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Was muss eine Zentrale Notaufnahme heute leisten können?

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Von: Christian Schäfer

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Notaufnahme Kreisklinik Ebersberg
Noch ist die Zentrale Notaufnahme der Kreisklinik Ebersberg von der Pfarrer-Guggetzer-Straße aus zu erreichen. © KKE

In diesem Jahr soll der Bau der neuen, interdisziplinären Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Kreisklinik Ebersberg beginnen. Das bedeutet nicht nur räumliche Veränderungen und eine modernere medizinische Ausstattung, sondern auch eine Anpassung an neue Herausforderungen. Wir sprachen darüber mit Prof. Dr. Viktoria Bogner-Flatz, Chefärztin der ZNA.

Sie waren bereits in die Planungen der neuen ZNA eingebunden. Welche Punkte galt es dabei zu berücksichtigen?

Nun, zum einen gibt es neue gesetzliche Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der sich aus vier Selbstverwaltungsorganisationen des Gesundheitswesens zusammensetzt, darunter die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Der G-BA legt zum Beispiel die medizinisch-technische Ausstattung fest oder welche Qualifikation das Fachpersonal haben muss.

Zum zweiten sollten sinnvolle räumliche Strukturen geschaffen werden. Stichpunkt: kurze Wege. Die Anfahrt des Rettungsdienstes muss so nah wie möglich am Schockraum gelegen sein, in dem die Erstversorgung schwer verletzter Patienten oder Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen stattfindet. Der Schockraum wiederum sollte nahe der Computer-Tomographie (CT) sein, um Patienten so schnell wie möglich untersuchen zu können. In der neuen ZNA wird das CT unmittelbar neben dem Schockraum sein. Zudem wird das Ärzteteam verstärkt und wir werden die Dienstzeiten umorganisieren.

Für Sie sind solche Planungen kein Neuland, richtig?

Nein. Glücklicherweise kann ich meine Erfahrungen aus der Ü Münchner Klinik für Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) einbringen, wo ich seit 2013 Leitende Oberärztin der Notaufnahme, Ambulanz und des Schockraums war. Letztes Jahr wurde die neue, interdisziplinäre ZNA der LMU eröffnet, an deren Planung und Umsetzung ich beteiligt war und deren ärztliche Leitung ich bis zum Wechsel nach Ebersberg innehatte.

Was hat Sie dazu gebracht, nach Ebersberg zu wechseln?

Es ist für mich eine spannende, neue Herausforderung, eine Notaufnahme von A bis Z inklusive einer Beobachtungsstation als Chefärztin zu leiten. Die Beobachtungsstation ist ein elementarer Teil einer ZNA, denn hier werden die Vitalfunktionen von Notfall-Patienten, wie etwa Herzfrequenz und Blutdruck, über Monitore überwacht. Erst, wenn diese stabil sind, wird der Patient auf eine Normalstation verlegt. Diese Abteilung ist zwar räumlich getrennt von der ZNA, soll aber künftig besser an diese angebunden werden.

Geplant sind auch mehr Behandlungskabinen. Warum ist das notwendig?

Die Zahl der Patienten ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es immer mehr ältere Menschen und dadurch mehr Patienten mit schweren alterstypischen Erkrankungen, etwa Schlaganfall oder Herzinfarkt. Zum anderen kommen immer häufiger Menschen mit leichten Beschwerden, die auch beim Hausarzt oder einem niedergelassenen Facharzt behandelt werden könnten, in die Notaufnahme. Das ist mittlerweile jeder vierte.

Wird es weiterhin das sogenannte Triage-System geben, um die Patienten nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung einzustufen?

Ja, auf jeden Fall! Die Kreisklinik führte das Farb-System 2019 ein, um lange Wartezeiten für schwer Erkrankte zu vermeiden.

Aber auch da ist eine gute Planung erforderlich, um das räumlich umzusetzen.

Patienten, die nicht in den Schockraum müssen, werden nach der Anmeldung im Triage-Raum von geschultem Pflegepersonal untersucht, bestimmte Parameter wie Blutdruck oder Körpertemperatur bestimmen dann die Dringlichkeitsstufe einer Behandlung in fünf Farben von Rot für „sofortige Behandlung notwendig“ bis Grün für „unkomplizierte Erkrankung oder Bagatellverletzung“.

Akzeptieren die Patienten, die etwas länger warten müssen, die Entscheidung?

In der Regel ja, aber es gibt auch Ausnahmen. Hier kommt das Thema Sicherheit ins Spiel. Leider haben in den letzten Jahren nicht nur Pöbeleien und tätliche Angriffe auf Rettungsdienstmitarbeiter zugenommen, sondern auch auf das Personal der Zentralen Notaufnahmen. Deshalb gibt es nun bauliche Vorgaben, um Pfleger und Ärzte zu schützen. Zum Beispiel muss ein bestimmter Abstand des Empfangstresens zur Wand eingehalten werden und es wird unter anderem Fluchttüren, Schutzräume für das Personal sowie eine Kameraüberwachung geben.

Sie sind auch Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes für München und Landkreis München. Welche Erfahrungen fließen daraus in die neue Ebersberger ZNA?

Ich weiß, wie wichtig Kommunikation ist, um zum Wohl der Patienten reibungslose und schnelle Abläufe zu ermöglichen. Daher lege ich auch großen Wert auf einen engen Kontakt mit den Rettungsdiensten. Wenn zum Beispiel ein Patient mit einem Schlaganfall oder Herzinfarkt in einem Rettungswagen unterwegs zu uns ist, dann leuchten bei uns schon die Lichter rot. Wir werden sowohl über ein spezielles Meldesystem darüber informiert als auch telefonisch vom Notarzt über die Rettungsleitstelle. Wenn der Patient dann in der ZNA eintrifft, sind die Ärzte von der Stroke Unit für Schlaganfälle oder Chest Pain Unit für Herzinfarkte bereits da. Als eine meiner Aufgaben sehe ich an, künftig das Fortbildungs- und Informationsangebot für Ärzte und Rettungsdienstpersonal im Landkreis Ebersberg auszuweiten.

Welchen Stellenwert hat die Ebersberger ZNA Ihrer Meinung nach in der Region?

Sie spielt eine zentrale Rolle in der Versorgung der Bewohner des Landkreises Ebersberg. Bei Notfällen, in denen jede Minute über Leben und Tod entscheidet, muss eine schnelle Behandlung der Patienten gewährleistet sein. Deshalb freue ich mich, dass der Neubau kommt und alle Voraussetzungen dafür optimiert werden.

sf

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