Baumschneidekurs in Steinhöring

Josef mit den Scherenhänden

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Nach dem Schnitt: Der Kronenaufbau ist gut sichtbar, an den Baum kommt genügend Licht und Luft, um gesunde Äpfel tragen zu können.

Auch heuer lud der Gartenbauverein Steinhöring wieder zum Baumschneidekurs mit Josef Oswald ein.

Steinhöring – Auf einer zur Gemeinde gehörenden Freifläche, auf der verschiedene Obstbäume stehen, konnten Interessierte am vergangenen Wochenende zusehen, wie ein Obstbaum fachgerecht verschönert wurde. 

Anna Pernyesz, die aktuelle Vorsitzende des Steinhöringer Gartenbauvereines, begrüßte rund zwanzig Teilnehmer bei schönstem Frühlingswetter. Die „wilden“ Bäume dort, eigenen sich laut Oswald hervorragend, um einen „richtigen“ Schnitt zu zeigen, denn an schon geschnittenen Bäumen könne man nicht mehr so viel sehen und zeigen, so der Schnittmeister weiter. Was aber noch viel wichtiger ist, als die richtige Schnitttechnik, ist das Gefühl für den Baum, da sind sich die beiden Gartenfachleute einig. „Ich seh einfach was geschnitten werden muss und es gibt Leute“, so erläutert Oswald, „die schneiden einfach drüber und wundern sich, wenn sie im nächsten Jahr einen Besen vor sich stehen haben“. 

25 Jahre war Oswald im Gartenbauverein mit im Vorstand und kennt sich aus mit dem Obstbaumschnitt. Neben seiner Tätigkeit als Landwirt schneidet er privat mit Leidenschaft seine Bäume. Man könnte fast sagen, er ist der Mann mit den Scherenhänden. Sein Wissen gibt er mit Freude weiter, und ermuntert Fragen zu stellen, denn deswegen seien wir heute zusammengekommen – um zu lernen. „Und wenn wir für einen Baum drei Stunden brauchen, ist das auch in Ordnung. Hauptsache ihr lernt etwas.“ Bevor es an das Schneiden geht, gibt der 59-jährige einen Tipp für den Einkauf von Obstbäumen. Seit zwei, drei Jahren sei es groß in Mode, mehrere Sorten auf einen Baum zu haben. Diese Bäume sind eine gute Alternative für die heutigen kleinen Gärten. Es wäre grundsätzlich unsinnig in die heutzutage immer kleiner werdenden Hausgärten, mit oftmals weniger als 500 qm Grund, mehrere Obstbäume zu pflanzen. 

Eingehend zeigt der ehemalige Gartenbauvorstand den aufmerksamen Zuhören am Beispiel eines Strauchzweiges, wie eine gute Krone bei einem jungen Obstbaum auszusehen hat. Diese zu erkennen, ist mit das Wichtigste beim Kauf. Vier bis fünf Leitäste sollte der Obstbaum haben, es können auch mehrere sein, die kann man später immer noch herausschneiden, so der Tipp. Ein wenig versetzt sollten sie sein und das Allerwichtigste: Sie sollten in jede Himmelsrichtung zeigen. 

Der Leittrieb an sich sollte nach einem Schnitt, bei einem so jungen Baum, eineinhalb Scherenlänge höher stehen als die umliegenden Triebe. Diese immer am Außenauge schneiden, so dass der Jungbaum schön nach außen wächst. Nach vier bis fünf Jahren, je nach Baum, hört man mit dem „anschneiden“ auf und lässt ihn wachsen und entfalten. Jetzt ist nur noch „putzen“ notwendig, sprich alles, was nach innen wächst wird entfernt und die Wassertriebe reißt der Profi im Sommer aus. Warum reißen und nicht schneiden? Beim Schneiden der Wassertriebe besteht die Gefahr, dass nicht genau am Ast geschnitten wird und so die schlafenden Augen gleich wieder austreiben. Reißt man hingegen den Trieb ab, entsteht eine saubere Fläche. Oswald favorisiert diese Arbeit im Sommer zu erledigen, weil sich der junge Trieb zu dieser Zeit einfacher entfernen lässt. Am Objekt des Tages, einem Apfelbaum, wurden zuerst die Zweige herausgeschnitten, die nach innen wachsen und Äste, die sich gegenseitig reiben oder sich im Wege stehen. Dabei wurde immer wieder diskutiert, welcher nun geschnitten werden soll, denn wie Oswald sagt: „Es ist immer ein Kompromiss, es gibt keine goldene Regel.“ So ist es wichtig, sich immer wieder einen neuen Blick auf die aktuelle Problemstellung im Baum zu verschaffen. Ruhig einmal wieder heruntersteigen von der Leiter und schauen, wie sieht der Baum von unten aus, wenn ich dies oder jenes herausschneide, so der wichtigste Rat vom Baumprofi Oswald. Herausgeschnitten ist schnell etwas. Und wenn man sich unsicher ist, dann ist es besser an einer anderen Ecke weiterzumachen. Etappenweise schneiden und immer den Nachbarzweig im Auge haben, zu schauen von welchem Zweig hat der Baum mehr hinsichtlich Früchten, aber den Kronenaufbau bzw. -erhalt nicht vergessen.

 Dass man nicht viel Gerätschaft braucht für einen guten Obstbaumschnitt, zeigt die Ausrüstung des Fachmannes: Eine Leiter, ein „Zangl“, eine Tube Versiegelungspaste und eine Säge. Sobald er mit der Säge etwas im Baum abschneidet, verwendet er automatisch das Wundwachs, welches die Schnittfläche vor Schädlingen und Pilzen schützt. Schneiden könnte man das ganze Jahr, so Oswald, aber das jetzige Frühjahr eignet sich besonders für den Erziehungsschnitt, denn ohne Blätter sieht man einfach besser. Wer sich weiter informieren möchte kann sich gerne beim Gartenbauverein Steinhöring melden oder am besten gleich Mitglied werden. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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