Entbehrliche Polizeiwache

Ohne Polizeiwache mehr Sicherheit

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„Dienststelle nicht besetzt“ hieß es am Montag bei der Polizeiwache Vaterstetten. Fraglich, ob die Station überhaupt noch lange existiert.

Die Polizeiwache in Vaterstetten wäre entbehrlich, sagt Helmut Hintereder, Chef der zuständigen Poinger Polizeiinspektion.

Vaterstetten – Derzeit warten die Beamten in der Polizeiwache Vaterstetten tagsüber darauf, dass jemand zu ihnen in den Container kommt, damit sie was zu tun bekommen. „Wir haben hier Probleme die Leute zu beschäftigen“, macht Helmut Hintereder deutlich. Um nicht Däumchen zu drehen, bringen sich die Polizisten Akten aus Poing mit. Ausrücken oder gar vor Ort ermitteln dürfen sie nicht, das übernehmen die Kollegen aus Poing. Die Wache in Vaterstetten muss schließlich zu den Öffnungszeiten besetzt bleiben. „Aus polizeilicher Sicht ist es nicht nötig, den Standort zu erhalten“, sagt Hintereder deshalb. Stände er nicht in der Pflicht, die Vaterstettener Polizeiwache mit Personal bestücken zu müssen, könnte er die freiwerdenden Dienststunden flexibler aufteilen. Damit wäre eine Verstärkung im Schichtbetrieb möglich, was eine Erhöhung der Polizei-Präsenz zur Folge hätte. Letztlich könnte man die Kräfte dann auch außerhalb des Gebiets einsetzen. „Ich bin der Überzeugung, dass tatsächlich die Sicherheit gesteigert werden könnte ohne die Polizeiwache in Vaterstetten.“ Zurzeit habe man in Vaterstetten beispielsweise keine Präventivstreifen, ausgerückt wird nur bei Bedarf. PI-Chef Hintereder zeigte anhand von Statistiken, dass er diese Verstärkung durchaus brauchen könnte. 5000 Einsätze im Jahr hat die Poinger Polizei „Die Arbeitsbelastung ist überdurchschnittlich hoch.“ 2008 bis 2012 waren die Kriminalitätszahlen in Vaterstetten ziemlich angestiegen, gleichzeitig sei die Aufklärungsquote in den Keller gegangen. Erst als es 2012 zur Organisationsänderung kam und die Wache, die 1988 eigentlich als vierjähriger Pilotversuch angelegt worden war, in die Poinger Inspektion integriert wurde, somit also keine neuen Investitionen nötig wurden, konnte umdisponiert werden. In der Folge zeigte die Statistik wieder bessere Werte. „Beim Tatort Vaterstetten ist die Straftatentwicklung deutlich zurückgegangen und die Aufklärung wieder höher.“ 2014 verzeichnet man wieder leichte Anstiege. Den höchsten Anstieg gibt es beim leichten Diebstahl, aber auch bei der Rauschgiftkriminalität sind die Zahlen hoch. Wobei Hintereder mit Letzterem paradoxerweise weniger Probleme hat. Weil: „Je mehr wir aufdecken, umso sicherer wird es.“ Auch der gesamte Landkreis Dachau werde nur von einer einzigen Polizeistation betreut, so der PI-Chef. „Für mich stellt sich die Frage: Braucht man die Polizeiwache Vaterstetten noch?“ Es gehe hier nicht nur um betriebswirtschaftliche Berechnungen, sondern auch ums subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, warf Günter Lenz (SPD) ein. Die Gemeinde werde sich sehr bald mit der Situation befassen und entsprechende Entscheidungen treffen müssen, kündigte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) an. Zuletzt hatte man sich für eine Wache im geplanten Rathaus-Neubau ausgesprochen. Nachdem die Pläne platzten, muss nun über einen Umzug ins bestehende Rathaus-Gebäude gesprochen werden. Auch dies verursacht Kosten. „Letztendlich ist es eine politische Entscheidung“, so Helmut Hintereder.die

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