Aus dem Vaterstettener Gemeinderat

Vaterstettener Gemeinderat vor Dilemma: Wohnungen oder Gewerbe?

+
Direkt an der Dorfstraße (im Vordergrund) zwischen Pfarrer-Aigner-Allee und dem Kreisel nach Ottendichl (re.) soll das neue Wohngebiet mit neun Gebäuden entstehen.

Günstiger Wohnraum oder lieber Geld in die Kasse durch Gewerbe – vor diesem Dilemma stand jetzt der Vaterstettener Gemeinderat. Zumal eine Alternative für ein Gewerbegebiet momentan unklar ist.

Vaterstetten – Am Ende entschieden sich die Gemeinderäte dann recht eindeutig für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Rund 130 Wohneinheiten sollen nun im Gebiet Vaterstetten-Nord entstehen. Die neue Siedlung soll dort entstehen, wo bislang Gewerbe geplant war: Im Anschluss an die schon im Bau befindliche Siedlung an der Dorfstraße bis zum Kreisel nach Ottendichl. Der Vorteil: Vaterstetten ist dort durch Ankäufe mittlerweile Eigentümer aller Grundstücke. Damit hat es die Gemeinde selbst in der Hand, in großem Umfang bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. 

„Es besteht weiterhin eine große Frage nach Wohnraum, insbesondere bezahlbarem Wohnraum“, heißt es aus dem Rathaus. Deshalb will man die derzeit noch unbebauten Flächen für Geschosswohnungsbau zu entwickeln. 30 Prozent soll als Sozialwohnungen, aber auch der Rest deutlich preisgedämpfter als normal, eventuell auch als Genossenschaftswohnungen vermietet werden. 

Denkbar wäre auch, eines der Grundstücke ganz an eine Genossenschaft zu vergeben, um den bezahlbaren Wohnraum schneller zu realisieren. Denn aus Personalgründen wird die Neubebauung wohl nur zeitlich versetzt in mehreren Bauabschnitten erfolgen können. Auf jeden Fall sollen die Planungen umgehend gestartet werden. Ein großes Raster gibt es dafür bereits. Höhe und Dichte soll sich an den vorhandenen Bauten nebenan orientieren. 

Die Einfahrtssituation an der Pfarrer-Aigner-Allee soll nun auf der rechten Seite durch einen Kopfbau mit kleinem Turm davon akzentuiert werden. Die vom Vaterstettener Bauausschuss favorisierte Variante sieht insgesamt neun Gebäude vor, die sich um zwei kleine Höfe gruppieren. Durch die kleineren Gebäudeeinheiten sind verschiedene Wohnmodelle möglich. Vorstellen kann man sich auch einen Café oder eine Bäckerei. Einem Supermarkt hingegen wurden an der Stelle eher geringe Überlebenschancen eingeräumt. Eher vielleicht einer kleinen Kneipe. 

Durch einen Realisierungswettbewerb soll die städtebauliche Qualität der Bebauung entlang der Dorfstraße gesichert werden. Dabei soll auch der Schallschutz eine wichtige Rolle spielen, den man aber durch gut durchdachte Grundriss-Lö- sungen in den Griff kriegen will. Man begrüße ausdrücklich, dass „nach vielen Jahren des Stillstands endlich wieder bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll“, hatte Günter Lenz (SPD) im Vorfeld der Gemeinderatssitzung verlauten lassen. 

Die SPD habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder dafür eingesetzt. Man erinnert jedoch auch an die Einnahmesituation der Gemeinde, die dringend verbessert werden müsse. Ausschließlich Großbetriebe mit enormem Flächenverbrauch anzusiedeln, sei nicht der richtige Weg, so die SPD-Gemeinderäte. „Wir brauchen einen vernünftigen Firmenmix und dazu müssen auch kleinere und mittlere Betriebe angesiedelt werden“, so die Forderung. Für die sollte eigentlich in Vaterstetten-Nord Platz sein. Das ursprünglich geplante Gewerbegebiet sollte zuletzt allerdings in den Osten Vaterstettens zum Umspannwerk umziehen. 

Allerdings stehen die Flächen bis auf weiteres nicht zur Verfügung, meldete nun das Rathaus. Hier sei es lediglich gelungen, 4,5 Hektar für eine Gewerbeentwicklung zu sichern. Zudem hat sich offenbar ein Investor dort Fläche für Wohnungsbau gesichert. Für die SPD ist trotzdem nicht schlüssig, dass das „neue“ Gewerbegebiet im Osten jetzt nicht im Beschluss mit drin steht. Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) hingegen argumentiert, dass man sich mit solch einem Passus nicht selbst bzw. den Wohnungsbau im Norden blockieren wollte. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Niebler warnt davor, bezahlbaren Wohnraum gegen Gewerbesteuereinnahmen auszuspielen. „Für uns sind beide Themen extrem wichtig.“ Die Umwandlung der ursprünglich für Gewerbe vorgesehenen Flächen sei für Vaterstetten eine Riesenchance. Nun soll es möglichst bald einen Aufstellungsbeschluss für ein weiteres Gewerbegebiet geben. Noch wird darüber diskutiert, wo genau dies dann liegen wird. die

Auch interessant:

Meistgelesen

Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!
Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!
Ziach Kaiser begeisterte in der kostbar
Ziach Kaiser begeisterte in der kostbar
Aktuelle Informationen zum Coronavirus im Landkreis Ebersberg
Aktuelle Informationen zum Coronavirus im Landkreis Ebersberg

Kommentare