Unternehmer kämpft gegen Abschiebung

Recht – aber richtig?

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Möchten, das ihr Kollege bleiben kann: Die Mitarbeiter der Kunstschmiede Bergmeister

Ein Flüchtling, der arbeiten möchte. Ein Unternehmer, der ihn ausbilden möchte. Und ein Staat, der hart bleibt. DieEbersberger Kunstschmiede Bergmeister kämpft um seinen Mitarbeiter Zika Oni

Ebersberg – Zika Oni muss packen - wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Am 26. November muss er Deutschland verlassen. Wohin weiß er nicht, nur, das er gehen muss. Zika Oni hofft nicht allein auf ein Wunder. Mit ihm bangen sein Chef Matthias Larasser-Bergmeister, Leiter der weltweit bekannten Kunstschmiede Bergmeister aus Ebersberg. Darauf hoffen seine Arbeitskollegen. Das Wunder müsste von denjenigen bewirkt werden, die im Landratsamt Ebersberg und in den Behörden des Freistaats Bayern über Menschen wie Zika Oni entscheiden.

 „Gnade vor Recht“, mahnt Matthias Larasser an. Nein, es gehe nicht darum, Gesetze zu beugen. Er wolle nur, dass über seinen Mitarbeiter nicht allein mit der Kälte bürokratisch-juristischer Argumente befunden werde, sondern auch mit Herz und Verstand. Der 55-jährige Kunstschmiedemeister und Diplom-Bildhauer sowie seine rund 20 Mitarbeiter kümmern sich seit Februar um Oni. Weshalb der Chef auch für diese und sich verlangt, dass „unser vom Staat ausdrücklich gefordertes Engagement, solche Menschen ins Arbeitsleben zu integrieren, nicht mit einer eiskalten Abschiebung konterkartiert wird“. Ende 2018 hat seine ehrenamtliche Betreuerin die Kunstschmiede von Matthias Larasser-Bergmeister für Zika gefunden. „Zika hat sich gut angestellt“, sagt Larasser. Und die Kollegen lernen Zika schätzen.

Larasser-Bergmeister erkundigt sich beim Arbeitsamt wegen eines Eingliederungszuschusses. Der wird sofort gewährt: Von März 2019 bis März 2020 will sich das Arbeitsamt zur Hälfte an den Lohnkosten für Zika beteiligen, um „die betroffene Person dauerhaft beruflich einzugliedern“. Die Kunstschmiede verpflichtet sich, ihn bis Frühjahr 2021 zu beschäftigen. Die Ausländerstelle im Landratsamt stellt Zika eine Arbeitserlaubnis aus – bis März 2022. Zika Oni und sein Chef verstehen das so, dass sie die nächsten drei Jahre miteinander arbeiten können. Doch es kommt anders: Schon 2017 hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Onis Asylantrag abgelehnt. Nun wird im Juli 2019 auch der Einspruch abgewiesen. Damit steht fest: Zika Oni bekommt in Deutschland kein Asyl. Larasser-Bergmeister schaltet die Abgeordneten Thomas Huber (MdL) und Andreas Lenz (MdB) ein, wendet sich an den Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß. Die Abgeordneten bitten den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann um eine Einzelfallprüfung für Oni. Doch Herrmann lehnt ab. Larasser-Bergmeister bittet erneut Landrat Niedergesäß und die Ausländerstelle im Landratsamt zu überprüfen, ob Zika wenigstens bis zum Abschluss einer Ausbildung zum Metallhandwerker bleiben könne. Er werde die Kosten für die Ausbildung übernehmen.

Am 7. November wird Oni ins Landratsamt einbestellt, wo man ihm eröffnet, dass er in den nächsten drei Wochen, spätestens am 26. November, Deutschland verlassen müsse. An diesem 7. November schreibt der Fachverband Metall Bayern die Kunstschmiede an. Man suche Betriebe für Auszubildende aus Marokko. Man wolle damit „die reguläre Arbeitsmigration und Fachkräftegewinnung … unterstützen“. Larasser-Bergmeister ist fassungslos. red

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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