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Den Schmerz im Griff

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Dr. Peter Lemberger, Anästhesie-Chefarzt an der Kreisklinik Ebersberg.

Dr. Peter Lemberger von der Kreisklinik Ebersberg: Peridural-Anästhesie hilft auch nach Operation.

Schmerzen nicht nur während einer Operation, sondern auch noch danach effektiv ausschalten, das ermöglicht die Peridural-Anästhesie. Diese Regionalanästhesie-Methode wenden Dr. Peter Lemberger, Anästhesie-Chefarzt an der Kreisklinik Ebersberg, und sein erfahrenes Team vor allem bei Eingriffen am Darm, aber auch bei anderen bauchchirurgischen Operationen, in der Urologie und Gynäkologie an. Der Mediziner schätzt das Verfahren und erläutert es seinen Patienten im Vorfeld ausführlich. 

Was bedeutet das Wort Peridural-Anästhesie eigentlich? 

Lemberger: Der Periduralraum umgibt das Rückenmark. Er ist der Bereich außerhalb der harten Rückenmarkshaut und birgt die Wurzeln der schmerzleitenden Nervenfasern. An diese heftet sich das Betäubungsmittel und verhindert so die Weiterleitung der Schmerzen. Die Peridural-Anästhesie ist also ein rückenmarksnahes Verfahren. 

Und wie gelangt das Betäu-bungsmittel dorthin? 

Lemberger: Wir behandeln den Patienten im Sitzen, weil wir so bei leicht vorgebeugter Haltung mit der Nadel am leichtesten zwischen zwei Dornfortsätze kommen. Davor braucht es nur eine lokale Betäubung, das ist ein kleiner Piecks, mehr nicht. Wenn die Hohlnadel im Periduralraum ist, können wir durch sie hindurch den hauchdünnen Plastikschlauch, den Periduralkatheter, für das Betäubungsmittel einführen. 

Und der bleibt auch nach der Operation an Ort und Stelle? 

Lemberger: Ja, der Periduralkatheter hat den großen Vorteil, dass sich die Patienten dann selbst per Knopfdruck über eine Schmerzpumpe die von uns festgelegte Schmerzmittel-Dosis verabreichen können. Selbstverständlich überwachen wir diese ständig, passen sie bei Bedarf während unserer zweimal täglichen Kontrollbesuche auf der Station auch den individuellen Bedürfnissen der Patienten an. 

Gibt es noch weitere Vorteile der Peridural-Anästhesie? 

Lemberger: Ja, natürlich. So eignet sie sich besonders für das in unserem Darmzentrum häufig verwandte „Fast-Track-Operationsverfahren“, bei dem der Körper schnell wieder zu seinen normalen Funktionen gelangt. Der Periduralkatheter fördert die Darmtätigkeit und dank der gezielten Schmerzbehandlung können die Patienten schon am ersten Tag nach der Operation wieder essen und sich auch schon auf die Bettkante setzen. 

Wo kann dieses Verfahren noch angewandt werden? 

Lemberger: Der Periduralkatheter bietet sich für die Erleichterung der Geburt an und er wird oft in der Gynäkologie, Uro-Gynäkologie und Urologie eingesetzt. Aber auch zum Beispiel bei schmerzhaften Rippenbrüchen. 

Gibt es Kontraindikationen? 

Lemberger: Wir müssen es unbedingt wissen, wenn die Gerinnbarkeit des Blutes herabsetzende Medikamente wie Marcumar oder Aspirin eingenommen wurden oder wenn eine angeborene Blutungsneigung besteht. Dies zu klären, ist ein Teil des umfassenden Aufklärungsgespräches, das wir mit jedem Patienten im Vorfeld des Eingriffs führen. Vor, während und nach der Operation ist die Sicherheit der Patienten unser größtes Anliegen.

Warum haben wir Schmerzen?

Schmerz ist ein wichtiger Warnmechanismus unseres Körpers, der auf eine Erkrankung, eine Verletzung oder auf die Gefahr einer Verletzung hinweist. Operationen sind häufig mit einer solchen Verletzung verbunden. Im Operationssaal verspüren wir keine Schmerzen, solange wir uns in Narkose befinden oder die regionale Betäubung anhält. Bereits am Ende der Operation, in der Aufwachphase sowie noch einige Tage danach ist es meist notwendig und sinnvoll, den Wundschmerz mit Hilfe von Medikamenten zu lindern. Nach größeren Eingriffen kann die Gabe von Analgetika mit erweiterten Verfahren der Schmerzbehandlung kombiniert werden. Sehr günstig - etwa um die Entstehung einer Schmerz-erinnerung zu verhindern – sind Regionalverfahren, welche dann auch für die ersten Tage nach dem Eingriff genutzt werden können. Alternativ kann auch eine patientenkontrollierte Analgesie eingesetzt werden, die mit starken Schmerzmitteln auf intravenösem Weg, also direkt über die Vene, durchgeführt wird. Dazu erhält der Patient eine elektronisch gesteuerte Pumpe, welche auf Knopfdruck die vom Anästhesisten zuvor eingestellte, der Schmerzstärke, dem individuellen Körpergewicht und an bestehende Vorerkrankungen angepasste Dosis abgibt. Diese Pumpe wird vom Arzt so programmiert, dass eine ausreichende Schmerzlinderung garantiert ist, aber nicht die Gefahr einer Überdosierung besteht. Schmerzfreie Operationen gibt es in der Regel nicht, jedoch muss dank des ärztlichen Könnens niemand mehr Angst vor unerträglichen Schmerzen haben.

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