Kommentar

Homeoffice 0.2

Angestellter sitzt im Homeoffice am Notebook
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Homeoffice soll - wenn möglich - die nächsten Wochen verpflichtend sein. Oftmals scheitert dies nicht am Willen der Unternehmen, sondern schlicht und einfach an der digitalen Infrastruktur

Die digitale Infrastruktur erfüllt nicht das, was der Staat aktuell von seinen Bürgern fordert. Ein Kommentar von Christian Schäfer

So, jetzt sind also die Arbeitgeber in der Pflicht. Sie sollen ihren Beschäftigten künftig das Arbeiten im Homeoffice überall dort ermöglichen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Die Betriebe müssen also ihre Hausaufgaben erledigen, um die Pandemie mit in den Griff zu bekommen. Und der Gedanke ist nicht schlecht, nicht nur in der aktuellen Situation, sondern ganz allgemein. Der Corona-Virus liebt den sozialen Kontakt – sitzt der Arbeitnehmer jedoch zuhause vor dem Laptop und pendelt nicht im öffentlichen Nahverkehr ins Büro, kann man dem Virus die Luft zum Vermehren nehmen.

Und auch in Pandemie-freien Zeiten hat das Homeoffice eine ganze Reihe von Vorteilen. Der öffentliche Nahverkehr und die Straßen würden deutlich entlastet werden, Unternehmen könnten sich bis zu 50 Prozent an Büroflächen sparen, was in Ballungszentren auch den Wohnungsmarkt entlasten würde. Von den Nerven und der Zeit, die sich Arbeitnehmer sparen könnten, ganz zu schweigen. Doch die Sache hat einen Hacken: denn auch der Staat hat es in den letzten Jahren deutlich versäumt, seine Hausaufgaben zu machen. Die schöne neue Arbeitswelt scheitert oftmals nicht am Willen von Arbeitgeber oder Angestellten, sondern schlicht und einfach an der Infrastruktur. Noch gibt es viel zu viele weiße Flecken in der digitalen Landschaft, noch nie wurde dies so deutlich wie zu Zeiten der Corona-Pandemie. Was in anderen Ländern selbstverständlich ist, muss auch in naher Zukunft bis uns möglich sein: ein lückenloses digitales Netz, dass nicht nur Berufstätigen, sondern auch Schülern erlaubt, jederzeit und ohne ruckeln oder langen Download-Zeiten zu arbeiten und zu lernen. Ja, es mag von Vorteil sein, wenn man viel Zeit hat, während sich der sieben MB-Anhang einer E-Mail öffnet. Zum Beispiel seinem Sohn Mathe zu erklären, da die Videokonferenz mit seiner Lehrerin wieder einmal hängt. Aber zukunftsträchtig ist das nicht.

Christian Schäfer

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