Gedankenfreiheit auf der Alm

„Die Alm, ein Ort für die Seele“

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Martina Fischer, eine Almerin aus Leidenschaft war mit ihrem neuen Buch zu Gast im Landkreis Ebersberg. Dabei geht es um ihr Leben als Selbstversorger, aber auch um die Gedankenfreiheit auf der Alm

St. Christoph/Steinhöring – Seit einer Woche erst ist sie von der Alm wieder unten im Tal, erzählt Martina Fischer und gleich die erste Lesung, für das zweite Buch über das Almleben, hält sie bei uns im Landkreis. Obwohl das nicht ganz stimmt, das zweite Buch geht nicht wirklich über das Leben dort oben in den Bergen, sondern mehr um das Leben als Selbstversorger im Tal. Das versuchen nämlich die Eheleute Fischer, ohne dogmatisch zu sein, eine Lebensqualität mit selbstgemachten Lebensmitteln zu erreichen, die der Seele, dem Herz und auch dem Körper gut tut. 

Ein wenig Alm war dann aber doch dabei im Vortrag und so erfährt man, dass Fischer, die gelernte Krankenschwester, von Juni bis Ende September nun schon das achte Jahr im Sommer oben auf der Alm zu finden ist, weit ab vom klassischen Freizeit – und Arbeitsstress unten im Tal. Und das tut schon mal der Seele richtig gut und auch das Herz bekommt so weit oben viel frische Luft und Raum. Letzteres war auch heuer ihr Thema in der Almzeit. Hat sie doch jedes Jahr ein anderes Anliegen mit sich oder der Welt, welches in den Bergen viel leichter zu lösen geht. Heuer war im Almsommer ein Filmteam mit auf dem Berg und drehte eine Dokumentation über das Leben von Martina Fischer, die ansonsten am Simsee in einem renovierten Bauernhof lebt. Schnell merkte sie, dass ihr das alles mit den ganzen Leuten ein wenig zu eng wird. Freilich hat auch die Berühmtheit durch das erste Buch immer mehr Besucher auf die Alm gebracht und alles zusammen wurde ihr ein wenig viel, neben der schweren Arbeit, die es natürlich noch nebenher zu verrichten gab. 

„Die Alm verändert dich“, sagt sie, „sie lässt Gedanken zu, die du dir im Tal nicht denken würdest, sie lieber verdrängst“. So lernte sie heuer, erzählt sie dem aufmerksamen Publikum, Grenzen zu setzen, klar zu sein in ihren Bedürfnissen und nicht ständig die Erwartungen der anderen zu erfüllen. „Ned immer ja sagen“, ist ihr Resümee vom Sommer heuer hoch oben aufm Berg. Ja, sagt sie aber auf alle Fälle zur Selbstversorgung mit ihrem Mann Franz. Ein gutes Arrangement fanden die beiden, ist doch die jährliche Almzeit seiner Frau, auch für Franz Fischer eine Umstellung gewesen. „Was wäre, wenn ich auf die Alm geh?“ Vor acht Jahren stellte Fischer diese Frage. „Wie machen wir es mit der Wäsche, den Hemden, dem Garten, dem Haushalt?“, erwiderte ihr Mann. Gute Frage. „Wenn ich krank bin, dann würde es auch irgendwie gehen“, sagt sie mit einem Lächeln. Inzwischen ist das Alm-TalLeben für alle gut eingespielt und auch das Selbstversorgerdasein deckt mittlerweile sämtliche Bedürfnisse. Die ausgebildete Wildkräuterfrau sammelt alles, was ihr unter die Finger gerät und veredelt es zu Pesto, Marmelade, Pilzsalz und vielem mehr. Butter, Käse und selbst ein Teil des Fleisches kommt von der Alm, nimmt Fischer doch immer zwei Ferkel mit auf dem Berg, die dann im Herbst, groß und schwer geworden, oben auf der Alm ohne Stress geschlachtet werden. 

Und mit dem Wild, welches Franz Fischer übers Jahr erlegt, decken sie den ganzen Jahresbedarf an Fleisch. Im Buch gibt es unzählige Rezepte, hübsche Anekdoten und natürlich wird auch erzählt, wie denn der Tag auf der Alm verläuft. Wichtig ist ihr, dass sie auf der Alm erfahren hat, was ihr wirklich wichtig ist. Sie weiß jetzt, wo sie hin will, auch beruflich haben Weichen gestellt. Und so möchte sie mehr mit ihren Vorträgen auf ein selbstbestimmtes, naturverbundenes Leben hin wirken und so unterhaltsam und informativ diese sind, wird ihr das sicherlich gelingen. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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