Brenner-Nordzulauf

Die Angst vor dem Bahnlärm

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Aßlings Bürgermeister Hans Fent, Christian Tradler, Projektleiter der DB Netz AG und MdB Andreas Lenz.

Infoabend zum geplanten Brenner-Nordzulauf in Aßling

Aßling – Es klang alles sehr schön. Von Transparenz war die Rede, von einem Planungsbegleitungsdialog mit dem Bürger. Vergangen Donnerstag luden der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz (CSU) und Aßlings Bürgermeister Hans Fent zu einer Informationsveranstaltung zum Stand der Planungen um den Brenner Nordzulauf in Aßlings Gemeindesaal. 2028 soll er schließlich in Betrieb gehen, der Brennerbasis-Tunnel. Dafür muss der Zugverkehr von Nord nach Süd, sprich von München zum Brenner. 

Und um diese Brennerachse ging es bei dem Infoabend auch, genauer um den Streckenabschnitt zwischen Grafing und Großkarolingenfeld, der über Aßling verläuft. „Wir planen im Moment noch nicht,“ so Projektleiter Christian Tradler von der DB Netz AG in seinem Vortrag zum Stand der Dinge. „Wir wissen deshalb heute auch noch nicht, wie das alles konkret aussehen wird.“ Eines weiß man allerdings schon: die Strecke zwischen München und Italien ist viergleisig geplant. Zwei Gleise bestehen bereits, zwei neue werden gebaut, in einem Korridor von drei Kilometern entlang des bisherigen Streckenverlaufs, mit der Möglichkeit, diese mit 230 km/h zu befahren. Momentan liefen lediglich Vorgespräche, betonte der Bahn-Mann. 

Im Mai soll ein zweites Startgespräch unter Beteiligung verschiedener regionaler Vertreter stattfinden. Im September sollen Strukturierungsgespräche folgen, mit dem Ziel, im April 2020 die konstituierende Sitzung abzuhalten. So der zeitliche Pan. Der genaue Trassenverlauf der Neubaustrecke steht noch nicht fest. Zunächst werde ohnehin der Bestand untersucht, ehe man Entscheidungen trifft. Tradler sprach von der so genannte Blockverdichtung, die vor allem den Streckenabschnitt zwischen Trudering und Grafing betrifft, dort nämlich existieren bereits vier Gleise, zwei für die Bahn und zwei für die S-Bahn, die allerdings nicht genutzt werden können.

480 Züge sollen zukünftig täglich auf dem Brennerzulauf fahren, als Mischverkehr mit 20 Prozent Personenverkehr und 80 Prozent Güterverkehr. Verankert ist das Projekt im Bundesverkehrswegeplan 2030. Die Bahn führt lediglich den politischen Willen aus. Tradler rechnete vor: der Güterverkehr werde auf der Schiene laut Prognosen um 43 Prozent zunehmen, auf der Straße um 39 Prozent. „Deshalb ist das Projekt notwendig,“ so seine Worte. Großes Thema in der anschließenden Fragestunde war vor allem die befürchtete Lärmbelästigung, zum Teil recht emotional vorgetragen. Schon heute, so erzählten Anwesende, würden die bestehenden Grenzwerte häufig überschritten. „Ich lade sie ein, einmal nachts an den Aßlinger Bahnhof zu kommen, dann wissen Sie wie laut die Züge dort sind,“ so Bürgermeister Fent. 

Zum Vergleich: heute wird die Strecke mit 275 Zügen pro Tag befahren. Andreas Lenz machte sich stark und versuchte weit in die Zukunft zu weisen, denn in Regierungskreisen sei angedacht, auch alternative Routen zu entwickeln, etwa von Hof über Regensburg und Landshut. „Es kann nicht sein, dass alles über den Knoten München läuft.“ Doch das ist ferne Zukunftsmusik. Tradler bemühte sich zu entkräften: „Es ist bereits viel für Lärmschutz getan worden“. 34 Millionen Euro etwa seien bis 2010 in Lärmschutzmaßnahmen investiert worden, in den Jahren 2010 bis 2018 weitere 34 Millionen Euro. Auch für die Zukunft stellte er Ähnliches in Aussicht, ohne dabei konkret zu werden. „Außerdem werden wir versuchen, möglichst viel Zugverkehr auf die Neubaustrecke zu legen, so dass die bestehenden Gleise sogar entlastet werden können.“ 

Außerdem führen ab 2020 ohnehin nur noch leisere Züge, das sei gesetzlich geregelt. So ganz glaubte ihm kaum jemand im Saal. Eine signifikante Zunahme des Bahnlärms durch den Ausbau der Strecke prognostizierte auch Andreas Lenz. Dass die Angst der Anwohner vor zunehmender Lärmbelästigung auch in Aßling sehr hoch ist, wurde mehr als deutlich. Sorgen macht man sich aber auch über die Zunahme des LKW-Verkehrs im Münchner Osten, der aus dem Projekt resultiert. Da die LWKs in München-Riem entladen werden, könnte der Verkehr deshalb zusammenbrechen, denn eines wurde klar gesagt: zusätzliche Be- und Entladestationen für die Züge sind auf der Strecke nicht vorgesehen. Die bisherigen Terminals, etwa in München oder Verona, seien ausreichend. „Was hat der Abend eigentlich gebracht,“ fragte eine ältere Dame ihren Mann beim Hinausgehen. „Nicht viel,“ antwortete dieser. Doch, ein Mann im Publikum wies sehr deutlich darauf hin, dass das Thema Lärmschutz ein politisches sei. „Sie sitzen doch im Bundestag, Herr Lenz, die Gesetze werden dort verabschiedet.“ Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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