Katharina Otten zieht Bilanz

Sieben Monate in einem Waisenhaus in Ghana

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Katharina Otten aus Grafing absolvierte  einen weltwärts-Freiwilligendienst in einem Waisenhaus in Ghana . Nun ist sie wieder zurück Ein Bericht über Schlangen auf dem Klohäuschen kulturelle Unterschiede, pure Lebensfreude und eine junge Frau, die über sich hinaus gewachsen ist.

… eine Herausforderung

 Der Mensch gewöhnt sich an alles – sollte man meinen. Doch auch an schwierige hygienische Verhältnisse, Wassermangel oder die Zusammenarbeit mit Menschen einer grundlegend anderen Kultur? Katharina Otten kann das nur mit „zum Teil“ beantworten. Eine besondere Herausforderung stellten die Insekten dar. Es hat einige Zeit gebraucht, aber schließlich konnte sie damit umgehen und wusste, worauf zu achten war. So sollte man sich vor dem Betreten des Klohäuschens versichern, dass dort keine Schlange schlief oder vor dem Schlafen gehen rund um das Bett nach Bettwanzen und kleinen Echsen Ausschau halten, um in der Nacht nicht unangenehm überrascht zu werden. „In der Regenzeit mussten wir sehr auf Mücken aufpassen“, erzählt sie, „Mückenspray war extrem wichtig, um nicht an Malaria oder dem Dengue-Fieber zu erkranken. Ich hatte Glück und war während meines Aufenthalts in Ghana nie ernsthaft krank.“ 

Schwierig wurde es, als ab Januar die Pumpe für die Wasserversorgung kaputt ging und das Wasser mit Eimern von einem halben Kilometer entfernten Brunnen geholt werden musste. Das Wasser bestimmte den gesamten Tagesablauf. Ohne Wasser konnte nicht gekocht, geduscht oder gewaschen werden und, was das Schlimmste war, es gab kein Trinkwasser. Dies bedeutete, dass alle sieben bis 18-jährigen Kinder und auch wir Freiwilligen fünf bis sechs Mal morgens und abends zu Fuß zum Brunnen laufen mussten, um ca. 45 Menschen mit Wasser zu versorgen. Das Frühstück verspätete sich in dieser Zeit häufig. Nicht selten verließen Kinder des Waisenhauses den Schulunterricht, um das Frühstück verspätet nachzuholen. Es war auch nicht einfach, die notwendige Hygiene bei den Kindern einzuhalten. „Oft hatte ich nur einen Eimer Wasser (ca. 12 Liter), um damit drei kleine Jungs zu duschen“, erzählt Katharina. Das Problem wurde auch bis zum Ende ihres Aufenthalts nicht gelöst und kostete alle einiges an Kraft und Nerven. Die Arbeit mit den Kindern und dem einheimischen Personal habe ihr viel Spaß gemacht, berichtet sie. Trotzdem war die Teamarbeit zwischen den Freiwilligen und den leitenden Personen vor Ort nicht immer einfach. Unterschiedliche Meinungen unter anderem im Bezug auf das Wohl der Kinder oder eine längere Abwesenheit der Leitung des Waisenhauses führten öfters zu Konflikten und Unverständnis auf beiden Seiten. In solchen Momenten zeigten sich die kulturellen Unterschiede, das Verständnis von Erziehung und Verantwortung und der gesellschaftlichen Stellung von Kindern sehr deutlich. „Wir Freiwilligen waren rund um die Uhr vor Ort und lernten jedes Kind sehr gut kennen. Sie wussten, dass sie sich jederzeit an uns wenden konnten“, erzählt sie, „Sie vertrauten uns und kamen bei Problemen oder Verletzungen immer erst zu uns. Oft konnten wir sofort helfen. Wenn dies nicht möglich war, wurde die Leitung eingeschaltet.“ Diese griff dann nicht selten zu kulturell geprägten, für Europäer unbekannte, Maßnahmen und Heilungsmethoden. Für Katharina war das mehr als nur ein Eingewöhnungsprozess. „Ich musste lernen, das Handeln der Einheimischen zu respektieren und versuchen, sie zu verstehen“, erzählt sie selbstkritisch.

 … eine unbeschreibliche Freude 

Aufregende Tanzabende, Mal - und Bastelnachmittage, Schnitzeljagd - diese Aufzählung beschreibt das Leben im Waisenhaus. Katharina und ihre Mitfreiwillige(n) wollten die Freizeitgestaltung so abwechslungsreich und spannend wie nur möglich gestalten. So feierten sie mit den Kindern Halloween oder Fasching und planten auch selbst kleine und große Aktionen. „Die Freude war jedes Mal sehr groß und wir wurden für unsere Mühen mit einem Haufen begeisterter Kinder belohnt“, erzählt sie lachend. Sie erinnert sich an einen ihrer liebsten Momente. Die Freiwilligen und ein paar Jugendliche machten bei lauter ghanaischer Musik zusammen Pfannkuchen. Die Musik zog die Kinder an wie ein Magnet, und nach und nach tanzten alle Bewohner des Hauses kreuz und quer durch die Küche. „Diese Ausgelassenheit und reine Lebensfreude war unglaublich ansteckend. Bald tanzten auch wir mitten in der Küche ausgelassen mit“, erinnert sich Katharina. Die Spontanität des Augenblicks machte die Situation zu etwas ganz Besonderem. Ein weiteres Highlight war eine Wanderung auf den heimischen Berg von Begoro zusammen mit den älteren Waisen. „Alle hatten sich sehr auf diesen Ausflug gefreut und sind mit Feuereifer den Berg rauf gewandert“, berichtet Katharina. „Viel schwieriger war es, die Kinder wieder zum Heimweg zu bewegen“, erzählt sie lachend weiter, „ Aber ich kann das gut verstehen, denn von oben hat man einen tollen Blick über die ganze Stadt und die darum liegenden Berge. Die meisten Kinder sahen ihre Stadt zum ersten Mal von oben.“ 

… Empathie und ein starkes Ich 

Katharina war mittendrin im Leben eines ghanaischen Waisenhauses mit all seinen wundervollen Momenten. Aber sie hat auch Zukunftsängste gesehen und die täglichen Anforderungen und Schwierigkeiten erlebt. „Manchmal dachte ich, dass alle, nicht nur die Kleinen, aber auch die Erwachsenen, einfach mal in den Arm genommen werden müssten“, beschreibt sie. Für sich selbst hat Katharina gelernt, sich Herausforderungen zu stellen, Überforderungen zu bewältigen, sich aber auch Schwächen einzugestehen und zuzulassen. Trotz der Schwierigkeiten fühlte sie sich gebraucht und am richtigen Ort, was ihr Kraft und Selbstvertrauen gab. Mit der Hilfe und Unterstützung von Freunden und Kollegen vor Ort und im Heimatland ist sie über sich hinaus gewachsen und konnte ihren Horizont in vielerlei Hinsicht erweitern. 

… ein Anliegen 

Zwischen den Kindern und Katharina ist eine enge Bindung entstanden. Das Wohl der Kinder liegt ihr sehr am Herzen, vor allem in diesen Zeiten von Covid-19 und seinen Folgen auch für Ghana. Das Waisenhaus rechnet mit einem erheblichen Zuwachs an Kindern als Folge der Pandemie und schaut mit bangem Blick in die Zukunft. Wer die Arbeit unterstützen möchte und/oder nun noch mehr über das Leben in Ghana und der Kinder des „Nation Builders“- Waisenhauses erfahren möchte, kann sich gerne bei Katharina Otten unter dieser Email Adresse: katharina.otten@gmx.de melden. ko

Rubriklistenbild: © privat

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