Schaf Otto und das ewige Leben

Schafschur am Museum Wald und Umwelt

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Am letzten Freitag wurden, trotz schlechter Witterung die Schafe, die im Sommer auf der Weide des Umweltmuseums leben, geschoren. Großer Andrang herrschte, vor allem für die Kinder war die Veranstaltung ein Erlebnis.

Ebersberg -  Otto, sechzehn Jahre alt, war als erster dran. Der Bock gehört Roland Becker, dem auch die restlichen sieben Schafe und zwei Ziegen gehören, die auf dem Museumsgelände über den Sommer hinweg einziehen, sobald es wärmer ist. Heute, nach der Schur, werden die Tiere wieder eingepackt und mit nach Hause genommen in den warmen Stall. Denn die Temperaturen sind im Moment noch ein wenig zu niedrig für so wenig Fell. 

Wie ein richtig kapitaler Bock sieht Otto aus mit Fell und dann so ganz ohne, wirkt er fast ein wenig schüchtern. „Jetzt schämt er sich ein bisschen“, schmunzelt sein Besitzer. Otto wurde von Becker mit der Hand aufgezogen und „Handaufzuchten haben das ewige Leben, die werden nicht geschlachtet“. Nun versteht man auch, warum Otto gar so entspannt war beim Scheren. Es wirkte grade so, als würde er es genießen, als wüsste er, dass ihm nie was Schlimmes passieren wird, solange er unter Beckers Fittichen lebt. 

So manch anderer Kandidat bekommt bei der Prozedur vor Aufregung einen Herzinfarkt. Schon alles passiert wie Becker erzählt. Grundsätzlich wird hie sehr gut auf die Schafe aufgepasst. Das Museum hat, wie Lukas Stange, wissenschaftlicher Mitarbeiter und für das Freigelände zuständig, erzählt, extra einen festen Zaun für die Schafe gebaut. Gab es doch beim letzten Schäfer noch einen flexiblen Weidezaun, in dem sich die Tiere immer wieder verhedderten, sobald freilaufende Hunde zum Jagen ansetzten. Jetzt mit dem festen Zaun, ist jeder vor jedem sicher. 

Falls doch etwas Beunruhigendes auf der Weide passiert, hat Becker extra ein Schild angebracht, auf dem seine Handynummer steht und besorgte Besucher ihn so jederzeit erreichen können. Der Schäfer und Landschaftspfleger schaut mindestens alle zwei Tage zu seinen Schafen, die Mitarbeiter des Museums sind täglich für die Tiere da. Sie schauen nach genügend Wasser und ob nicht wieder eines ausgebüxt ist. So wie letztes Jahr. Eine Ziege war abgängig und wurde aufgeregt gesucht. Sie aber entspannte derweilen unter dem Anhänger, wo sie Schutz vor der allzu großen Hitze suchte. Becker ist mit seinen Tieren seit fünf Jahren für das Beweidungsprogramm am Museum zuständig und für die gesamte Pflege des Grundstücks. Zusammen mit der Stadt Ebersberg wird er heuer viele Flächen in und rund um Ebersberg mit Bienensaaten betreuen. 

Die Wolle der heute geschorenen Tiere wird leider nicht versponnen, sie dient laut Sabine Lanzner, ebenfalls Umweltpädagogin, maximal als Isoliermaterial. Lanzner zeigte an diesem Nachmittag, wie ein Spinnrad funktioniert und erklärte den neugierigen Kindern und Erwachsenen gerne den Weg vom Fell zur fertigen Wolle. Aus weicher Merinowolle von den Schafen aus Neuseeland und Australien sind unsere Pullover heutzutage gestrickt, „alles andere wäre den Kunden von heute zu kratzig“. Keine zehn Minuten dauerte es, bis Otto nackt war. In Robert Hagenreiners Händen, Zimmerer aus Baiern und selbst Nebenerwerbsschäfer, lag Otto beim Scheren. „Er geht megaprofessionell mit den Tieren um“, so Roland Becker, der alle Tiere von seinem Schäferkollegen „entkleiden“ lässt. Im Jahr schert er um die tausend Schafe und schafft im Schnitt zehn pro Stunde, mit der Elektroschere. Mit einer Klappschere, wie es früher üblich war, brauchte ein geübter zwanzig Minuten für ein Schaf. 

Vor der eigentlichen Schur, waren auch noch die Klauen dran. Otto hatte besonders lange. Werden die Schafe im Winter im Stall gehalten, sind die Klauen natürlicherweise länger, als wenn die Tiere draußen wären. Otto hat von allem ganz viel. Viel Ruhe, viel Wolle, viel Applaus, viel Erfahrung und vor allem viel Glück, bei solch einem Besitzer. Beide sind routiniert. Becker beim Führen der Klauenschere und Otto beim Erdulden des Ganzen. Nach der Schönheitspflege und Entwurmung ging es sogleich wieder zurück in den warmen Anhänger. Und sobald es ein wenig wärmer ist können Otto und seine Kollegen auch gerne auf der Museumsweide besucht werden.

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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