Das medizinische Interview

Leistenbruch: Wann muss operiert werden?

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Dr. Peter Kreissl (links) und Dr. Stefan Herold bei einer Patientenfallbesprechung

Mit rund 350.000 chirurgischen Eingriffen pro Jahr ist der Leistenbruch die am häufigsten operativ behandelte Erkrankung in Deutschland. Die Kreisklinik Ebersberg bietet qualitätsgesicherte Hernienchirurgie an

Landkreis – Warum bei einem Leistenbruch eine Operation oft unumgänglich ist, erläutern Dr. Peter Kreissl, Chefarzt der Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie in der Kreisklinik Ebersberg, und Oberarzt Dr. Stefan Herold. Die Abteilung trägt seit 2013 das Siegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ der Deutschen Hernien Gesellschaft. 

Herr Dr. Herold, was ist ein Leistenbruch? 

Dr. Herold: Zunächst einmal: Es ist keine Verletzung, sondern ein dynamischer Prozess. Dabei kann sich durch eine Schwachstelle in der Bauchwand, auch Bruchpforte genannt, der Darm in den Leistenkanal ausstülpen und einen Bruchsack bilden. Ist der Leistenbruch rechts, ist es meist ein Teil des Dünndarms, ist er links, kann es auch Dickdarmgewebe sein. 

Welche Folgen kann das haben? 

Dr. Kreissl: Ist die Bruchpforte sehr eng, kann es zu einer Inkazeration kommen, das heißt, der Darm wird eingeklemmt. Dann kann es zu lebensbedrohlichen Folgen kommen wie etwa einem Darmverschluss. Durch die abgeschnittene Blutzufuhr kann auch das Gewebe absterben. In diesen Fällen muss sofort operiert werden. Bei einer großen Bruchpforte ist das Risiko einer Inkazeration geringer. Solche Leistenhernien können über Jahre bestehen, manchmal wächst der Darm dann im Bruchsack fest. Dieser kann sich beim Mann bis in die Genitalien ausweiten und macht sich als vergrößerter Hodensack bemerkbar. 

Warum treten Leistenbrüche bei Männern häufiger auf als bei Frauen? 

Dr. Herold: Das ist anatomisch zu erklären. Bei männlichen Embryos ist der Leistenkanal der Wanderungsweg des Hodens. Bis zur Geburt ist er an einer Stelle der Bauchwand hindurchgetreten und auf seinem Platz angekommen. Normalerweise verschließt sich die Pforte bis Ende des ersten Lebensjahres wieder, bleibt aber ein Leben lang eine Schwachstelle. Bei manchen Kindern verschließt sie sich nicht, so dass sie operativ geschlossen werden muss. Bei Frauen treten eher Schenkelhernien unterhalb des Leistenbands auf, wo die Blutgefäße des Oberschenkels verlaufen. Dort befindet sich bei ihnen eine Schwachstelle, die nicht durch Muskeln gestützt wird. Leistenbrüche können auch bei Frauen vorkommen, vor allem durch altersbedingt schwächer werdendes Bindegewebe. 

Wie macht sich ein Leistenbruch bemerkbar? 

Dr. Herold: Oft sind es unspezifische Schmerzen in der Leiste, es zwickt und drückt, meist in Zusammenhang mit körperlicher Belastung, also Heben von schweren Gegenständen. Im Lauf des Tages kann sich der Schmerz verschlimmern und bis in den Oberschenkel ausstrahlen. Manche Betroffene fühlen auch nur eine Vorwölbung in der Leiste, ohne Schmerzsymptome, meist tritt jedoch beides zusammen auf. Kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu, ist das ein Zeichen für eine lebensbedrohliche Verschlimmerung und der Betroffene sollte unverzüglich in die nächste Notaufnahme fahren. 

Welche Ursachen gibt es für einen Leistenbruch? 

Dr. Herold: Sie reichen von einer angeborenen oder altersbedingten Bindegewebsschwäche über eine genetische Veranlagung bis hin zu einem erhöhten Bauchdruck aufgrund von Übergewicht, bei Frauen auch durch eine Schwangerschaft. Begünstigt werden kann ein Bruch durch schwere, körperliche Beanspruchung. Sie ist jedoch nicht die Ursache. 

Werden alle Leistenhernien operativ therapiert? 

Dr. Kreissl: Nicht unbedingt. Leistenbrüche ohne Symptome kann man auch beobachten. Konservative Methoden, wie das Tragen eines stabilisierenden Bruchbandes erachten wir jedoch nicht als sinnvoll. Die Operation ist letztlich der einzige und konsequente Weg, die Bruchlücke definitiv zu verschließen und schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. 

Welche Verfahren werden dabei angewendet? 

Dr. Kreissl: Es gibt verschiedene. Je nach Größe des Leistenbruchs wird die Bruchpforte genäht oder es wird ein Kunststoffnetz darüber gelegt. Ohne Netz ist das Risiko höher, dass der Bruch erneut auftritt. Die Kreisklinik hat sich auf minimal-invasive Techniken spezialisiert. Dabei wird immer ein Kunststoffnetz implantiert. Die Patienten bleiben für eine Nacht zur Beobachtung. Die Alternative hierzu sind die klassisch offenen Operationsverfahren. Die Bruchlücke wird dann entweder mit körpereigenem Gewebe oder auch durch eine Netzimplantation verschlossen. Letztendlich entscheiden wir bei jedem Patienten individuell, welches OP-Verfahren den besten Therapieerfolg verspricht. sf

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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