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Ein Leben für und mit der Natur

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Naturfreund Wolfgang Matschke © Foto: Tretner

Wolfgang Matschke betreute in seiner aktiven Laufbahn als Förster zwanzig Jahre lang den Rotter Forst, ist jetzt in Pension, aber immer noch aktiv im Naturschutz tätig – er leitet die Ortsgruppe von Rott am Inn.

Rott am – Kinderfahrräder liegen in der Garageneinfahrt, allerlei Spielzeug liegt herum, einen Hasenstall gibt es im Garten, es scheint ein lebendiges Haus zu sein, in dem Wolfgang Matschke wohnt. Sobald die Tür aufgeht kommt Birka vom Rotter Forst freudig auf einen zugelaufen, alle anderen sind an diesem Tag beim Baden am Hofstätter See. Der kleine Münsterländer ist die derzeitige Jagdbegleitung des Försters in Pension. In Pension sein, heißt aber nicht, nicht auf die Jagd zu gehen. Hier sind die beiden ein sehr gutes Team, zumal die Hündin sämtliche Jagdprüfungen die es gibt, mit Bravour bestanden hat. Zur Begrüßung hat Matschke auch gleich noch eine Überraschung für mich. Er öffnet die Tür zu seinem Arbeitszimmer und da steht eine große hölzerne Kiste. 

Wohliges Fipsen lässt schon leise ahnen, dass dies eine Wurfkiste ist. Und tatsächlich der Blick hinein bestätigt es. Acht kleine dreiwöchige Münsterländer Babys räkeln sich über- und nebeneinander. Ein großer Wurf ist es, erklärt der 68-Jährige und es war eine etwas anstrengende Zeit anfangs, bis alle gelernt haben, sich bei der Mutter zu versorgen. Zuerst scheue ich ein wenig, einen von den kleinen Hunden in die Hand zu nehmen, denke es könnte dem Hundebaby vielleicht zu stressig werden. Aber da lacht der vielfache Vater nur. „Die werden von meinen Kindern auch rein und raus getragen, die halten das schon aus.“ 

Wolfgang Matschke ist Vater von acht Kinder. Vier mit seiner ersten Frau, die aber schon alle längst erwachsen sind und mit seiner jetzigen Frau sind es noch einmal vier, wobei die jüngste erst vier Jahre alt ist. Auf die Frage, ob die Kinder, bzw. die Kleinste geplant waren, sagt Matschke den, wie ich finde, schönsten Satz des Interviews. „Ich weiß, heute wird alles geplant, auch die Kinder, aber wir haben das nicht, Kinder waren bei uns immer willkommen.“ Lange Jahre war der gebürtige Regensburger, bevor er nach Rott kam, am Walchensee und im Isarwinkel für den Wald zuständig. 

Das ganze Gebiet bis zum Sylvensteinspeicher hoch war seines und er liebte es, hier durch die Landschaft zu streifen. Schön war es, direkt am Walchensee zu wohnen. Wobei der kalte Platz des Forsthauses Matschkes Gesundheit nicht besonders zuträglich war und dies sicherlich auch zur Entscheidung beigetragen hatte, sich nach „wärmeren“ Gefilden umzusehen. Zuvor aber rettete er noch die Hochkopfhütte. König Ludwig II mochte diese sehr und ließ sich dort oben einen Panoramarundweg anlegen, den er bei Vollmond befuhr. „Als Beamter, bin ich Befehlsempfänger und ich hätte die Hütte natürlich abreißen lassen müssen, aber ich habe mich widersetzt, ich dachte, das kann man doch nicht machen“, erzählt Matschke aus dieser Zeit. Am Schluss gab es dann einen Kabinettsbeschluss und 40.000 DM für die Renovierung der Hütte. Das Dach wurde mit neuen Lärchenschindeln gedeckt, der Stall und die Nebengebäude waren leider nicht mehr zu retten. Aber selbst davon lebt ein Stück weiter. Matschke verbaute ein paar Balken aus den Nebengebäuden in seinem Haus in Rott. „Diese handbehauenen Balken, das ist doch Handwerkskunst, die müssen weiter benutzt werden.“ Und so sieht man im Eingangsbereich seines Hauses in Rott ein Stück Geschichte, ein bisschen König Ludwig Flair. 

Seit 1970 ist er im Bund Naturschutz Mitglied und sagt: „Jeder kann etwas tun, damit die Welt ein Stück besser wird“. Deshalb gab es im April in Rott auch das „Fest des Baumes“, welches von der Ortsgruppe Bund Naturschutz initiiert wurde, um auf die Wichtigkeit der Bäume in der Stadt, im Dorf aufmerksam zu machen. „Der Baum ist eine Zeitleiter von der Vergangenheit in die Zukunft.“ Matschke bedauert ein wenig, dass das Gefühl für den Baum etwas verloren ging. 

Früher hatte der Baum eine viel wichtigere Bedeutung auch im sozialen Leben einer Gemeinschaft. So gab es die Tanzlinde im Dorf, unter dem Dorfbaum traf man sich und erzählte Geschichten. Um diese Art von Wert geht es dem Naturliebhaber, wenn er solche Aktionen für seine Gemeinde organisiert. Tretner

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