Online-Vortrag des Kreisbildungswerks Ebersberg

Vortrag bei KBW Ebersberg: Die Spaltung der Gesellschaft

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Referentin Birgit Mair aus Nürnberg.

Online-Vortrag zu Verschwörungstheorien um Covid-19 am Kreisbildungswerk

Ebersberg – Die Angst geht um, die neuen Rechten könnten die Anti-Corona-Demonstrationen nutzen, um einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. Das katholische Kreisbildungswerk veranstaltete deshalb vergangenen Freitag einen Online-Vortrag zu „Verschwörungstheorien um Covid-19“. Akribisch wurde nur diejenigen in den Online-Raum gelassen, die sich vorher angemeldet hatten und deren Namen bekannt waren. Weil eine zu große Gruppe sich nicht mehr bewerkstelligen lasse, so die Begründung der Referentin Birgit Mair aus Nürnberg dafür, ihres Zeichens Dipl.-Sozialwirtin und Expertin für Rechtsextremismus, seit 2004 für das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) tätig. 

Sie hat Recht: rechte Positionen sind abzulehnen. Und: „Achtung Extremismus!“ ist ein äußerst wichtiger wie dringlicher Fingerzeig. Deshalb aber alles, was in Sachen Corona nicht der offiziellen Sichtweise entspricht, in einen Topf zu werfen und als Verschwörungstheorie abzutun, ist schwierig. Natürlich scheint es absurde Auswüchse zu geben, doch manches darf durchaus auch kritisch hinterfragt werden. Mair nannte fünf Beispiele für Verschwörungstheorien um Covid-19, die hauptsächlich auf rechten Medienportalen Verbreitung fänden: 

Das Corona-Virus sei in einem chinesischen Labor gezüchtet und absichtlich verbreitet worden, Bill Gates wolle uns alle impfen und dann chippen, 5G verbreite das Coronavirus, Corona sei nicht gefährlicher als eine normale Grippe und die s.g. QAnon-Verschwörung, nach der satanische Mächte Kinder in unterirdischen Lagern foltern würden, um aus ihnen den verjüngender Stoff Adrenochrom zu gewinnen, fände immer mehr Anhänger. 

Doch nicht alles muss gleich Verschwörungstheorie sein. Dass das Virus beispielsweise in einem chinesischen Labor gezüchtet worden sei, kann weder bewiesen noch widerlegt werden. Wir wissen es einfach nicht. Das zumindest muss zur Kenntnis genommen werden oder um es mit Jürgen Habermas zu sagen: „Eines kann man sagen: So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Unsicherheit handeln und leben zu müssen, gab es noch nie.“ Auffällig jedenfalls ist, dass andersartige Sichtweisen sehr schnell abfällig und pauschal verurteilt, geradezu hingerichtet werden. 

Hier fällt dann in der Regel der Begriff Verschwörungstheorie, mit dem man Unbequemes gleichsam abwürgen und mundtot machen will. Kann man das nicht schon als Einschränkung der Meinungsfreiheit werten? Und beginnt nicht gerade hier die Spaltung der Gesellschaft? Nach dem Webinar bekam ich einen Anruf von einer Seminarteilnehmerin, die an einer Anti-Corona-Demonstration in Markt Schwaben teilgenommen hatte. Seitdem, sagt sie, werde sie gemobbt und verstehe nicht, dass sie mit ihrer Haltung „Ich bin nicht rechts, ich bin nicht links“ inzwischen als Rechte gesehen wird. Natürlich ist die Angst, die neuen Rechten könnten die Anti-Corona-Demonstrationen nutzen, um Instabilität zu erzeugen, zu verstehen, gerade weil viele Menschen derzeit höchst verunsichert sind. Mair belegte mit einer Studie der Uni Münster auch den existierenden „Pandemischen Populismus“ und verdeutlichte wie sehr Antisemitismus und NS-Verharmlosung auf diesen Demos Einzug halten. Das ist schlimm. Die Frage, ob sie die Gefahr sehe, dass manche Menschen aus der Mitte der Gesellschaft nun ins rechte Lager abwandern könnten, beantwortet sie so: „In Nürnberg ist es so, dass die Demonstranten stark aus der Heilpraktikerszene und der alternativen Medizin kommen. Ich habe den Eindruck, dass diese Leute vorher nicht auf der Straße waren. Jetzt aber gehen sie mit den Rechten gemeinsam.“ 

Die Frage ist, wie damit umzugehen? Richtig ist es, die Rechten abzulehnen, falsch dagegen, alle Menschen, die demonstrieren in ein rechtes Lager zu stecken. Eines wurde in dem Webinar deutlich: Verschwörungstheorien gibt es zu jeder Zeit, sie sind unabhängig von der derzeitigen Krise, nur jetzt finden sie offensichtlich vermehrten Niederschlag auf rechten Plattformen. Wie sich da verhalten, wurde Mair aus dem Publikum gefragt. Man sollte vor allem nach Quellen fragen und tief nachbohren. Denn, „es werden so viele Halbwahrheiten und verkürzte Dinge publiziert.“ Dass dabei selbst ein hoch reputierter Mann wie Sucharit Bhakdi, nur weil er einen anderen wissenschaftlichen Standpunkt vertritt, zu den Verschwörungstheoretikern gezählt wird, zeigt einmal mehr, wie subjektiv und hoch emotional der persönliche Zugang auf die Pandemie ist. Noch einmal: wir wissen kaum etwas über Covid-19, das zeigen selbst die Auseinandersetzungen zwischen den prominentesten Virologen der Republik Christan Drosten, Alexander Kekulé und Hendrik Streeck. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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