Trauerhilfe im Landratsamt

Landratsamt Ebersberg sorgt für trauernde Mitarbeiter und Bürger

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Jutta Hommelsen vom zentralen Sozialdienst im Landratsamt Ebersberg.

Für das Landratsamt Ebersberg gibt es seit Februar dieses Jahres eine Dienstvereinbarung zum Umgang mit Trauer. Die Idee findet im Amt guten Anklang, schafft ein neues Bewusstsein für das Thema, so dass sogar für die Bürger in Corona Zeiten ein eigenes Trauertelefon eingerichtet wurde.

Ebersberg - Im Zuge der Zertifizierung zum familienfreundlichen Betrieb stieß das Landratsamt, unweigerlich auf das Thema Trauer. Die Frage tauchte auf: „Was machen wir mit Arbeitnehmern, die zum Beispiel ihre Eltern pflegen und die dann irgendwann beendet ist? Sprich, wie gehen wir hier mit dem Thema Tod und Trauer als Arbeitgeber um?“, erzählt Jutta Hommelsen von den Anfängen dieses speziellen „Trauerprozesses“. 

Eine Arbeitsgruppe bildete sich im Amt und das Thema erweiterte sich von der Trauer im Umfeld von Tod und Sterben, hin zu all den Bereichen in denen Menschen mit Verlusterfahrungen konfrontiert sind. Das wäre zum Beispiel Trennung, Scheidung, Wohnungsverlust etc. Im Februar war es soweit und das Landratsamt besitzt jetzt eine offizielle Dienstvereinbarung zum Umgang mit Trauer. Dienstvereinbarung heißt, dass der Arbeitnehmer das Recht dazu hat, diese anzuwenden. Üblich ist, zwei Tage bei Tod eines Angehörigen zu Hause bleiben zu können. 

In der Vereinbarung des Landratsamtes steht zum Beispiel, dass es die Möglichkeit gibt, die doppelte Arbeitszeit, die im Vertrag steht, flexibel gestalten zu können. Ein Arbeitnehmer mit einem 40 Stundenvertrag kann 80 Stunden mit Absprache frei für sich gestalten. Manche Menschen tut in der Zeit der Trauer Arbeit gut, sie gibt Struktur, Halt, man sieht die Kollegen, hat Gesprächsmöglichkeiten. „Anderen ist mehr nach Rückzug und er kommt nur stundenweise an den Schreibtisch. Um die verschiedenen Trauerformen möglich zu machen, ist die flexible Form der Freistellung ein gutes Konzept.“ 145.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland im arbeitsfähigen Alter. 600.000 sind unmittelbar im Umfeld von Verlust durch Tod betroffen und diese „Mitarbeiter“ sind dann nicht immer voll einsetzbar. Also ist das Ganze durchaus auch ein interessantes Thema für Firmen und Institutionen. 

Das Landratsamt hat hier eine Vorreiterrolle übernommen, denn nach Aussage der ausgebildeten Trauerbegleiterin, ist im Süden der Republik so ein Angebot dünn gesät. „Wir verbringen mehr Zeit mit Kollegen, als mit der Familie“, so Hommelsen, die neben der Tätigkeit der Trauerbegleitung für den zentralen sozialen Dienst im Amt zuständig ist. „Wir können nicht unsere Emotionen vor der Türe ablegen. Die Auswirkungen von Trauer sind komplex.“ Aber, und das ist der „Trauervertrauensperson“ Hommelsen ganz wichtig: „Trauer ist keine Krankheit, kann aber krank machen“. Damit dies nicht geschieht bietet man hier in Ebersberg den Mitarbeitern, Stütze, Halt in unterschiedlicher Form. Es gibt Gesprächsmöglichkeiten, Kondolenzräume werden gestaltet, wenn ein Mitarbeiter verstorben ist, es gibt regelmäßig Informationen über das Thema, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse darüber und natürlich Handlungsanleitungen. „Jeder trauert anders, hat in diesen Zeiten andere Bedürfnisse.“ Auf diese Unterschiedlichkeit wird großen Wert gelegt. „In Corona Zeiten müssen sich viele von vielem verabschieden und das hat mit Trauer zu tun“. So kamen die Verantwortlichen auf die Idee, dieses Bewusstsein, diesen neuen Umgang mit dem Thema für die Bürger anzubieten. So entstand das Trauertelefon in Kooperation mit dem Hospiz Ebersberg. Dreimal die Woche kann man hier über die verschiedensten Verlusterfahrungen sprechen, die gerade in Zeiten der Pandemie sehr existentiell sein können. 

Andreas Tretner

Hotline für Menschen, die in Corona Zeiten von Trauer und Verlust betroffen sind: Landratsamt Ebersberg Tel.  (0 80 92) 82 36 84, Montag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr

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