Mit Drohne Rehkitze retten

Gegen den Mähtod

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14 Rehkitze konnte Jörg Lehmann diese Saison vor dem Mähtod retten

Jörg Lehmann aus Steinhöring rettet mit seinem Copter, einer Drohne mit Wärmebildkameras, Rehkitze unentgeldlich vor dem Mähtod. Er kritisiert: „Im Landkreis Ebersberg interessiert das keinen!“

Steinhöring – Der Steinhöringer steht an seinem Übungsgelände, einer Wiesengegend im nördlichen Landkreis, an der er „Aufstiegserlaubnis“ hat. Vor Jörg Lehmann stehen drei Copter – das Wort Drohne mag er nicht – ausgestattet mit Wärmebildkameras. Damit rettet der 59Jährige Rehkitze vor den gefährlichen Messern der Mähmaschinen. Heißt, er fliegt mit diesen Fluggeräten, im Idealfall etwa eine halbe Stunde vor Mähbeginn, in etwa 40 Metern Höhe über die Wiesen, um dort versteckte Rehkitze aufzuspüren, die dann ein Jäger mit Handschuhen aus dem Feld holt, das Tier während des Mähens in einem Käfig schützt, um es nach getaner Arbeit wieder frei zu lassen. Er führt es vor. 

Die Wärmebildkamera aus der Luft zeigt deutlich, wo sich ein Lebewesen befindet. Ohne diese technische Hilfe wäre es schwierig, die Kitze aufzuspüren, erklärt der Pilot, „denn selbst wenn sie durch die Wiese gehen kann es ihnen passieren, dass sie auf das Kitz treten, so gut sind die Tiere versteckt.“ Rehmütter setzen ihre Kitze nach der Geburt im hohen Gras aus. In den ersten Wochen laufen sie bei Gefahr nicht davon und später sind sie zu langsam, um einem Mähwerk zu entkommen. „Die Schreie der Tiere mit abgefahrenen Beinen sind entsetzlich,“ schildert Lehmann. Deshalb hat er sich vor fünf Jahren dazu entschlossen, den kleinen Tieren mit seinen Multicoptern, die der Techniker sonst bei seiner Arbeit in der Betreuung von Wohnanlagen nutzt, ehrenamtlich zu helfen. Doch: „Im Landkreis Ebersberg interessiert das keinen,“ kommentiert er bitter. Lehmann arbeitet mit Bauern und Jägern im Landkreis Rosenheim zusammen. Nachgefragt: „Natürlich gibt es im Landkreis auch Bauern, die sich dafür interessieren, aber manche fahren einfach drüber.“ Er schüttelt den Kopf. „Gewisse Bauern kann man nur überzeugen, wenn das Leichengift der überfahrenen Kitze im Kuhfutter ist und dadurch Rinder verenden.“ 

Das, so weiß er, käme tatsächlich immer wieder mal vor. Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass Landwirte Maßnahmen zu treffen haben, wo bei Mäharbeiten mit dem Tode oder der Verletzung von Wirbeltieren zu rechnen ist. Lehmann greift nach seinem Handy, zeigt Fotos von den schutzbedürftigen Kleinen versteckt im hohen Gras und führt ein Video vor, auf dem die Freudenschreie von Mutter und Kind beim Wiedersehen nach dem Mähen zu hören sind. Das berührt und zeigt, wie sinnvoll es ist, Rehkitze zu retten. „Es ist eine Win-Win-Situation,“ sagt Lehmann strahlend. Seine unbezahlte Tätigkeit, für die er nicht einmal den Aufwand erstattet bekommt, bedeutet für Lehmann, in der Saison zwischen April und Juni, morgens zwei- bis dreimal wöchentlich um vier Uhr aufzustehen, mit seinem VW-Bus, in dem er mehrere Bildschirme mitführt, zum Einsatzort zu fahren, um dort vor dem Mähen mit seinen Coptern Rehkitze aufzuspüren. „Spätestens um neun Uhr ist Schluss, denn dann wird es zu warm und die Temperaturunterschiede zwischen Umgebung und Rehkitz sind zu gering für die Wärmebildkamera.“ Die Körpertemperatur eines Kitzes liegt bei etwa 24, 25 Grad. Anschließend beginnt für Lehmann dann der normale Arbeitstag. Seine Hilfe habe er dem Ebersberger Landratsamt angeboten, auch dem Maschinenring, doch in beiden Fällen sei er auf kein Interesse gestoßen. Lehmann zuckt die Schulter: „Immerhin, dieses Jahr konnte ich 14 Rehkitzen das Leben retten.“

ha

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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