Corona-Virus

Fastenzeit radikal - so funktionieren die Kirchen im Landkreis Ebersberg in Zeiten von Corona

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Kirche bedeutet Gemeinschaft - und gerade diese ist in Zeiten von Corona tabu. Dies stellt die Kirchen bei uns vor Herausforderungen

Landkreis – „Ich empfinde die aktuelle Situation wie eine radikale Fastenzeit“, sinniert Dekan Josef Riedl aus Ebersberg. „Denn normalerweise ist es der in der Gemeinschaft gelebte Glaube, der uns als Kirche ausmacht. Aber nun sind alle Kirchen für Gottesdienste, alle Jugend- oder Seniorentreffs geschlossen.“ Gerade diese Situation stellt also unsere katholischen und evangelischen Seelsorger vor große Herausforderungen. Denn allein mit einem medialen Angebot, das via Internet abzurufen ist, sei es nicht getan, erklärt Riedl. „Schließlich kann man aufgrund des Alters nicht bei allen Gläubigen davon ausgehen, dass sie solche Angebote auch nutzen können“, so Riedl. 

Nichtsdestotrotz wurde hier innerhalb der letzten zwei Wochen extrem aufgestockt. Ob Gottesdienste zum Streamen, Predigten und Evangelientexte zum Download oder Vorschläge für Hausgottesdienste – das Angebot ist gewachsen und vielfältig, sowohl auf den Homepages der einzelnen Pfarreien wie auch bei den übergeordneten Stellen wie dem Erzbistum München und Freising oder der evangelischen Landeskirche. Auch wenn die physische Distanz in diesen Zeiten groß ist, wächst doch auf anderen Ebenen der Zusammenhalt. „Wir stehen in engem telefonischen und schriftlichen Kontakt – die Pfarreien untereinander aber auch mit den evangelischen Kollegen oder den Verbänden wie der Caritas“, erzählt Dekan Josef Riedl. „Außerdem sind wir sehr bemüht telefonisch für jeden zu so gut wie jeder Zeit erreichbar zu sein.“ Auch wenn also der Parteiverkehr im Pfarrbüro ruht, das Telefon ist besetzt. „Und auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten sind wir erreichbar, um gegebenenfalls Seelsorge am Telefon leisten zu können“, verspricht Riedl.

Beerdigungen ja, Hochzeiten nein

Wenn Dokumente wie Taufbescheinigungen oder ähnliches benötigt werden, können diese telefonisch beantragt werden, anschließend werden sie auf dem Postweg zugestellt. Hochzeiten und Taufen sind derzeit nicht möglich und müssen verschoben werden. Auch die Krankenkommunion oder Besuche der Seelsorger in den eigenen vier Wänden sind derzeit nicht erlaubt. Dekan Riedl bittet um Verständnis. „Ich habe auch viele ältere Menschen, denen ich einen Besuch vor Ostern versprochen hatte“, bedauert er. „Nun werden wir eben nur am Telefon reden können.“ Aber dies seien die offiziellen Vorgaben. Ausnahmen gibt es nur in lebensbedrohlichen Notfällen. Auch Beerdigungen finden statt, jedoch unter besonderen Richtlinien. „Beisetzungen finden nur im Freien auf dem Friedhof statt“, erklärt Riedl. „Hier sind maximal 15 Angehörige erlaubt.“

Ostern ohne Gottesdienst 

Nachdem noch nicht ersichtlich ist, das am Hochfest der Auferstehung, also Ostern, wieder Gottesdienste gefeiert werden dürfen, präpariert man sich in Ebersberg. „Wir erstellen gerade eine Broschüre mit Evangelientexten, Gedanken zum Tag und vor allem mit Vorschlägen, wie man die Karwoche und die Ostertage zuhause gestalten kann“, so Riedl. „Diese Broschüre wird dann ab Palmsonntag am Schriftenstand in der Kirche mitzunehmen sein.“ Außerdem will man St. Sebastian, das immer noch zum Gebet geöffnet ist, etwas gestalten: Mit dem Kreuz an Karfreitag oder einer Projektion eines Bildes vom heiligen Grab am Karsamstag sollen diese besonderen Tage auch am Gotteshaus nicht spurlos vorübergehen. 

Wenn alles klappt, wollen die Verantwortlichen am Ostersonntag auch ein kleines internes Osterfeuer entzünden und die Osterkerze in der Kirche aufstellen, so dass die Gläubigen sich das Feuer abholen können. Sicher ist dies aber noch nicht. Unter www.erzbistum-muenchen.de oder www.bayern-evangelisch.de sind Anregungen für Hausgottesdienste, Texte und Predigten zum Download sowie Impulse von Kardinal Reinhard Marx oder Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zu finden. Außerdem sind hier alle aktuellen und für die Pfarreien geltenden Vorschriften für den Umgang mit Corona aufgelistet. Viele Pfarreien ob evangelisch oder katholisch bieten Predigten und Impulstexte nicht nur über das Internet zum Download oder Nachhören an. Bei Nachfrage in den Pfarrbüros, die alle telefonisch erreichbar sind, können sich Interessierte die Texte aus zuschicken lassen oder zum Abholen bestellen. gre

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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