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Das Herz von Parsdorf schlägt wieder

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Strahlende Gesichter in der „Alten Post“: Inhaber Charly Müller, Bürgermeister Georg Reitsberger und Pfarrer Thomas Kratochvil (von links). © Foto: Se

Pünktlich zum 200. Gemeindejubiläum: Bürger können einen ersten Blick in die neue „Alte Post“ wagen.

Parsdorf – Das Herz von Parsdorf schlägt wieder: Nach einer zuletzt wechselvollen Geschichte wird in dieser Woche der Gasthof „Alte Post“ wieder eröffnet. 

Besucher konnten anlässlich des 200. Jubiläums der Gemeinde Parsdorf schon am vergangenen Sonntag einen ersten Blick in die frisch renovierten Räume werfen. 

Am 26. Juni 1818 wurde Parsdorf im Zuge der königlich-bayerischen Gebietsreform zum Sitz der Gemeinde bestimmt. Die zusammengewürfelte Kommune hatte es anfangs nicht leicht, wie Bürgermeister Georg Reitsberger nach dem Festgottesdienst in der Nikolauskirche erzählte: „Die bettelarme Bevölkerung lebte in schmucklosen Dörfern.“ Zwar galt seit 1803 die Schulpflicht, doch mangels eines Schulgebäudes konnten die meisten Dorfkinder keine Schule besuchen, Unterricht fand lediglich in einem Pfarrhaus statt. 

Die Umstände besserten sich erst ab 1828, auch dank der neu eingeführten Bier- und Lustbarkeitsteuer: „Parsdorf entwickelte sich zu einer vorbildlich strukturierten Gemeinde“, zumindest bis 1972, als das neue Rathaus in Vaterstetten in Betrieb genommen wurde. 

Eng verbunden war die Geschichte Parsdorfs stets mit dem Gasthaus „Alte Post“: Gelegen an der Salzstraße, war hier ab dem 17. Jahrhundert eine Poststation. Ludwig van Beethoven, Kurfürst Max Josef III. und Papst Pius VI. machten hier Halt und am 15. Juli 1800 wurde hier ein Waffenstillstand zwischen Kaiser Napoleon und dem österreichischen Heerführer geschlossen. 

Doch zuletzt stand der Gasthof, der der Kuratie Neufarn gehörte, mehrere Jahre leer. Als die Kuratie das Gebäude verkaufen wollte, bildete sich sogar eine Bürgerinitiative. Schließlich sprang die Gemeinde Vaterstetten als Käufer ein, die das Anwesen wiederum an den Parsdorfer Charly Müller, den früheren Kirchenpfleger, verkaufte. Der renovierte das Gasthaus und schrieb nebenbei ein Buch über Geschichte und Gegenwart des Gebäudes. Dieses Buch wurde am Sonntag anlässlich der 200-Jahr-Feier erstmals vorgestellt und verkauft, es ist künftig im Rathaus Vaterstetten erhältlich. 

Reißenden Absatz fanden am Sonntag auch zwei Sonderbriefmarken der Briefmarkenfreunde Vaterstetten, die es zusammen mit einem Sonderstempel der Deutschen Post und passenden Kuverts mit Motiven von Gasthaus und Dorfplatz gab. Nun erstrahlt das Gasthaus in neuem Glanz. 

Mit Rainer Glück, ehemals Manager im Hofbräuhaus, wurde ein neuer Wirt gefunden, der zusammen mit Familie Müller und Gesellschafter Hubert Hackl dem Gebäude neues Leben einhauchte. Auffallend sind die vielen liebevollen Details in der Innenausstattung. So ist die historische Ziegelmauer noch sichtbar, die Wandlampen wurden aus altem Holz gefertigt und in einer Nische prangt eine alte Postkutsche. Auch Napoleon lässt grüßen – als Wandgemälde im Eingangsbereich. 

Die Parsdorfer freuen sich schon auf die Wiedereröffnung „ihrer“ Wirtschaft, entsprechend großer Andrang herrschte bei der Besichtigung. Ab dieser Woche dürfen Gasträume und Biergarten nun endlich wieder ganz offiziell zum Essen, Trinken und Genießen genutzt werden. se

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