Angekommen

Katharinas Ghana-Tagebuch

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Die Grafingerin Katharina Otten wird für ein Jahr in einem Waisenhaus in Ghana arbeiten. Bei uns schreibt die 20-Jährige über Ihre Erlebnisse, ihre Gefühle und ihre Arbeit

3. September - 

Morgens Halb sechs Uhr, ein Dienstag, der Wecker klingelt – ich schäle mich mit klopfendem Herzen aus meinem Schlafanzug, während in meinem Kopf nur ein Gedanke seine Kreise zieht: Heute geht es los! In nur wenigen Stunden sitze ich im Flugzeug Richtung Accra, Ghana. Und: Heute ist es das vorerst letzte Mal, dass ich zusammen mit meiner Familie in der Küche frühstücke, dass ich von meinem Fenster aus den vertrauten Garten sehe. Während meine Koffer in den Kofferraum unseres Autos gehievt werden, schweift mein Blick ein letztes Mal durch mein Zimmer – dann schließe ich die Tür. Auf geht’s! Obwohl mir vor Aufregung leicht schlecht ist und sich in meinem Kopf 1000 Gedanken formen und wieder verschwinden, vergeht die Autofahrt wie im Flug. Am Terminal angekommen, wartet schon meine beste Freundin auf mich. Sie begleitet uns zum Check-In und der Sicherheitskontrolle. Ich gehe hindurch, natürlich piept es, drehe mich ein letztes Mal um und winke. Bis bald! 

3. September – Mittags 

Nachdem ich den ersten Abschnitt des Fluges von München nach Istanbul gut überstanden habe, treffe ich am Gate 13Fb die weiteren Mitglieder der Gruppe, die als weltwärts-Freiwillige soziale Einrichtungen in Ghana unterstützen. Die meisten von ihnen kenne ich schon aus dem Vorbereitungsseminar. Wir steigen in den Flieger, der von Istanbul nach Accra fliegt. Gegen halb sieben Ortszeit landet das Flugzeug und wir machen uns auf, unsere Koffer einzusammeln. Nach dem Zoll laufen nach draußen und – gegen eine Wand. Die hohe Luftfeuchtigkeit raubt uns den Atem und schlägt uns warm und feucht Luft entgegen. Da unsere große Gruppe mit den dicken Koffern kaum zu übersehen ist, werden wir schon bald von unseren Mentoren der Partnerorganisation ARA freudig begrüßt.

3. September – Abends 

Wie benommen von der Umgebung steigen wir alle in einen kleinen Bus und fahren durch Accras Straßen in Richtung des ARA-Hauses, unserer gemeinsamen Unterkunft für die nächsten Tage. Uns umgibt pulsierendes Leben, eine ungewohnt wilde Straßenführung mit hektischen und hupenden Autofahrern, laute rhythmische Musik an jeder Straßenecke und Massen von Menschen, die ihren Handel auf den Straßen treiben und den Abend genießen. Obst, Gemüse, Farben, Stoffe, Menschen, Worte, die wir nicht verstehen – alles zieht an uns vorbei. Überall gibt es etwas zu sehen und trotz der aufkommenden Müdigkeit kann man sich nicht satt sehen an diesem so neuen und aufregenden Anblick. Angekommen am ARA - Haus stellen wir mit Freuden fest, dass es unweit vom Strand liegt. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, gibt es für uns noch ein spätes Abendessen auf dem Dach einer Bar. Wir werden herzlich und freundlich von den Leitern und Mentoren der Partnerorganisation begrüßt und es wird kurz der Plan für die nächsten Tage angesprochen. Dann können wir todmüde und mit einem schwirrenden Kopf voller Eindrücke ins Bett fallen. Ich weiß jetzt schon, dass meine Entscheidung, einen Freiwilligendienst zu machen, die Richtige war. Katharina Otten

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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