Musikalische Lesung

„Hass ist keine Antwort“

+
Tenor Yoed Sorek und Pianistin Susanna Klovsky im Vaterstettener Gymnasium.

Musikalische Lesung mit Enkel von Holocaust-Überlebender im Gymnasium Vaterstetten

Vaterstetten – Yoed Sorek ist der Enkel der Holocaust-Überlebenden Sima Skurkovitch. Die hat einst ihre Erlebnisse aufgeschrieben und erzählt. Ebenso präsent aber waren ihrer Familie die Lieder, die sie stets gern gesungen hat. Yoed ist Musiker, seit vielen Jahren tritt er gemeinsam mit der Pianistin Susanna Klovsky auf. 2016 hatten die beiden die Idee, Simas Geschichte und die alten jiddischen Lieder zu einer musikalischen Lesung zu verknüpfen und damit in Schulen aufzutreten, denn: „In der Welt läuft etwas gewaltig schief, dagegen müssen wir was tun.“ 

Nun waren sie zu Gast im Humboldt-Gymnasium, wo die Schüler der neunten Klassen ihnen anfangs etwas skeptisch, dann aber mit wachsender Spannung und schließlich tief bewegt lauschten. Yoed erzählte von Sima, die in Vilna, der Hauptstadt Litauens, aufwuchs: „Sie hatte eine unbeschwerte Kindheit. 1941 war sie 17 und träumte von der großen Liebe“, was die Musiker mit entsprechend lieblichen Liedern verdeutlichten. Doch dann wurde die Lage auch für die Juden in Litauen bedrohlich: Simas Vater und Bruder wurden nach Ponar gebracht, wo 10.000 jüdische Männer ihr Leben ließen. Die Juden, die zuvor über die ganze Stadt verteilt lebten, wurden in ein Ghetto gebracht. Als auch Simas Mutter verschwand, schloss sich das junge Mädchen einer Untergrundbewegung an und landete schließlich in einem Arbeitslager in Estland, wo viele ihrer Weggefährten starben. In all dieser Zeit gaben Sima die jiddischen Lieder ihrer Kindheit Kraft, so zum Beispiel das nostalgische „Vilne, Vilne“, das die Schönheit ihrer Heimatstadt besingt. Ein anderes Lied, das in schweren Zeiten Mut machte, ist „Minutn fun Bitokhn“, das Mordechai Gebirtig 1940 im Krakauer Ghetto geschrieben hat. Sima hat überlebt, doch das Trauma wirkt in den nachfolgenden Generationen weiter. „Die Frage, wie jemand anderen so etwas antun konnte, beschäftigt mich jeden Tag“, bekannte Yoed.

 Dass er heute dennoch friedlich in Deutschland leben kann, sei fast ein Wunder. „Das zeigt: Frieden ist möglich! Hass ist keine Antwort, wir sind alle Menschen und wir müssen zusammen arbeiten für den Frieden!“, rief er und erntete dafür spontanen, lang anhaltenden Applaus der Jugendlichen. Im Anschluss an die Lesung stellten die Schüler noch viele Fragen, insbesondere die jiddische Sprache, die ihren Ursprung im Altdeutschen hat, interessierte sie sehr. Yoed lobte die gute Zusammenarbeit mit der Schule: „Die Schüler wurden im Unterricht sehr gut vorbereitet, haben einige jiddische Wörter gelernt und die Geschichte meiner Großmutter gehört.“ 

Möglich wurde diese besondere Veranstaltung durch die Geschichtslehrerin Katharina Gnilka, deren Freundin Maria Möbius sich für das Projekt „Zeugen der Zeitzeugen“ engagiert. Nähere Infos: www.zeugen-der-zeitzeugen.de. se

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

Auch interessant:

Meistgelesen

Brettlbühne Vaterstetten hilft Parsdorfer Familie
Brettlbühne Vaterstetten hilft Parsdorfer Familie
Das neue Fahrplanheft für den Landkreis ist da
Das neue Fahrplanheft für den Landkreis ist da
Arbeitskreise in Kirchseeon wollen Zusammen arbeiten
Arbeitskreise in Kirchseeon wollen Zusammen arbeiten
Hüttenbetreiber in Grafing spenden an Kinderkrebshilfe Ebersberg
Hüttenbetreiber in Grafing spenden an Kinderkrebshilfe Ebersberg

Kommentare