Medizinisches Interview

Wann ist eine Bauchstraffung medizinisch notwendig? 

Dr. Timm Engelhardt
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Dr. Timm Engelhardt

Mögliche Therapien in der Plastischen Chirurgie an der Kreisklinik Ebersberg

Ebersberg – Mit dem Wort „Bauchstraffung“ verbinden viele Menschen nur eine Schönheitsoperation. Doch nicht nur aus ästhetischen Gründen werden solche Eingriffe durchgeführt. Dr. Timm Engelhardt, Chefarzt der Plastischen Chirurgie und Handchirurgie an der Kreisklinik Ebersberg, hat Antworten.

Wo liegt der Unterschied zwischen einer medizinischen Bauchstraffung und einem Eingriff für die Figur?

Grundsätzlich könnte man sagen, dass die Eingriffe, die bei uns durchgeführt werden, die Lebensqualität der Patienten steigern und Folgeerkrankungen vorbeugen. Sie ersetzen keine Gewichtsabnahme – bei normalgewichtigen Patienten erzielen wir sogar die besten Ergebnisse – und haben nicht die Modelfigur im Fokus. Die Fettschürzen-Resektion, wie die Entfernung eines am Hosenbund überlappenden Gewebes genannt wird, hat einen geringeren ästhetischen Anspruch, bei der Bauchstraffung werden ästhetische Gesichtspunkte berücksichtigt, stehen aber nicht immer im Vordergrund. Schönheits-OP hingegen werden rein aus ästhetischen Gründen durchgeführt.

Welche Art von Bauchdecken-OP werden in Ebersberg vorgenommen?

Wir bieten drei verschiedene Eingriffe an. Neben der genannten Fettschürzen-Resektion ist die häufigste die sogenannte Abdominoplastik, bekannt als Bauchdeckenstraffung. Vorgenommen wird sie meist bei jüngeren, körperlich aktiven Patienten. Der Eingriff beinhaltet auch eine Versetzung und Neueinpassung des Bauchnabels. Der dritte Eingriff ist die aufwändigere Bauchwandrekonstruktion, etwa nach einem Unfall, einer Bauchoperation oder weil durch eine Infektion, einen Tumor oder eine Nervenerkrankung das Gewebe geschädigt wurde.

Aus welchem Grund muss bei Patienten die Bauchwand gestrafft werden?

Da gibt es mehrere Gründe. Viele von ihnen haben zum Beispiel nach einer starken Gewichtsabnahme einen Hautüberschuss. Diese „Fettschürze“ ist oft nicht nur bei der Bewegung störend, sondern in der Hautfalte können trotz penibler Körperpflege juckende Hautirritationen bis hin zu Entzündungen und Durchblutungsstörungen entstehen. Bei Frauen, die eine Mehrlingsschwangerschaft hatten oder mehrere Schwangerschaften kurz hintereinander, kann es ebenfalls zu solchen Weichteilerschlaffungen kommen.

Gibt es auch psychische Gründe?

Wenn sich ein Patient durch das überschüssige Bauchgewebe so in der Gestaltung seiner Freizeit und seines Privatlebens eingeschränkt fühlt, dass er sich sozial zurückzieht oder sogar in eine Depression verfällt, dann könnte unter Umständen eine Bauchstraffung indiziert sein. Hier muss aber immer ein Psychologe hinzugezogen werden, der abwiegt, ob der Leidensdruck nachvollziehbar und gerechtfertigt ist, oder ob eine gestörte Körperwahrnehmung vorliegt, eine sogenannte Dysmorphophobie.

Ist der Eingriff mit Risiken verbunden?

Neben den allgemeinen Operationsrisiken gibt es manchmal Patienten, bei denen die Wunde nur zögerlich bis gar nicht heilt. Betroffen davon sind in erster Linie starke Raucher und Diabetiker, die unter Durchblutungsstörungen leiden. Im Extremfall kann es zum Absterben von Ober- und Unterhaut kommen. Kritisch sind auch quer verlaufende Oberbauch-Narben, da sie wie eine Durchblutungsbarriere wirken. Brüche in der Bauchdecke bergen ebenfalls ein hohes Risiko, so dass wir vor dem Eingriff immer eine Weichteiluntersuchung vornehmen. sf

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