Prekäre Situation für Friseurhandwerk

„Wir Friseure brauchen dringend Unterstützung“ 

Friseur Ludwig Bitto
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„Im Augenblick fühlt man sich wie ein ferngesteuertes Auto, nur das die Fernbedienung jemand anderes in der Hand hält“, sagt Friseurmeister Ludwig Bitto.

Der Staat hat die Geldschleusen geöffnet – doch kommt die Hilfe auch überall an? Wir haben mit Ludwig Bitto gesprochen, der in Grafing einen Friseursalon betreibt

Vor dem Landratsamt demonstrierten gestern ungefähr 60 Friseurinnen und Friseure gegen die aktuelle Schließung ihrer Läden. Die aktuelle Situation sei schlicht und einfach existenzbedrohend. Und das vom Staat ausreichend Hilfe kommen würde, sei so nicht richtig. Denn viele Kosten laufen weiter, die Hilfen kommen nur schleppend und nicht ausreichend. Wir haben mit Ludwig Bitto gesprochen, der in Grafing einen Friseursalon betreibt.

Herr Bitto, wie geht es Ihnen?

Eigentlich geht es mir ganz gut. Ich denke, man muss aus der jetzigen Situation das Beste machen. Ich verbringe aktuell ziemlich viel Zeit mit meiner kleinen Tochter, was wirklich schön ist.

Sie mussten Ihren Friseursalon am 16. Dezember erneut schließen. Was halten Sie von den Maßnahmen?

Prinzipiell bin ich mit den Maßnahmen einverstanden. Ich denke, man muss alles dafür tun, um die Pandemie in den Griff zu kriegen. Aber: wir Friseure brauchen dringend finanzielle Unterstützung.

Bekommen Sie die denn nicht?

Im Dezember gab es die sogenannte Überbrückungshilfe 2. Diese konnte jedoch nur beantragt werden, wenn die Umsatzeinbußen mindestens 30 Prozent betrugen. Das war bei mir nicht der Fall, da mein Umsatz bei 75 Prozent lag. Und im Januar gab es bis dato nichts.

Das heißt, Ihre Kosten laufen weiter und Sie haben keinerlei finanzielle Unterstützung?

Richtig. Die jetzige Überbrückungshilfe 3 kann man erst ab 25. Januar beantragen. Und davon werden nur 90 Prozent der Fixkosten übernommen. Miete und Strom werden damit größtenteils abgedeckt, aber mein Unternehmerlohn, die Beiträge für meine Krankenversicherung, das alles fällt komplett aus.

Fühlen Sie sich im Stich gelassen?

Als Selbstständiger trägt man immer ein unternehmerisches Risiko. Mach ich meine Sache schlecht, dann ist es meine Schuld. Aber im Augenblick fühlt man sich wie ein ferngesteuertes Auto, nur das die Fernbedienung jemand anderes in der Hand hält. Letztes Jahr im März fiel das Ostergeschäft komplett aus, ich bekam zwar eine Einmalzahlung, die ich jedoch zu 100 Prozent versteuern musste. Gleichzeitig musste ich meine zwei Azubis bezahlen, obwohl mein Geschäft geschlossen war.

Was wünschen Sie sich denn von der Politik?

Planungssicherheit und Unterstützung. Ich habe mir hier etwas aufgebaut, ich habe investiert und muss aktuell von meinen Reserven leben. Im Einzelhandel gibt es jetzt wenigstens die Möglichkeit, mit Click & Collect etwas zu verdienen, die Gastronomie kann einen Lieferoder Abholservice anbieten, aber wir Friseure können keinerlei Dienstleistung verkaufen und verdienen somit auch kein Geld. Deshalb brauchen wir jetzt Unterstützung.

Interview: Christian Schäfer

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