Initiative „Bürger vermögen viel“

Initiative „Bürger vermögen viel“

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Klaus Johann Kopp moderiert das Bürgerparlament der Initiative „Bürger vermögen viel“ im Ebersberger Landratsamt.

Was geschieht mit 4.386,19 Euro?

Ebersberg – 4.386,19 Euro waren zu vergeben. So viel Geld war im Rahmen des Landkreisprojektes „Bürger vermögen viel“ im so genannten Bürgervermögen zusammengekommen. Was mit dieser Summe geschehen soll, darüber entschied das Bürgerparlament, eine Institution, die sich aus den Beteiligten der Aktion zusammensetzt, Gewerbetreibende wie Kunden.

Das Prinzip der Initiative ist einfach: als Kunde kann man mit einer anonymen Bürgerkarte bei bestimmten Geschäften einkaufen und zwei Prozent der jeweiligen Einkaufssumme förderungswürdigen Projekte im Landkreis zu Gute kommen lassen. 

Dieses Geld legen die Händler oben drauf und spenden es an Projekte, die man sich selbst ausgesucht hat. Wenn beispielsweise die Mitglieder eines Fußballvereins in den teilnehmenden Geschäften einkaufen, und die Fördersumme ihrem Verein zukommen lassen wollen, dann erhält der Verein über dieses System Spenden. Je mehr Einkäufe getätigt werden, desto höher fallen dabei die Beträge aus. Um Förderung von Regionalität geht es hier. 

Zwei Prozent dieser Spenden werden nochmals abgezogen. Sie fliesen in das Bürgervermö- gen. Diesen Topf zu verteilen, ist aber gar nicht so einfach. Bereits in der zweiten Aprilhälfte war das Bürgerparlament im Hermann-Beham-Saal des Ebersberger Landratsamts zum ersten Mal zusammengekommen, um über die Verwendung dieses Geldes zu entscheiden. 

Einig wurde man sich damals nicht. Festgehalten wurde lediglich, dass die zusammengekommene Summe das Projekt selber stärken, also für Werbemaßnahmen verwendet werden soll. Vergangenen Donnerstag nun fand man Einigkeit. Der Abend war – anders als beim ersten Mal – gut strukturiert. Klaus Johann Kopp, Initiator der Initiative, moderierte. Die gut 15 anwesenden Bürgerparlamentarier waren sich bald einig. 

Nach konstruktiven Diskussionsrunden und Sachabwägungen, wurde nach nicht einmal drei Stunden gegen 21.45 Uhr das Ergebnis verkündet: mit 243,09 Euro soll das Ansprechen weitere Vereine finanziert werden, 443,09 Euro stehen für die Gewinnung weiterer Anbieter, also Geschäften, die bei dem Projekt mitwirken sollen, zur Verfügung. 2.000 Euro werden in Infostände investiert, die bei verschiedenen Anlässen Menschen im Landkreis über das Projekt „Bürger vermögen viel“ informieren werden. 

Weitere 1.200 Euro verwendet man, um ein Buchungssystem einzuführen. Das sei notwendig, weil das Ausrechnen der Spenden aus jeder Quittung großen Aufwand für die einzelnen Gewerbebetreibenden bedeute, weshalb manche Händler davor zurückschrecken, mitzumachen. Der rechnerische Aufwand ist ihnen bisher zu groß. Das soll nun zukünftig vereinfacht und unkomplizierter werden. Schließlich sponsert man mit 300 Euro ein Kunstprojekt, dass im kommenden Frühjahr beim Ebersberger Kunstverein stattfinden wird: eine festivalartige Ausstellung, die mit den Mythos von „Arkadien“, dem Traum von einer besseren Welt, eine Plattform für neuzeitliche Problembewältigung und Lösungsstrategien schaffen wird. 

200 Euro wurden für einen künstlerischen Beitrag des Vereins im Rahmenprogramm dieser Schau reserviert. Übrig bleibt ein Cent. Der ist das Startkapital für die nächste Runde. Bemerkenswert: es wurde nicht wie üblich abgestimmt, sondern der demokratische Prozess erfolgte durch die Vergabe von „Widerstandspunkten“. Je mehr Punkte ein Vorschlag bekam, desto mehr Vorbehalt regte sich in den Reihen des Bürgerparlaments gegen dessen Finanzierung. 

Die Infostände, sowie die Anbieterund Vereinsinformationsvorhaben bekamen übrigens Null Punkte – übersetzt: alle sind dafür oder anders ausgedrückt: einstimmig angekommen. Vom Systemischen Konsensieren spricht man bei diesem konsensnahes Entscheidungsverfahren. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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