Der Maibaum und seine Geschichte: Die schwärzeste Zeit

Mit einem prächtigen Vier-Spänner, Musik und Gesang wird der fertige Maibaum am 1. Mai von den Trachtlern zum Dorfplatz gebracht

Landkreis

– Nach dem ersten Weltkrieg wurde der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag. Der 1. Mai 1927 und 1929 waren traurige Höhepunkte der Arbeiterbewegung mit vielen Toten und Verwundeten gewesen. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Kurz nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 erklärte Hitler den 1. Mai zum „Volksfeiertag“ und bald diente der Maibaum als Propagandabaum für seine unrühmlichen Zwecke. Kein Maibaum ohne die obligatorischen Hakenkreuzfahnen wurde geduldet. Damit standen in Bayern Tausende von „Fahnenstangen“ für die Nazi-Flaggen zu Propagandazwecken zur Verfügung. Ein uraltes Brauchtum wurde schändlich missbraucht, zum Glück nur zwölf Jahre lang. Es war die schwärzeste Zeit des Maibaumes. Nach dem Krieg war der Maibaum gleichsam ein Symbol für den Aufbruch in eine neue Weltordnung mit Frieden und Demokratie. Zuerst wurde der Brauch in Nordbayern wieder belebt und bald standen überall im Land wieder bunt geschmückte Maibäume mit weißblauen Fähnchen und Girlanden sowie Wappen und Zunftsymbolen. Es wurden viele Trachten- und Burschenvereine neu gegründet, diese fühlten sich der alten Tradition verpflichtet und erneuerten und pflegten das alte Brauchtum. Der Maibaumbrauch erlebte seine größte Blütezeit. Der Maibaum und die Kirche Als Papst Pius XII. 1955 den 1. Mai dem „heiligen Josef, dem Arbeiter“ widmete, war der „christliche Tag der Arbeit“ eingeführt und der Maibaum somit ein Symbol der christlichen Arbeit. Der hl. Josef war Zimmermann, die Maibäume trugen deshalb oft Handwerker-Symbole. So hatte es die Kirche endlich nach Jahrhunderten geschafft, dem Maibaum einen religiösen Touch zu verpassen und den heidnischen Ursprung zu verdrängen. Heute gehört es selbstverständlich dazu, dass der Dorfpfarrer das Brauchtumsstangerl vor dem Aufstellen feierlich segnet. In vielen Fällen steht der Maibaum dann direkt neben der Kirche mitten im Dorf. Gelegenheit zum geselligen Beisammensein, meistens erstmals im Freien bei Musik und Tanz und natürlich bei Speis und Trank. Die Honoratioren, Vereine und Geschäftsleute nutzen die Gelegenheit, sich ins rechte Licht zu rücken. Kaum jemand ist sich jedoch der Jahrtausende alten Tradition bewusst. Noch weniger kennen die vielfältige Symbolik des Maibaumes durch die vielen Epochen der Jahrtausende. Maibaum einholen, herrichten und aufputzen Im Herbst wird der geeignete Maibaum im Wald ausgesucht. Der Spender inspiziert mit den Burschen vom Trachtenverein die möglichen Kandidaten, diskutiert die Fallrichtung und legt die Abtransportwege fest. Es muss eine gesunde stattliche Fichte sein, kerzengerade gewachsen und wenn sie umgelegt wird, darf sie nicht durch andere Bäume oder sonstige Hindernisse beschädigt werden. Gefällt wird die Fichte dann erst Ende Dezember, möglichst in einer Vollmondnacht kurz vor Silvester. In dieser Zeit hat der Baum am wenigsten Saft in sich. Früher wurde so einem stattlichen Baumriesen durch Gebete und Verse eine große Ehre erwiesen, bevor man ihm zu Leibe rückte. Nach dem Fällen wurde er gleich entastet und später dann „geschäpst“ also entrindet. Ende März wird der Baum mit einem prächtigen Pferdegespann oder mit einem herausgeputzten Traktor feierlich ins Dorf geleitet. Die Mädchen und Burschen in ihren Trachten sind dabei, genauso wie der Bürgermeister und die Gemeinderäte. Kurz um, das ganz Dorf ist auf den Beinen, um dem neuen Prachtstangerl die Ehre zu erweisen. Die Blasmusik darf natürlich auch nicht fehlen, denn das Ganze mündet schließlich in das erste gemeinsame Fest in diesem Frühjahr. Der Baum wird in das vorbereitete Lager gebracht und die nächsten Tage hergerichtet, das heißt entrinden, stutzen, schälen, hobeln, sägen, schleifen bis er ganz glatt und blass daliegt. Bis er bemalt werden kann, muss er noch ein bis zwei Wochen austrocknen. In diese Zeit wird er streng bewacht und gleichzeitig werden die Verzierungen vorbereitet. Motivtafeln oder Figuren kunstvoll geschnitzt und bemalt, Kranz, Wetterhahn, eiserne Halterungen, Fahnen und Girlanden werden hergerichtet. Manche Vereine, wie etwa der Trachtenverein in Grafing, bestehen darauf, den Maibaum nach alter Sitte „einzugraben“, das heißt die unteren zwei Meter verschwinden im Boden. Über dem Boden wird noch ein eineinhalb Meter hoher Stangenkranz aufgebaut, mit Erde aufgefüllt und dieser oben mit Blumen bepflanzt. Dadurch verliert der Baum zwar an Höhe, aber er ist bei starkem Sturm „flexibel“ und kann nicht knicken wie ein Streichholz. Etwa eine Woche vor dem Aufstellen wird der Baum zuerst weiß gestrichen, also grundiert. Dann werden fachmännisch im unteren Bereich blaue Rautenmuster aufgemalt und der obere lange restliche Teil erhält eine kunstvolle weiß-blaue Girlande aufgemalt, die sich nach oben hin verjüngt. Dies ersetzt die früher übliche Natur-Daxengirlande. Den Gipfel ziert ein Wetterhahn aus Kupfer, den der beste Kupferspengler im Dorf fabriziert und stiftet. Für die Motivtafeln oder Figuren werden die Löcher vorgebohrt. Der Kranz ist nach altem Brauch unverzichtbar. Er symbolisiert den weiblichen Teil der Paarung, der von unten durch den Baumstamm, dem männlichen Phallussymbol, durchstoßen wird. Diese Symbolik war und ist der Kirche seit Jahrhunderten der Dorn im Auge und der Grund für die ständige Bekämpfung dieses Brauches. Ohne Kranz wäre der Maibaum also kein Fruchtbarkeitssymbol. (oha)

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