. Sie fordert deshalb von der Politik und den Kostenträgern, dafür Sorge zu tragen, dass Menschen mit schweren Behinderungen im Alter nicht schlechter betreut werden. „Auch für sie muss der Anspruch auf Eingliederungshilfe gelten.“ Sie warnt eindringlich davor, dass diese Menschen sonst von Altersarmut betroffen sein werden. „Wir brauchen eine klare Zusage für Menschen mit schwersten Behinderungen im Alter, dass diese in der Eingliederungshilfe verbleiben können und der individuelle Teilhabebedarf auch weiterhin über das Renteneintrittsalter hinaus in der Förderstätte gewährt werden kann,“ so ihr Appell. 

Auch bei den Kindertagesstätten sieht sie dringenden Verbesserungsbedarf. Ein verbesserter und auch verpflichtender Stellenschlüssel sei beispielsweise notwendig, auch um Krankheitsvertretungen gewährleisten zu können. Außerdem leisteten sich reiche Gemeinden häufig bessere Kinderbetreuung als Kommunen mit weniger Geld, was zu größeren Verwerfungen führe. Deshalb: „Wir brauchen einen Schlüssel, der alles abdeckt, von den Leitungsaufgaben über die Verwaltung bis hin zur Vor- und Nachbearbeitungszeiten.“ Hier spricht jemand aus der Praxis und für die Menschen, für die sie Verantwortung trägt. Bessere Ratgeber kann man nicht finden. Ihr Anliegen, die Kostenträger mögen sich stärker einbringen, auch finanziell, leuchtet unbedingt ein. Auch an die Politik gehen die Forderungen. Wie war das: die Versorgung von Menschen mit Behinderung, im Alter und von Kindern in den Kitas ist ein gesellschaftlicher Auftrag. Ja, das gilt es tatsächlich ernst zu nehmen. Kees

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