Sommerinterview

Auf Ochsentour

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Thomas Huber im Gespräch mit unserem Redakteur Christian Schäfer

Unser Redakteur war mit dem Landtagsabgeordneten Thomas Huber spazieren – und hat dabei festgestellt, dass Bewegung für Huber eine sehr große Rolle spielt – und das nicht nur körperlich

Grafing – Was Heimat bedeutet, kann man manchmal auf wenigen Quadratkilometern sehen – so wie bei Thomas Huber, Landtagsabgeordneter der CSU. Zum Interview lädt er zu einem Spaziergang ein, es geht vom Grafinger Verkehrsübungsplatz in der Kapellenstraße in Richtung Engerloh, dann rechts auf einen Feldweg, am Waldrand entlang hoch zu einer Bank auf der „Wasserreserve“, die einen weitläufigen Blick über Grafing bietet. Hier erhält man einen mikroskopischen Blick auf die Wurzeln und die Prägung von Huber.

In Engerloh das Elternhaus seines Vaters, der dort mit zwölf Geschwistern aufwuchs, 800 Meter südwestlich „seine Schule“, die Georg-Huber Mittelschule. 600 Meter südlich davon befindet sich das Heim der Grafinger Trachtler, von Kind an war er hier dabei. Und schließlich schließt sich das Viereck an der Bank, hoch über Grafing. Als Kind ging es im Winter von Grafings höchster Stelle mit dem Schlitten hinunter, aber nur für die Fortgeschrittenen, wie Huber lachend betont. „Ich bin Grafinger durch und durch“, erzählt er beim Spaziergang. Er war u.a. beim TSV, bei der Feuerwehr, spielte im Varieté mit und ist damit „in Grafing bekannt, wie ein bunter Hund.“ Logisch, dass er auch hier nach der Schule seine Ausbildung begann. Als angehender Verwaltungsfachangestellter kam er auch erstmals in Berührung mit der Politik – und er ging den ein oder anderen unkonventionellen Weg: Einer gehbehinderten Frau, die ihren Rentenantrag im Rathaus nicht selbst stellen konnte, brachte der junge Huber halt mit dem Radl persönlich vorbei. 

Der bunte Hund und sein Engagement fiel auf und so wurde er auch gefragt, ob er nicht bei der CSU beziehungsweise bei der Jungen Union mitmachen möchte. Seine Antwort damals: „Ja, aber nur, wenn wir was bewegen.“ Und das taten sie. Huber wurde nach nur einem Jahr Vorsitzender der JU, sie sammelten Christbäume ein, organisierten Rama-damaAktionen und Jugend-Konzerte, nahmen damit viel Geld ein und stellten es der Stadt für einen Jugendfonds zur Verfügung. Daraus wurden zum Beispiel der Skaterpark am Eisstadion oder der Jugendtreff Chaxter mitfinanziert. Und Huber, der so ein bisschen in die Sache hineingedrängt wurde, hat gemerkt, dass man was bewegen kann. Es war der Beginn seiner Ochsentour. In der Politik versteht man darunter den Weg eines Politikers, der alle Ebenen durchläuft, verschiedene Ämter inne hat und Stück für Stück nach oben aufsteigt. Thomas Huber könnte exemplarisch dafür in einem Lexikon stehen. Stadtrat, Kreisrat, Bezirksrat, er war sogar Vize-Präsident der Jungen Alpenregion. Geplant war das alles nicht, es hat sich so ergeben. Eigentlich hätte Huber Handwerker werden sollen, noch heute flunkert sein Vater manchmal: „Hättest doch was gscheits glernt.“ Als Ochsentour kann man aber auch seinen schulischen Werdegang bezeichnen. Hauptschule, Fachhochschulreife über den 2. Bildungsweg, Fernstudium zum Dipl.-Betriebsökonom. Auch hier würde er sich wieder als Beispiel in einem Lexikonbeitrag eigenen. „Ich bin überzeugt von unserem hervorragenden Bildungssystem: Es gibt keinen Abschluss ohne Anschluss und für jedes Kind ein passendes Bildungsangebot.“ 

Die Ökonomie darf nie im Gegensatz zur Menschlichkeit stehen

Bei Thomas Huber hört sich das alles sehr geplant an, durchgetaktet, als habe er irgendwann einen Lebensplan für sich entworfen und diesen abgearbeitet. „Nein, einen solchen Plan gab es nie“, erzählt er. „Aber ich mag es, wenn sich was rührt und ich denke – auch wenn sich das pathetisch anhört – dass wir auf der Welt sind, um etwas zu bewegen und die Gesellschaft weiter zu entwickeln.“ Dazu kommt die Lust daran, Entscheidungen zu treffen. „Mir ist eine falsch getroffene Entscheidung lieber als zehn nicht getroffene Entscheidungen“, sagt er. In der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass Entscheidungen oft schnell getroffen werden müssen. Aber ist es nicht manchmal auch eine Bürde, an vorderster Front zu stehen und Dinge zu entscheiden, die teilweise zu tiefen Einschnitten bei den Menschen führen können? „Man darf nie aus einer Emotion heraus entscheiden! Man muss sich die Sachlage ansehen, Daten/Fakten abwägen, Auswirkungen bedenken und schließlich eine Entscheidung treffen“, so Huber. Wichtig ist ihm dabei: „Die Ökonomie darf nie im Gegensatz zur Menschlichkeit stehen.“ 

Huber tut das, was er macht, gerne. Herausforderungen anpacken, Lösungen finden – bei aller Leidenschaft bei Sachthemen wirkt er auch geerdet. Die letzten Monate waren hart für ihn, „die schwierigste Zeit in meinem Leben“, wie er sagt. Fünf Operationen, viel Ungewissheit und ein langer, anstrengender Weg zurück. „Ich habe für mich festgestellt, dass es nur wenige echte Probleme im Leben gibt“, sagt er. „Oftmals werden kleine Dinge schon zu großen Problemen, die sich auch mal durch zuhören lösen lassen.“ Thomas Huber, der auch Chef der Wasserwacht-Bayern ist, dreht jetzt jeden Tag im Grafinger Schwimmbad seine Bahnen, er möchte wieder fit werden für die Aufgaben, die da noch kommen. Denn man hat bei ihm den Endruck, dass die Ochsentour noch nicht beendet ist. sc

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