Wohin, wenn die Seele leidet?

25 Jahre Sozialpsychiatrischer Dienst Ebersberg

+
Georg Knufmann, Dienststellenleiter des sozialpsychiatrischen Beratungsdienstes

Der Sozialpsychiatrische Beratungsdienst in Ebersberg feierte 25-jähriges Jubiläum. Georg Knufmann, Leiter der Einrichtung, durfte hierzu eine ganze Reihe honoriger Gäste aus der Politik empfangen.

Landkreis – Eine Mitarbeiterin von Georg Knufmann hatte die Idee, sogenannte Erinnerungskästen für das Jubiläum zu gestalten. Und so konnte jeder Mitarbeiter, der Lust hatte, seine Kreativität hinsichtlich der letzten 25 Jahre spielen lassen. Knufmann ist seit 31 Jahren in Ebersberg. Vorher war er als Psychiater im Norden der Republik tätig. Von seiner Arbeit hier in Ebersberg gerät er geradezu ins Schwärmen: „Hätte schlechter laufen können, ich bin sehr zufrieden“, hört man ihn sagen und freudig dabei lachen. Da ist jemand glücklich mit seiner Arbeit und vor allem wie diese Arbeit anderen bei seelischem Leid weiterhelfen kann, denn das ist ja das Hauptanliegen des sozialpsychiatrischen Beratungsdienstes.

In seinem Erinnerungskästchen nun, sitzt ein nachdenklicher „Herr im Sessel“. Loriots bekanntes Selbstporträt scheint Rückblick auf das Leben zu halten und ist auf jeden Fall eine humorvolle Inspiration für philosophische Fragen. Und das auch für Knufmann. So stellt er bei seiner Begrüßungsrede Demokrits Satz, „Ein Leben ohne Fest ist ein langer Weg ohne Einkehr“, voran und auch sonst philosophiert er gerne – auch über seine Arbeit. Und so als denkender Herr im Sessel stellt er sich unter anderem immer wieder die Frage: Ist das, was wir hier tun, angemessen und respektvoll für die Klienten? Welche Werte stellen wir unserer Arbeit voran? Und natürlich auch immer wieder die Frage: Wie geht es weiter und wie lässt sich das Projekt der sozialpsychiatrischen Beratung in Zukunft sicher finanzieren? Viele Fragen und Knufmann findet viele gute und richtige Antworten, damit das Projekt in höchster Qualität für die Klienten weitergeführt werden kann.

 Selbstreflexion und durchaus kritisches Hinterfragen des eigenen Tuns sind hier immer noch der beste Garant dafür. Begonnen hat diese Arbeit in Ebersberg 1984 mit einer kleinen Außensprechstunde des Sozialpsychiatrischen Dienstes München-Bogenhausen in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde Ebersberg. Jetzt, Jahrzehnte später, gibt es eine psychiatrische Tagesstätte, den sozialpsychiatrischen Beratungsdienst mit gerontopsychiatrischer Fachstelle, betreute Wohnformen und fortlaufende Projekte wie Traumafachberatung oder sozialem Kompetenztraining. Neben all den Einzel-, Paar- und Familiengesprächen natürlich. Im Jahr 2018 bot der Beratungsdienst alleine fast 900 Klienten und ihren Angehörigen aus dem ganzen Landkreis Ebersberg Hilfen an. Der Dienst bietet Unterstützung zu Fragen psychischer Gesundheit und Krankheit, Krisenintervention, Wohnen, Arbeit, Beratung bei finanziellen Schwierigkeiten, Unterstützung beim Umgang mit Behörden und Arbeitgebern und vielem mehr an. Egal in welche Schwierigkeit man kommt, welcher Stress auch immer das Innere in einem belastet, hier finden sich Ansprechpartner für alle seelischen Schieflagen, die uns alle treffen können. Psychisch zu erkranken und mindestens einmal im Leben beratungs- und behandlungsbedürftig zu werden, ist ein ganz normales Lebensrisiko. „Die Wahrscheinlichkeit für uns alle dafür liegt deutlich über 50 Prozent, dazu kommt die Möglichkeit, auch als Angehöriger davon mitbetroffen zu sein“, erklärt Knufmann weiter die Wichtigkeit des Beratungsdienstes. Solch ein Hilfsangebot anzunehmen sollte heute nicht mehr stigmatisierend sein. Auch dafür setzt sich der Beratungsdienst immer ein. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

Auch interessant:

Meistgelesen

Christian Schächer will der Nachfolger von Bürgermeister Alois Hofstetter werden
Christian Schächer will der Nachfolger von Bürgermeister Alois Hofstetter werden
Zorneding: Stricken für den guten Zweck
Zorneding: Stricken für den guten Zweck
Die Gretchenfrage: Nachverdichtung, aber wie?
Die Gretchenfrage: Nachverdichtung, aber wie?
ÜWG-Paffing nominiert Bürgermeisterkandidat
ÜWG-Paffing nominiert Bürgermeisterkandidat

Kommentare