Die Arbeit in einem Waisenhaus

Katharinas Ghana-Tagebuch: Ghana ist ...

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Katharina mit „ihren“ Kindern im Waisenhaus in Ghana

Die Grafingerin Katharina Otten wird für ein Jahr in einem Waisenhaus in Ghana arbeiten. Bei uns schreibt die 20-Jährige über Ihre Erlebnisse, ihre Gefühle und ihre Arbeit

...eine Herausforderung: Es war von vorn herein klar, dass mein Leben in Ghana anders sein wird, als das, welches ich in Deutschland geführt habe. Doch musste ich einiges lernen und mich an viele neue Gegebenheiten gewöhnen. So hatte ich vorher noch nie per Eimer geduscht oder eine 24/7 Verantwortung für circa 37 Kinder gehabt. Außerdem finden sich überall Insekten und Kriechtiere zu jeder Tageszeit. Beim Duschen kann man unter anderem von kleinen Geckos beobachtet werden oder sich beim Aufwachen Auge in Auge mit einem Käfer sehen. Auch die ständige Aufmerksamkeit, die einem zuteil wird, ist sehr gewöhnungsbedürftig. Sobald ich mich in der Öffentlichkeit bewege, falle ich aufgrund meiner Hautfarbe auf und ziehe die Aufmerksamkeit der Einheimischen auf mich. Die meisten Reaktionen sind sehr positiv. Ich bekomme ein breites Grinsen geschenkt oder Kinder kommen auf mich zu gelaufen und bestaunen mit großen Augen meine Haut. Doch auch ich brauche mal meine Ruhe und möchte nur schnell meine Einkäufe erledigen, ohne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Mich an solche Dinge zu gewöhnen brauchte seine Zeit, aber ich habe gelernt mit ihnen umzugehen.

 …aufregend: Obwohl sich der Alltag nun schon in mein Leben geschlichen hat, ist er immer noch aufregend und bringt regelmäßig Neues mit sich. Die Kinder lassen jeden Tag einzigartig werden und versüßen den Tag. Ich bekomme durch sie viel zurück und, wenn sie strahlend und mit ausgestreckten Händen auf mich zugelaufen kommen, macht es mich einfach nur glücklich. Auch die Ausflüge, die meine Mitfreiwillige und ich unternehmen bringen immer ihre Tücken und Aufregung mit sich. Jede Fahrt mit einem der TroTros über die hügeligen Straßen, jeder Ausflug zu den örtlichen Wasserfällen, jede Begegnung mit neuen Menschen, die einen herzlich und freundlich begrü- ßen lassen die Aufregung immer wieder neu in mir aufleben und genießen.

 ...voller Musik: Ich laufe durch die Stadt - Musik findet sich an jeder Straßenecke und oftmals kommen mir singende und tanzende Menschen entgegen. Jede Tageszeit bietet das gleiche Bild der Musik liebenden Ghanaer. Selbst wenn sich mal keine durch die Stadt dröhnende rhythmische Musik finden lässt, hält es die Menschen nicht davon ab auf ihrem Weg laut zu singen oder ihre gute Laune durch ein paar Tanzschritte zu äußern. Die Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben eines Ghanaers und diese Freude steckt mich jedes Mal aufs Neue an. 

…anders: Man sagt, man lernt das Land und die Leute nur richtig kennen, wenn man mit ihnen lebt. Auch Ghana hat seine „Eigenheiten“. Ich kannte es bisher nicht, dass männliche beste Freunde Händchen haltend durch die Straßen laufen. Auch das Bild von Menschen, die ihre Ware, sei sie noch so unhandlich und groß, auf dem Kopf transportieren, begegnen wir in Deutschland nicht. Zu Hause gehe ich in den nächsten Supermarkt und arbeite meine Einkaufsliste an ein und dem selben Ort ab. Hier laufe ich von einem kleinen Shop zum nächsten, frage mich nach Zutaten und Gegenständen durch und werde von den Verkäufern oftmals kopfschüttelnd zum nächsten Stand geschickt. Ich interagiere mit den Verkäufern, verhandle die Preise, habe ein nettes Gespräch mit den Menschen sowie einen Spaziergang durch die Stadt. 

...traumhaft & besonders: Mein jetziger Wohnort liegt mitten in den Bergen und in mir regt sich beim Gang durch manche Stadtgebiete das Gefühl, im Urwald zu wohnen. Tropische Pflanzen und Palmen setzten das Bild der Stadt. Zu Hause in Grafing träumen wir nur davon, während wir unseren Reisekatalog mit den neuesten Urlaubszielen sehensüchtig durchblättern. Und ich habe das Privileg ein Jahr zwischen Palmen, Sonne; Regenwald und Kindern zu wohnen. 

An alle Leser: Jede Erzählung und Erfahrung wurden von mir, Katharina Otten, gemacht und aus einer subjektiven Perspektive aufgeschrieben. Bitte respektieren Sie, dass man aus meinen Texten keine Verallgemeinerung schließen kann und Andere vielleicht eine andere Erfahrung als Freiwillige/r in einem fremden Land gemacht haben. 

Katharina Otten

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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