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Wie fit ist der Forst?

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Baumfällarbeiten im Ebersberger Forst
Motorengeräusche hört man im Forst gerade recht häufig, denn die Bäume mit Schädlingsbefall müssen so schnell wie möglich gefunden und vor allem gefällt und aus dem Wald gebracht werden. © tt

Die letzten Wochen waren sehr heiß und trocken, auch für den Ebersberger Forst. Wir sprachen mit Frauke Holland, Servicestellenleiterin beim Forstbetrieb Wasserburg, über die Fitness des größten zusammenhängenden Waldgebietes in Deutschland.

Landkreis – „Die letzten vier, fünf Wochen waren sehr trocken und vor allem auch heiß, da sieht man jetzt durchaus schon Spuren von Erschöpfung bei den Bäumen“, so Frauke Holland, von den bayerischen Staatsforsten in Wasserburg.

Der Ebersberger Forst ist sehr geprägt von der Fichte und gerade hier lassen sich für den Waldbesucher die Schäden sogleich mit einem Blick ablesen. „Die Fichte hat heuer im Frühjahr stark geblüht, das kostet den Baum viel Kraft und die Trockenheit in diesem Jahr zeigt sich an diesem Baum sehr deutlich mit gelblich bräunlicher Farbe“, so die Waldexpertin.

„Das ist aber nicht unser einziges Problem im Moment mit der Fichte“, erzählt Holland weiter, „gerade in den letzten zwei Wochen haben die Schäden von Buchdrucker und Kupferstecher enorm zugenommen.“

Befallene Bäume müssen schnell raus aus dem Wald

Die beiden Borkenkäferarten zwingen die Forstleute zu raschem Handeln. So sind im Forst mehrere Forstwirte unterwegs, die die geschädigten Bäume ausfindig machen, in einer App markieren und da es so viele Bäume sind, wird es laut Holland wohl meist der Harvester sein, der den Schaden schnell und effizient aus dem Wald holt. Sogar externe Käfersucher wurden engagiert, um ja keinen Baum zu übersehen, breiten sich die Schädlinge doch gerade bei diesem Wetter schnell aus.

Es waren aber nicht nur die letzten Wochen stressig für den Wald, „wir haben ja schon die vergangenen zwei bis drei Jahre zu wenig Niederschlag“. Obwohl der Ebersberger Forst von der Trockenheit eher im Mittelfeld liegt, gibt es auch hier Tage und Phasen, wo einfach zu wenig Wasser im oberen Bereich des Bodens für die Pflanzen vorhanden ist.

Die Staatsforsten setzen auf Naturverjüngung statt auf Baumschulware

Dies ist vor allem für die schon erwähnte Fichte schwierig, weil sie ein Flachwurzler ist, aber auch für den natürlichen Aufwuchs, auf den die bayerischen Staatsforsten setzen. Die Naturverjüngung hat gegenüber der Baumschulware den Vorteil, dass die Feinwurzeln durch die Verschulung nicht zweimal abgeschnitten werden, sprich die Wurzel konnte sich vor Ort an die Bodengegebenheiten anpassen. Außerdem hat sich ein genetisches Potential vor Ort besser bewährt gegenüber Umwelteinflüssen. Baumschulware tut sich in trockenen Phasen nach der Pflanzung mitunter schwer, das Feinwurzelwerk auszuprägen. Aber gerade dieses ist wichtig für die Wasser- und Nährstoffaufnahme.

Im Wald herbstelt es bereits, das Laub färbt sich beziehungsweise die Bäume werfen schon Laub ab, weil sie es wegen der Trockenheit nicht mehr halten können. Das ist übrigens die erste Maßnahme, die der Baum ergreift, um besser zu überleben – der letzte Schritt vor dem Vertrocknen.

„Gut zu sehen ist dies im Moment bei den Buchen“, erzählt Holland, „die haben im oberen Bereich der Krone Blattwerk abgeworfen und so sieht man jetzt hier nur noch Äste, teilweise auch dürres Material“.

Letzte Woche war für Bayern Starkregen angekündigt, der für manche Gebiete Erleichterung der Dürre versprach, aber nicht überall. In der Waldklimastation Ostersseon wurden am Samstag 90mm pro Quadratmeter gemessen „und das ist schon ordentlich, das haben die Böden sehr gut vertragen können“. Das langfristige Mittel im August schätzt Holland bei 100 mm ein, so ist das Mittel für den jetzigen August mit dem Starkregen bei 120 mm angelangt.

Die Fitness des Waldes ist das Leitmotiv der bayerischen Staatsforsten, das unter anderem mit einem Waldumbau erreicht werden soll. Mit dem 4-Bäume Konzept (Fichte, Buche, Tanne, Douglasie) wird versucht, das Risiko von Schäden zu streuen. Früher gab es im Forst mehr oder weniger nur Fichtenbestand. Experimentiert wird auch mit Laubbäumen wie Kirsche, Elsbeere, Robinie und in größeren Flächen auch mit der Eiche. Sie hat die besten Prognosen, mit den kommenden Umwelteinflüssen zurecht zu kommen. Durch ihr Pfahlwurzelsystem gelingt es ihr auch in trockeneren Phasen an tiefer liegendes Wasser zu gelangen.

Erleichtert ist man bei den Staatsforsten, dass sich durch den Regen der letzten Tage die Waldbrandgefahr reduziert hat. Bei diesem Thema setzten die Forstleute aus Wasserburg übrigens auch auf den Waldumbau. Denn ein mehrstufig aufgebauter Wald, mit mehreren Generationen an Pflanzen, mit Jung- und Altwald vermindert auch die Waldbrandgefahr. „Der junge Wald enthält mehr Wasser in den Blättern und Nadeln, es herrscht ein feuchteres Klima und auch die Bodenbedeckung hält den Boden feucht, da ist alles nicht so leicht entzündlich“, erläutert Frauke Holland.

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