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„Fangen wir doch endlich damit an“ 

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Von: Christian Schäfer

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Christoph Lochmüller auf der Klimademo in Glonn
Gut 100 Menschen folgten dem Aufruf zur Klimademo in Glonn. © Schäfer

Ein breites Bündnis hatte vergangenen Freitag zur Klima-Demo in Glonn aufgerufen. Gut 100 Menschen protestierten für eine Energiewende – und für ein Ende des Krieges in der Ukraine

Glonn – Der erste Beitrag zur Klima-Demo in Glonn kam von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer. Er fühlte sich - wohl inspiriert von den Plakaten am Marktplatz - berufen, die Geschwindigkeit zu drosseln und seinen Drehzahlmesser zum Anschlag zu bringen. Über die Tiefsinnigkeit dieser Meinungsäußerung muss man an dieser Stelle nicht weiter diskutieren.

esentlich gehaltvoller waren jedenfalls die Beiträge, die auf der improvisierten Bühne auf dem Glonner Marktplatz vorgetragen wurden. Neben Plakaten für mehr Klimaschutz waren auch Schriftzüge zu lesen, die Putins Krieg in der Ukraine verurteilten. Auch auf der Bühne wurde der Krieg in Europa und der Klimawandel in Zusammenhang gesetzt. „All diese Krisen, die uns aktuell begegnen, haben einen Zusammenhang“, sagte Nina Rutschmann, Sprecherin der Glonner Grünen. „Es ist unser Energie- und Rohstoffhunger.“ Für unsere Art zu leben würde man allein sechs Erden benötigen, die wir aber nicht haben, so Rutschmann. Wir müssten unser Anspruchsdenken ändern und nicht auf Kosten derjenigen leben, die bereits jetzt von den Folgen des Klimawandels betroffen seien, obwohl sie deutlich weniger CO2 ausstoßen würden. Rutschmann meinte hier vor allem die Länder auf der Südhalbkugel, die bereits jetzt von Dürren, Ernteausfällen oder Hochwasser betroffen seien. Das Artensterben, die Erderwärmung und die Abhängigkeit von Putins Rohstoffen, dies alles ließe sich, so Rutschmann, mit dem massiven Ausbau von erneuerbaren Energien stoppen. „Fangen wir doch endlich damit an“, so ihr Appell.

Anpacken, rein hauen, Dampf machen - das alles sei notwendig, um der großen Aufgabe der Menschheit, dem Klimawandel, genüge zu tun, meinte auch Christoph Lochmüller, der vergangenes Jahr Kandidat für den Bundestag der Grünen war, am Rednerpult. Aktuell sei es wieder spürbar, wir haben eine extrem ausgeprägte Trockenperiode – und das Ende März. Auch bei den Windrädern im Ebersberger Forst gehe alles zu langsam. „Die Bürger haben entschieden, dass sie kommen sollen, aber: es geht überhaupt nichts vorwärts“, so Lochmüller. Es brauche den Wandel, auch in der Industrie. Lochmüller selbst sei Unternehmer, auf vielen Flachdächern von Produktions- und Lagerhallen seien immer noch keine Photovoltaikanlagen - das müsse sich dringend ändern. Auch könnten sich die Unternehmen in Industriegebieten zusammen tun, um ein gemeinsames Wärmenetz zu nutzen. „Der eine hat die Abwärme, der andere benötigt diese als Prozesswärme, hier muss man sich zusammen schließen, um Energie zu sparen.“ Unternehmer müssten ihre Fahrzeugflotte auf Elektro umrüsten, die Wasserstoffenergie müsse forciert werden, so Lochmüller.

Es waren gut 100 Teilnehmer, die sich in Glonn an der Klima-Demo beteiligten. Darunter auch die Kinder von Tilo und Uta Schemm. Ihr neunjähriger Sohn Marlon brachte es letztendlich schön auf den Punkt. „Es ist gut so, wie die Welt ist. Die Natur soll so schön bleiben, wie sie ist. Wenn das anders wird, ist das eine schlimme Sache für die Welt.“ sc

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