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Haus der Vereine: Schluss nach 155 Jahren

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Von: Oliver Oswald

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Ausschreibung Wettbewerb Haus der Vereine Zorneding
Das Haus der Geschichte stand immer wieder im Fokus – auch bei einem Studentenwettbewerb im Jahr 2021. © osw

Geschichtsträchtiges Gebäude ist bald Geschichte – das Haus der Vereine in Zorneding steht vor dem Abbruch

Zorneding – „Das sehen die Vereine aber vermutlich ganz anders“, so versuchte Bürgermeister Piet Mayr die wahrliche Abbruchstimmung rund ums Haus der Vereine einzudämmen. Im Bauausschuss ging es um die Zukunft des Gebäudes im historischen Zentrum der Gemeinde. Und schon bald zeigte sich an diesem Abend, dass dieses Haus wohl sehr bald schon Geschichte sein könnte. Dabei hatte es über Jahrzehnte selbst bedeutende Geschichte geschrieben. 155 Jahre trägt es mittlerweile auf dem Buckel, diente in dieser Zeit auch als Schule und Verwaltungsgebäude. „Es ist das letzte wirklich historische Gebäude in unserer Gemeinde“, erhob Peter Pernsteiner mahnend seine Stimme.

Er zählte an diesem Abend zur absoluten Minderheit derer, die noch an Sanierungsmaßnahmen für das vor allem unter Feuchtigkeit leidende Haus festhalten wollen. Seit zwei Jahren sei an dem Gebäude nichts mehr gemacht worden, kritisierte er. Corona hatte daran wohl Mitschuld, denn immerhin war damals bereits über Erhalt oder Abriss gesprochen, aber nichts entschieden worden. Im Bauausschuss lag jetzt ein Gutachten vor, dass eindeutiger eigentlich nicht sein könnte: Innenarbeiten waren in fünf Abschnitte aufgeteilt, jeder durchaus umfangreich; der Außenbereich müsste gar in neun Schritten angegangen werden. Hauptziel: Raus mit der Feuchte und Salzschäden aus den Mauern. Problem: Selbst nach erfolgreichen Erstmaßnahmen wäre die Gefahr der erneuten und dauerhaften Wiederverfeuchtung nicht garantiert gebannt. Von den Kosten bräuchte man gar nicht reden. Und das war an diesem Abend mit entscheidend, denn die Gemeinde verfügt über eine umfangreiche Liste zu Gebäuden, die erhalten, erneuert oder neu gebaut werden müssten. In dieser viele Millionen schweren Auflistung hatte es das Haus der Vereine bis dato noch gar nicht geschafft. Die Akzeptanz in der Bevölkerung und auch den Gemeinderatsmitgliedern schwindet zusehends. Aus einem liebenswerten Historienbau wurde zu offensichtlich eine miefige Leerstandskrücke. Der Wunsch nach einer neuen, zeitgemäßen Einrichtung würde immer größer, betonte im Ausschuss Bianka Poschenrieder (SPD). Ihre Fraktion hatte wie auch die Grünen schon vor zwei Jahren für einen Neubau gestimmt.

Deren Sprecher Helmut Obermaier verwies auf 1,3 Millionen Euro, die 2020 noch für eine Sanierung im Haushalt vorgesehen waren. Diese Mittel würden bei wahrscheinlichen fünf Millionen, die nun nötig wären, ja so und so nicht ausreichen. Dagegen konnte auch Haus der Vereine-Fan Piet Mayr mittlerweile nicht mehr wirklich argumentieren. Und angesichts der finanziell doch schwierigeren Lage in der jetzigen Krise kann von einem zeitnahen Neubau noch keine wirkliche Rede sein. Betonung liegt auf noch: Denn beschlossen wurde letztlich eine Abbruchvorbereitung, wobei ein Neubau grundsätzlich angestrebt wäre. Nur Peter Pernsteiner stimmte dagegen.

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