Streit um 300 Jahre alte Eiche geht weiter

Nettelkofen: Eichen-Entscheidung verschoben

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Um Radlweg, Straße sowie Bankett anlegen zu können bedarf es Platz.

Die 300 Jahre alte Eiche bei Nettelkofen erhitzt weiterhin die Gemüter der Bürger und der Kreistagsfraktionen.

Grafing – „Die EBE 8 zwischen Nettelkofen und Seeschneider-Kreisel ist in desolatem Zustand“, stimmen Landrat Robert Niedergesäß und das Straßenbauamt Rosenheim überein. Um die Verkehrssicherheit der rund 4.000 Fahrzeuge (davon etwa 2.000 Schwerlastfahrzeuge) pro Tag zu sichern, segneten bisher die Kreistagsfraktionen ohne bemerkenswerte Gegenrede Baupläne und Vergabe ab. 

Zum Spatenstich wurden die Rettungsrufe für eine vom Blitz beschädigte und etwa 300 Jahre alte Eiche laut. Doch was kostet die Rettung? Wer zahlt die Rechnung? Am 9. Juli um 15 Uhr soll entschieden werden. Derweil läuft der Verkehr durch den Grafinger Marktplatz und absolviert dabei auf engen Straßen mindestens drei rechtwinklige Kurven. Deutlich machte die Kreisverwaltung, dass Kreisverwaltung und Straßenbauamt sich keineswegs zu wenig mit der Straßen- und Radwegplanung befasst hat. 

Das vorliegende Ergebnis, bei dem eine Eichen fallen muss, ist ein Resultat aus 16 Planungsvarianten mit und ohne alte Eiche, aber mit dem geringsten Flächenverbrauch. Auch mit dem Straßenuntergrund befassten sich die Straßenplaner. Dieser wird als sehr schlecht angesehen, weshalb man vom ödp-Vorschlag, nur die Deckschicht zu sanieren, abriet. Rund eineinhalb Meter sind in die Tiefe zu gehen, denn der Boden weißt hier keine Homogenität auf, so der Fachmann. Deutlich breiter, nämlich acht Meter müsse die als Kreisstraße klassifizierte Straße gemäß dem Verkehrsaufkommen von rund 4.000 Fahrzeugen werden. Diese Zahlen bestätigte Gebietsleiter im Straßenbauamt Daniel Drachenberg, in der Diskussion erneut als Bianka Poschenrieder danach fragte. Ferner warf sie der Unteren Nuturschutzbehörde vor, sich zu wenig für den Baum eingesetzt zu haben, was Niedergesäß zurückwies. 

Grüne, FW, ödp und SPD wollten die Eiche retten, auch mit erheblichen Kosten und Einschränkungen im Verkehr. Seitens der CSU/FDP will man vor allem ohne Verlust der Verkehrssicherheit, mit maßvollem Finanzeinsatz und Planänderungen die Eiche retten, wenn dies regelkonform möglich ist. Mit der Verkehrssicherheit steht auch der Baukostenzuschuss von 650.000 Euro auf der Kippe. Ein Geld, das neben den Umplanungskosten im Haushalt dann fehlt, möglicherweise die Kreisumlage erhöht, den Gemeinden Geld aus der Tasche nimmt. 

Die online Petition der Poinger Charlotte Schmid zur Rettung der Eiche hatte 3.893 Unterstützer davon 1.305 aus dem Landkreis Ebersberg. Abgesehen davon, dass Martin Lechner (CSU) 300 Eichen zum Nachpflanzen anbot, regte er an, dass jeder der in der Petition die Eiche rettet, die zusätzlichen Kosten auch mittragen soll. Die Grünen-Kreisräte teilten ausdrücklich diese Meinung nicht. Die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, bis zur Sondersitzung des ULV-Ausschusses zu prüfen, ob die ‚Trichterlösung‘ mit Temporeduzierung und anderer Maßnahmen zur Verkehrssicherheit technisch, förderfähig und haftungsrechtlich möglich ist. Ein Sachverständiger für naturverträgliche Verkehrsplanung soll zur Sitzung kommen. ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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