Ebersberger Kreisklinik informiert

Harnsteine sind neue Volkskrankheit

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Urologe etabliert Stein-Behandlungszentrum an der Kreisklinik Ebersberg

Ebersberg – In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Menschen mit einer Harnsteinerkrankung in Deutschland auf derzeit 1,2 Millionen pro Jahr verdreifacht“, sagt der Urologe PD Dr. Markus Bader. Jeder zwanzigste Bundesbürger sei in seinem Leben ein- oder mehrfach von einem Harnsteinleiden betroffen, so der Belegarzt an der Kreisklinik Ebersberg. Dort hat er aus diesem Grund jüngst ein „Steinzentrum“ etabliert. „Wir können den Patienten neben konservativ medikamentösen auch alle operativen, vorwiegend minimal-invasiven, Techniken zur Steinentfernung anbieten“, freut sich der 43-jährige Mediziner, der zum Thema Urolithiasis, also Harnsteinleiden, habilitiert hat.Was sind eigentlich Harnsteine?Dr. Bader: Harnsteine können im gesamten Harntrakt vorkommen, wir unterscheiden zum Beispiel Nierensteine, Harnleitersteine und Blasensteinen. Harnsteine sind Ablagerungen, die sich in der Niere aus Kristallen bilden.Welches sind die Ursachen für Harnsteine?Vor allem Übergewicht und zu wenig Bewegung. Wenn Sie so wollen, sind Harnsteine auch ein Preis unserer Wohlstandsgesellschaft. Das metabolische Syndrom, bestehend aus Übergewicht, Blutzuckererhöhung, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, ist häufig mit Harnsteinen vergesellschaftet. Seltener sind Stoffwechselstörungen wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, Abflussbehinderungen der ableitenden Harnwege, zum Beispiel durch eine Verengung des Nierenbeckenabganges oder angeborene Erkrankungen ursächlich. Aber auch eine zu geringe Trinkmenge, besonders im Sommer oder bei starker körperlicher Betätigung, kann zu Harnsteinen führen.Was raten Sie zur Prävention?Ich empfehle eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine ausreichende Menge an Flüssigkeit. Mindestens anderthalb bis zu zweieinhalb Liter sollte man am Tag schon trinken.Bei welchen Beschwerden besteht der Verdacht auf einen Stein?Leider zeigen Nierensteine meist keine Symptome. Diese entstehen erst, wenn ein Stein in den Harnleiter rutscht Dann können die Schmerzen in Abhängigkeit von der Lage der Steine sehr heftig sein und bis zur äußerst schmerzhaften Kolik reichen. Die Schmerzen können in Abhängigkeit der Steinlage in unterschiedliche Körperregionen ausstrahlen. Die unverzügliche Einleitung einer adäquaten Schmerz- und gegebenenfalls Entzündungstherapie ist dann unumgänglich.Und wie geht es dann weiter?Als nächstes gilt es zu schauen, ob durch einen eingeklemmten Harnleiterstein die Niere staut. Dabei hilft uns zunächst die Untersuchung mit dem Ultraschall. Wenn der Patient Fieber oder Schüttelfrost hat, deutet dies auf einen sofort behandlungsbedürftigen Infekt hin. Blutuntersuchungen geben uns zusätzlich Aufschluss über den Infektstatus und die Nierenfunktion. Können Sie Nierensteine auch vor Auftreten einer Kolik ohne große Operation entfernen?Ja, da ist sogar oft der Fall. Die Wahl der Methode steht in Abhängigkeit zur primären Steingröße. Wenn ihr Durchmesser unter 0,8m Zentimeter liegt, wählen wir die „Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie“ (ESWL). Bei dieser berührungsfernen Methode werden die Steine durch fokussierte Energiewellen von außen zertrümmert. Allerdings bleibt hier ein Risiko, dass wir nicht alle Steine erwischen. Außerdem ist diese Technik bei Menschen, die ein starkes Übergewicht haben oder Blutverdünnungsmittel nehmen, nicht anwendbar.Welche Möglichkeit haben Sie dann?In diesen Fällen oder wenn die Nierensteine zwischen 0,8 und 1,5 Zentimetern groß sind oder eingeklemmte Harnleitersteine vorliegen, wählen wir den minimal-invasiven Weg durch die Harnröhre. Durch sie führen wir ein Endoskop über die Blase in den Harnleiter oder gegebenenfalls auch weiter in das Nierenbecken. Dank sehr feiner und flexibler Instrumente erreichen wir alle Nierenkelche und können die Steine mit einem Körbchen abtransportieren oder zuvor mit einem Speziallaser zerkleinern.Und wenn die Nierensteine zu groß dafür sind?Dann steht uns die anspruchsvollste Methode zur Verfügung. Sie setzt erfahrene und gut ausgebildete Operateure sowie hochmoderne Mini-Instrumente voraus. Bei der minimal-invasiven perkutanen Nephrolitholapaxie (MIP) legen wir an der Körperaußenseite mittels einer Punktionsnadel einen dünnen Kanal bis zur Niere. Durch diesen können wir ein dünnlumiges, optisches Instrument einführen und dann die Steine mit Laser oder Ultraschall zertrümmern und entfernen. KKH

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