Geht von Kunstrasenplätzen eine Gefahr für die Umwelt aus?

Vaterstettens Sportler verärgert über Kunstrasen-Debatte

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Ein weiterer Kunstrasenplatz würde auch den Jugendmannschaften des SC Baldham-Vaterstetten mehr Trainingszeit zugestehen.

Wird das Kunststoffgranulat für Ganzjahres-Fußballplätze von der EU verboten, haben Fußballvereine und Gemeinden ein Riesenproblem. In Vaterstetten stellt ein Sportclub nun die Aussagen zur Belastung in Frage

Vaterstetten – Die EU will Mikroplastik ab 2022 verbieten. Das trifft nicht nur Kosmetik-Produkte und Reinigungsmittel, sondern auch die Kunstrasenplätze von vielen Fußballvereinen. Denn dort wird ein Füllstoff verwendet, der dann nicht mehr zulässig wäre. Die Sorge der Umweltschützer: Kunststoffpartikel könnten in die Umwelt und ins Wasser geraten. Die Folge des Verbots: Auf vielen tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen müssten die Plätze gesperrt werden. 

Eine Katastrophe für die Vereine und ein Problem für die Nachwuchsförderung. Der SC Baldham-Vaterstetten erlebt die Kunstrasen-Debatte gerade am eigenen Leib. Eigentlich wollte man im Herbst den neuen Kunstrasenplatz einweihen. Mit 42 Fußballmannschaften im Spielbetrieb, davon 35 im Jugendbereich, habe der SCBV seine Kapazitätsgrenzen weit überschritten, berichtet Abteilungsleiter Helmut Lämmermeier. Um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausreichend Trainings- und Spielfläche zu bieten, soll am Sportplatz an der B304 ein weiterer Kunstrasenplatz entstehen. So könnte man den rund 900 aktiven Mitgliedern etwa 70.000 Sportstunden zusätzlich anbieten. Denn anders als auf Rasenplätzen könnte dann auch in den Monaten November bis März gespielt werden. „Umso ärgerlicher nun, dass das für Kunstrasenplätze so wichtige Kunststoffgranulat gänzlich verboten werden soll.“ Zumal laut Lämmermeier die Beurteilung des Fraunhofer-Instituts darüber „schlichtweg falsch“ sei. Das Institut habe die Daten „in einer wissenschaftlich völlig unzulänglichen Weise erhoben“. So seien unter anderem Daten per Mail und bei selbst ernannten Experten abgefragt worden, sowie am Ende Zahlen falsch und künstlich hochgerechnet worden. Das lasse sich leicht belegen durch die Angaben von Vereinen mit Kunstrasenplätzen, die regelmäßig Granulat nachkaufen. Und durch die Informationen eines Kunstrasen-Herstellers. 

Zudem würden sich Kunstrasenplätze in Deutschland in ihrer Bauweise deutlich von Plätzen in Europa unterscheiden, erklärt der SCBV-Funktionär. Meist liegen noch Kunststoffmatten untendrunter. Das Fraunhofer-Institut hat vor diesem Hintergrund und nach massiver Kritik an der Studie jüngst eingeräumt, dass die veröffentlichten Zahlen wohl zu hoch sind. Lämmermeiers Forderung an die Politik: Kein Verbot von Kunststoffgranulat für Kunstrasenplätze! Andere Füllungen seien nämlich unbrauchbar, behauptet der Abteilungsleiter. Kork, wie ihn diverse Vereine erfolgreich nutzen, könne schimmeln und sei daher gesundheitlich bedenklich. „Außerdem schwimmt es bei Starkregen vom Platz.“ Die Alternative Quarzsand führe zu schweren Hautabschürfungen bei Stürzen und habe keinerlei Dämpfungseigenschaften. Zudem gäbe es beim Kunstrasen durchaus Möglichkeiten, um den Austrag des Mikroplastiks zu verringern, heißt es beim SCBV. Einen Schutz an den Zäunen, Auffangboxen an den Abtretgittern und mehr. Maßnahmen, die kosten. 

Lämmermeier fordert dafür staatliche Fördergelder. Auf die Vaterstettener Kunstrasenpläne würden die in der Fraunhofer-Studie angegebenen Werte jedenfalls „in keiner Weise“ zutreffen. Sein Fazit: „Die Notwendigkeit, Kindern und Jugendlichen ausreichend Sportmöglichkeiten zu bieten, überwiegt dabei die Nachteile des geringen Austrags von Mikroplastik deutlich.“ die

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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