Das medizinische Interview im Januar

Neue Gelenkprothese trotz Corona? 

Dr Artur Klaiber und Dr Rudolf Weber von der Kreisklinik Ebersberg vor der Klinik
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Selbst regelmäßig getestet, garantieren Chefarzt Dr. Artur Klaiber (li.) und Oberarzt Dr. Rudolf Weber mit ihrem Team der Unfallchirurgie auch während der Corona-Pandemie die uneingeschränkte Versorgung von Notfallpatienten mit künstlichen Knie- oder Hüftgelenken.

Was in der Orthopädie und Unfallchirurgie der Kreisklinik Ebersberg derzeit möglich ist 

Ebersberg – Aufgrund der hohen Covid19-Infektionszahlen müssen derzeit planbare Operationen an der Kreisklinik Ebersberg verschoben werden. Das gilt auch für den Einsatz von künstlichen Gelenken. Dr. Artur Klaiber, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, sowie Oberarzt Dr. Rudolf Weber erläutern in einem Interview, welche Endoprothetik-Eingriffe trotzdem möglich sind und wie Wartezeiten sinnvoll genutzt werden können.

Welche Orthopädie-Patienten sind von den Operationseinschränkungen betroffen?

Klaiber: In erster Linie Patienten mit Arthrose, denen aufgrund der Verschleißerscheinungen, die diese Erkrankung mit sich bringt, ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk eingesetzt werden sollte. Sie müssen leider warten, denn wir bündeln momentan alle personellen Ressourcen, um die Versorgung der an Corona erkrankten Patienten gewährleisten zu können.

Es gibt jedoch Ausnahmen in der Endoprothetik, richtig?

Klaiber: Richtig. Wenn ein Notfall vorliegt, findet eine endoprothetische Versorgung zeitnah und ohne Einschränkung statt. Dazu gehört zum Beispiel ein Schenkelhalsbruch, der jetzt im Winter leicht durch Ausrutschen auf glatten Gehwegen passieren kann. Oft ist durch die Fraktur des gelenksnahen Knochens der Einsatz eines neuen Hüftgelenks erforderlich. Ein Notfall ist auch der Einbruch eines Gelenks, meist verursacht durch lokale Durchblutungsstörungen und Osteoporose. Auch Arthrose-Patienten, die unter massiven Beschwerden leiden und bei denen die medikamentöse Schmerztherapie keinen Erfolg mehr zeigt, werden operiert.

Was raten Sie Patienten, die derzeit auf ihre Gelenksprothese warten müssen?

Weber: Ich rate, sich nicht nur auf’s Sofa zu legen und abzuwarten, sondern die Zeit aktiv mit konservativen Maßnahmen zu überbrücken. Beim Gehen können die Gelenke durch Gehhilfen oder eine individuelle, orthopädische Anpassung der Schuhe, zum Beispiel mit Einlagen oder erhöhten Absätzen, entlastet werden. Das bringt oft schon eine große Linderung. Werden die Schmerzen immer stärker, sollte man seinen Hausarzt oder Orthopäden aufsuchen. Er kann eine intensivierte Schmerztherapie durchführen, eventuell unterstützt durch Injektionen mit Hyaluronsäure oder Schmerzmitteln, in Ausnahmefällen auch mit Cortison.

Klaiber: Auch gymnastische Übungen zur Stärkung der Muskulatur rund um das betroffene Gelenk und zur Verbesserung der allgemeinen, körperlichen Verfassung sind hilfreich. Das hat außerdem den Vorteil, dass man später fit zum Eingriff kommt und damit das Operationsrisiko senkt. Zu diesem Risiko gehören auch Nikotin, Übergewicht und chronische Infekte, etwa der Zähne oder des Zahnfleisches. Die Zeit könnte also genutzt werden, um diese Risikofaktoren zu reduzieren.

Hat die Verschiebung der Operation negative, gesundheitliche Folgen?

Klaiber: In der Regel nicht. Arthrose ist eine schleichende Erkrankung, die sehr langsam voranschreitet, da kommt es auf einige Wochen früher oder später nicht an. Wenn die vorher genannten konservativen Maßnahmen durchgeführt werden, sind keine Nachteile zu erwarten. Wenn nicht, werden voraussichtlich die Schmerzen zunehmen. Tatsächlich ist es aber so, dass die meisten Patienten selbst die vereinbarten OP-Termine abgesagt haben, einige aus Angst, sie könnten sich in der Klinik mit Covid-19 infizieren.

Ist diese Angst berechtigt?

Weber: Dank unseres guten Hygienekonzepts ist das Risiko minimal. Das Konzept besteht aus den allgemein bekannten Maßnahmen wie Mundschutz, Händedesinfektion und Abstand halten. Bei allen Patienten, die stationär aufgenommen werden, wird sofort nach ihrem Eintreffen ein Schnelltest und gleichzeitig ein PCR-Test mit Abstrich durchgeführt. Für Letzteren liegt das Ergebnis schon am nächsten Tag vor. Zudem werden alle Klinikmitarbeiter regelmäßig getestet, um für Patienten und Kollegen die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Seit dem 13. Januar wird zudem das Klinikpersonal gegen Corona geimpft.

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