Energiewende bis 2030

„Wir sind noch meilenweit entfernt!“

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Die Energiewende im Landkreis stockt.

Klimaschutzmanager Gröbmayr spricht Klartext: Sollte die Energiewende bis 2030 doch noch gelingen, wären 26 Fußballfelder für Solarenergie und 33 Windkrafträder notwendig

Kirchseeon – Ein prominenter Gast war beim monatlichen Treffen des Kirchseeoner Arbeitskreises Energiewende 2030 zugegen: Hans Gröbmayr, oberster Klimaschutzmanager für den Landkreis Ebersberg. Angesichts der rasant zunehmenden Diskussion um die angestrebte Energiewende in elf Jahren gab er Einund Ausblicke. Ein Fokus lag dabei auf der Arbeit der von ihm geleitete Energieagentur Ebersberg-München, die 50 Gemeinden einschließt. 

„Von 2030 sind wir aktuell meilenweit entfernt“, mahnte er. „Damals wusste keiner, was da eigentlich beschlossen wurde“, so Gröbmayr zum hehren Ziel beim Energiewendebeschluss von 2006, der 2015 erneut gefasst wurde. Bis heute wurden ein Drittel mehr Energie verbraucht als geplant und zugleich war die Erzeugung regenerativer Energie weit unter der angestrebten Menge. Anlässlich des Besuchs einer ugandischen Delegation, die sich bei der Energieagentur über den Auf- und Umbau eines Stromnetzes erkundigen wollte, gab Gröbmayr erschreckend beeindruckende Zahlen bekannt: Ein Deutscher verursacht 48,9 Tonnen CO² pro Jahr, ein Ugander 0,13 Tonnen. Ziel müsse es laut Vortragendem sein, diese Zahl auf zwei Tonnen pro Person zu senken, egal ob in Europa oder in Afrika. Immerhin: Da sich immer mehr Unternehmen für die Energiewende interessieren würden, seien die Energieberater unter den 15 Mitarbeitern der Agentur intensiv nachgefragt.

Er habe sich schriftlich an die beiden Landräte Niedergesäß (Ebersberg) und Göbl (München) gewandt, dass er sich um die Angestellten Sorgen mache. So ist etwa Energieberaterin Veronika Bohmann (Photovoltaik) – eigentlich im positiven Sinne – bis auf weiteres ausgebucht. Am Tag nach seinem Besuch in Kirchseeon kann Gröbmayr einen zusätzlichen, den dann vierten Energieberater begrüßen. Sein Ausblick: Sollten die Energiewendeziele bis 2030 erreicht werden, so wären dafür 26 Fußballfelder für Solarenergie-Freiflächen nötig, zudem 33 Windanlagen. 

Der Agenturleiter befürwortet diese Art der Stromerzeugung: „Wir haben keine Alternative.“ Weil er aber schon vor Jahren einer „Verspargelung“ der Landschaft zuvor kommen wollte, initiierte er die Festsetzung von Konzentrationsflächen für Windkraft. So sollen nicht an wenigen Orten Windräder geballt aufgestellt werden, sondern über viele Gemeinden und Orte verteilt. Und Gröbmayr gab Entwarnung: Die umstrittene 10H-Regelung in Bayern (seit November 2014), welche Windräder nur in einem Abstand vom Zehnfachen ihrer Höhe bis zur nächsten Wohnbebauung zulässt, erlaubt trotz allem Ausnahmen: Kommunen können solche in ihrer Bauleitplanung zulassen. Ein Hoffnungsschimmer für mehr regenerative Energie...? osw

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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