Neues aus dem BZ Steinhöring

BZ Steinhöring: Bisher gut durch die Krise gekommen

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Die Leiterin des Einrichtungsverbund Steinhöring, Gertrud Hanslmeier-Prockl

Wie geht es eigentlich den Menschen mit Unterstützungsbedarf in der Krise? Wir sprachen mit der Leiterin des Einrichtungsverbund Steinhöring, Gertrud Hanslmeier-Prockl

Steinhöring – „Bisher sind wir gut durch die Krise gekommen,“ berichtet die Leiterin des Einrichtungsverbund Steinhöring, Gertrud Hanslmeier-Prockl. „Es geht uns den Umständen entsprechend gut.“ Vier Bewohner des Betreuungszentrums waren mit Covid-19 infiziert. Sie sind inzwischen wieder gesund. Bei zwei verlief die Krankheit symptomfrei, bei den anderen beiden waren die Verläufe verhältnismäßig leicht. Auch sieben Mitarbeiter hatten sich infiziert und sind inzwischen ebenfalls wieder wohl auf. Auch hier waren die Erkrankungen nicht dramatisch. „Seit Wochen haben wir zum Glück keinen Fall mehr im Haus,“ so Hanslmeier-Prock. „Darüber freuen wir uns und sind sehr glücklich. Immerhin haben wir viele Bewohner, die das nicht überleben würden.“ 

Die positive Entwicklung hätte damit zu tun, dass man alle Fälle frühzeitig erkannt und die betroffenen Personen sofort isoliert habe. Von Anfang an wurde bei Auffälligkeiten sofort getestet. Das ist auch jetzt noch so. „Das Konzept, die Bewohner vor Außenkontakten zu schützen, ging auf,“ erklärt sie. 

Das fing beim Einkaufen an. Zunächst kauften die Mitarbeiter für die Bewohner ein, inzwischen läuft alles über die Großküche, die ihren Betrieb deutlich ausgeweitet hat. Gib es in normalen Zeiten lediglich Mittagessen im Werksbetrieb, so wird inzwischen jeder im Haus versorgt. Auch abends gibt es warme Küche und das an sieben Tagen in der Woche. „Ein unglaublich logistischer Aufwand, denn unsere Küche da leistet,“ lobt Hanslmeier-Prockl. 

Auch für alle anderen Mitarbeiter ist sie voll des Lobes: „Unsere Mitarbeiter machen eine großartige Arbeit.“ Die Bewohner selbst seien an und für sich guter Dinge, auch wenn bei manchen die Anspannung zunähme. „Was den meisten fehlt, ist die Arbeit.“ Seit dem 16. März sind die Werkstätten geschlossen. Die Wohngruppen selbst seien intakt, Kontakte unter den verschiedenen Wohngruppen jedoch nicht möglich, was die Bewohner mit anderen Kontaktformen kompensieren. Man telefoniere, schreibe sich Briefe, male Bilder oder chatte. Auch unter den Bewohnern gelte selbstverständlich die Abstandsregel. 

„Die frühzeitig in Absprache mit dem Landrat getroffenen Maßnahmen haben uns vor einer größeren Infektion gerettet,“ erklärt Hanslmeier-Prockl. Seit dem 11. Mai sind - nach etwa vierwöchigem Betretungsverbot - inzwischen wieder Besuche von Angehörigen möglich. Dafür wurden spezielle Besuchsräume eingerichtet. Spaziergänge übrigens gab es immer. Schwierig sei, dass neue Verfügungen seitens des Ministeriums immer sehr kurzfristig kämen, „in der Regel am Freitag für die nächste Woche.“ Diese kurzfristigen Ansagen sowie die grundsätzliche Unklarheit, wie es weitergeht, stellt die Leiterin des Hauses vor einen enormen organisatorischen Aufwand. Sie spricht von einer riesen Herausforderung. 

Derzeit werden Konzepte erarbeitet, die den Betrieb zumindest mit Einschränkungen wieder ermöglichen. Es geht dabei u.a. darum, den Bewohnern wieder Arbeit geben zu können. „Wir müssen unser Arbeitsverhältnis umstellen, etwa mit gruppenorientiertem Arbeiten samt großer Trennung der Gruppen und Wechselschichten.“ So sollten in einem Raum höchsten ein bis zwei Wohngruppen zusammenkommen. Man überlegt, Trennwände einzubauen und Abstände zwischen den Arbeitsplätzen zu schaffen. Das alles braucht mehr Raum und mehr Personal. „Unsere Leistungsfähigkeit wird dabei geringer,“ so Hanslmeier-Prockl, die mit lange andauernden Veränderungen rechnet, schließlich ginge es darum, einen besonders empfindlichen Personenkreis zu schützen. „Wir müssen eine andere Form des Arbeitens entwickeln.“ Und damit müsse auch eine andere Personalzuordnung geschaffen werden. Die Bewohner brauchen Betreuung rund um die Uhr. 

Nach draußen dürfen sie weiterhin nur in Begleitung, damit keine Infektion ins Haus getragen werden kann. Schon das verstehen viele Bewohner mit Blick auf der B304 vor der Tür, die längst wieder gut befahren ist, nicht. Doch möglichst wenig Kontakt nach Außen sei essentiell. Dass alle Mitarbeiter Masken tragen ist selbstverständlich. Zu gewährleisten sei außerdem, dass beschäftigte Personen, die zu Hausen leben, die Hygieneregelung einhalten können, sofern ihnen das möglich ist. „Eine Infektion wäre gravierend,“ erklärt die Einrichtungsleiterin und blickt mit Sorge in die Zukunft: „Wir haben mit all dem eine Raum- und Personalproblematik und kommen an unsere Grenzen.“ Hanslmeier-Prockl ist sich sicher: „Wir werden noch Wochen und Monaten mit Kompromissen leben müssen.“ Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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