Aus dem Kirchseeoner Gemeinderat

Datenklau hinterm Duschvorhang?

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Mechanische Wasserzähler werden in Kirchseeon aus Datenschutzgründen nicht ausgetauscht.

Kirchseeon hätte im Gemeindegebiet gerne auf elektrische Hauswasserzähler umgestellt. Aber der Datenschutz macht dies kompliziert

Kirchseeon – Noch sind mechanische Wasserzähler in Privathaushalten in der Mehrzahl. Doch auch hier lässt sich die Digitalisierung nicht mehr aufhalten. Die Marktgemeinde Kirchseeon hätte hier eine Vorreiterrolle spielen können, wäre da nicht der Datenschutz. Am 17. Juli 2017 hatte der Werkausschuss des örtlichen Wasserwerks beschlossen, im Jahr 2018 sämtliche mechanische Hauswasserzähler gewisser Größen durch elektronische mit Funkmodul zu ersetzen. 

Um die 1.620 Stück wären es gewesen. Dann aber trat an 25. Mai 2018 das neue Bayersiche Datenschutzgesetz in Kraft, wodurch sich die Gemeindeordnung änderte und den Einsatz elektronischer Wasserzähler auf eine gesetzliche Grundlage stellte. Welcher Art diese sein soll, das wurde von Ministeriumsseite bis dato aber nicht klargestellt, so im Sachvortrag der jüngsten Sitzung des Werkausschusses. Auch eine Anfrage beim Bayerischen Gemeindetag zur weiteren Vorgehensweise hatte Rückmeldung ergeben, wie der kaufmännische Leiter des Wasserwerks Robert Ess mitteilte. Da es zudem mittlerweile aufgrund von Presseberichten zur Umstellung Einsprüche von Privatpersonen dagegen gab, schlug die Werkleitung vor, den Beschluss von 2017 aufzuheben. 

Durch die Umstellung hätten Kosten gespart werden können, zeigte sich Bürgermeister Udo Ockel enttäuscht. Zudem könne er sich nicht vorstellen, was jemand mit dem Wissen über den monatlichen Wasserverbrauch - im negativen Sinne - anfangen sollte. Dass in zehn Jahren alle Haushalte mit elektronischen Wasserzählern ausgestattet sein würden, da ist sich Ockel sicher. Er ergänzte, dass die Stromversorger elektronische Zähler einbauen, und wenn jemand das nicht will, dann bekommt der auch keinen Strom. Sein Fazit zum aktuellen Scheitern der Umstellung: „Wir waren zu modern..., dann halt nicht.“ 

Anmerkung: Zu den Vorteilen der elektronischen Ablesung gehört das schnelle Aufspüren verdeckter Leckagen - also Dauerlauf des Wassers etwa in hängenden Spülkästen oder undichte Leitungen und Rohrbruch -, die übers Jahr gesehen als Mehrkosten in den dreistelligen Eurobereich gehen können. Auch der mögliche unerwünschte Besuch von vermeintlichen Zählerablesern, die aber nur auf Betrug und Diebstahl aus sind, würden schlichtweg nicht mehr stattfinden müssen. Da ein Elektrozähler nur den aktuellen Verbrauchsstand misst, aber nicht den aktuellen Verbrauch/Durchlauf, lässt sich nicht feststellen wann jemand duscht oder ob er denn überhaupt zu Hause ist. osw

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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