Portrait

Jäger Konrad Metzger aus St. Christoph im Portrait

Konrad Metzger vor einem Jägerstand in St. Christoph
+
Herr und Hund am Lieblingsplatz. Hier schoss Metzger vor 18 Jahren seine erste Sau

Über die Vorzüge eines Morgenansitzes, warum einem Hasen leid tun können, manches Mal die Kugel im Lauf bleibt und Jägersein heutzutage nicht mehr so einfach ist, erzählt uns Konrad Metzger aus St. Christoph

St. Christoph/Steinhöring – Gerade gab es den ersten bestätigten Fall von afrikanischer Schweinepest in Deutschland. „Das war klar, dass die kommt. Die Frage war nur wann“, sagt Konrad Metzger, der ehemalige 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Ebersberg. „Es ist schon wichtig, dass man die Wildschweine kurz hält. Uns Menschen tut diese Tierkrankheit ja nix, aber für die Schweinebauern wäre es eine Katastrophe, wenn die ASP (Afrikanische Schweinepest) auf die Nutztiere überspringt.“ Ein Blick auf die über und über mit Früchten beladenen Buchen und Eichen zeigt wie der Klimawandel auch die Entwicklung des Schwarzwildes beeinflusst.

„An die Fütterungsstellen brauchen die gar nicht kommen, die haben genügend zu fressen“. Der tödlich Schuss allerdings ist, dort am effektivsten. Denn ganz so einfach ist die Jagd der wilden Sau nämlich nicht. Schlau sind sie und laufen zum Beispiel bei einer Drückjagd im Maisfeld im Kreis herum, „da kriegst du keine raus“. Und so geschützt im Maisfeld trifft sie keine Kugel. Der Mais macht auch den Gewichtsunterschied bei den Sauen außerhalb des Waldes und denen im Gehege.

„Im Park haben die gute fünf bis zehn Kilo weniger auf den Rippen“. Und je schneller sie wachsen und Gewicht ansetzen, um so schneller sind sie geschlechtsreif. „Da haben unter anderem schon sogenannte Frischlinge mit 30 Kilo, wieder Nachwuchs“.

Konrad Metzger vor seinen selbst gebauten Schutzfahnen für die Rehkitzrettung

32 Schweine haben sie letztes Jahr hier in der Pacht um St. Christoph erlegt, dabei war auch ein Keiler mit 126 kg. Wildfleisch gäbe es also genug. Braucht es nur noch die Abnehmer. Ökologischer könnte man Fleisch nicht produzieren. Auf Herz und Nieren wird es geprüft und erst dann gelangt es in den Verkauf. Zudem sind die Jäger mit ihrer Jagdpacht auch für die Schäden verantwortlich, die „ihre Tiere“ im Revier auf den landwirtschaftlichen Flächen anrichten. Das ein oder andere Konfliktpotential ist da durchaus enthalten – „da heißt es diplomatisch sein“. Aber es gibt auch schöne Momente im Jägerleben. „Die Beobachtung der Natur ist mit das Wunderbarste“, so der 73-Jährige. Da bleibt dann durchaus des Öfteren die Kugel im Lauf, wenn die vollendete Schöpfung in Form eines jungen und gesunden Rehbockes in der Lichtung steht. Und auch die Hasen werden von Metzger verschont, „die tun mir schon von vornherein leid“. Fotografieren ist neben der Jagd seine zweite Leidenschaft. Vom Schmetterling bis hin zum Käfer oder einfach schöne Momente werden mit der Kamera professionell festgehalten, wie zum Beispiel ein schöner Raureif. „Gibt es was schöneres?“, hört man da jemanden schwärmen.

Ein Jäger wäre kein Jäger, wenn er nicht gern jagen würde. Metzgers Favorit ist die Raubwildjagd. „Das ist etwas ganz edles, weil es nicht so einfach geht. Einen Rehbock, den kann ja jeder schießen“, schmunzelt der passionierte Jäger. Den Steinmarder zum Beispiel, muss man erst kirren (anfüttern). Ein, zwei Monate bevor dieser erledigt werden soll, legt Metzger Eier als Lockmittel aus. Früher kamen da pro Jahr durchaus zwölf bis 14 Felle zusammen, die verkauft wurden. „Aber heutzutage gibt es auch für den Steinmarder immer weniger geeignete Fleckerl, wo er außerhalb der Siedlung leben kann.“

Noch etwas liegt ihm am Herzen: Die Rehkitzrettung. Mit selbstgebastelten Holzstecken auf denen Plastikfahnen wehen steckt er einen Tag vor der Mahd die Wiese ab, so dass die Geiß, irritiert von den fremden Geräuschen und Gerüchen das Kitz aus der Wiese führt. „Insgesamt“, so der frühere Ingenieur für Holzbautechnik, „war die Zeit als Vorstand einfach guad und schee“. Wer Wildfleisch direkt vom Jäger kaufen möchte, der darf sich gerne bei Konrad Metzger melden unter Tel. (0 80 76) 12 66 - tt

Auch interessant:

Meistgelesen

Corona: Das sind die aktuellen Zahlen im Landkreis Ebersberg
Corona: Das sind die aktuellen Zahlen im Landkreis Ebersberg
Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!
Bauchwand- und Leistenbrüche nicht unterschätzen!

Kommentare