Not macht erfinderisch

Ebersberger „Schul-Chat“ ist beliebt

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Marcus Müller unterrichtet vom Wohnzimmertisch aus.

Bis zu den Osterferien unterrichtet Marcus Müller von seinem Wohnzimmertisch aus die Ebersberger M-Klässler.

Region – „In diesen unsicheren Zeiten, versuche ich mit meiner Klasse ein Stück Normalität und Gemeinschaft auf virtueller Ebene aufrecht zu erhalten“, sagte Marcus Müller und setzte sein Vorhaben in die Tat um. Seit Freitag, 13. März, kommuniziert Marcus Müller per Internet an den sonst üblichen Schultagen von 9 bis 12 Uhr mit seiner Klasse. 

Marcus Müller ist das Arbeiten mit modernen Medien nicht fremd. In seinem Klassenraum ist nicht nur das Whiteboard seit rund sechs Jahren ein fester Bestandteil des Unterrichtens. „Das System ist stabil“, versicherte er gelassen. Er setzt auch auf Internet und Apps im Unterricht. Als Praktikumslehrer der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München betreut Marcus Müller derzeit zwei LMU-Studenten an der Mittelschule in Ebersberg. Entsprechende Fortbildungen sind Alltag für ihn. Wenige Tage bevor die Schule wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurde, generierte Marcus Müller seine Website www.marcusmueller73.de/. Auf dieser Plattform findet genial aufgebaut der tägliche Schulunterricht statt. 

Jeder Schüler hat Zugangsdaten zum Chat erhalten. Der Präsenzpflicht von 9 bis 12 Uhr können alle seine Schüler folgen, denn „ich mache im Stoff 1:1 weiter“, erklärte Müller. „Die Schüler können mich dort sehen und hören, ich kann einzelne Schüler per Ton und Bild zuschalten“. Das Zuschalten des Bildes erfordert die Zustimmung des Schülers. Zusätzlich stellt Müller Unterrichtsmaterial auf der Homepage zur Verfügung. „Richtig gut“ finden die Schüler den Unterricht im Video-Chat. In Mathematik diskutiert man Parabeln. Stellt Müller im Video-Chat Fragen, können die Schüler gleichzeitig ihre mit Namen gekennzeichneten Antworten schriftlich an ihn zurücksenden. Bei Bedarf kann Müller die Schüler, die nicht geantwortet haben, aufrufen. Sind drei Stunden Unterricht am Stück nicht zu anstrengend? „Nein, nicht wenn ein Methodenwechsel stattfindet“, betonte Müller. Neben der Wissensvermittlung von Lehrer zu Schüler, sind Teamarbeit oder freies Arbeiten angesagt. Beim Fach-Wechsel können die Schüler etwas trinken oder eine Kleinigkeit essen. 

Die Möglichkeiten im Video-Chat scheinen enorm vielfältig zu sein. Marcus Müller ist zufrieden, „mit relativ einfachen Mitteln meinen Schülern in der Abschlussklasse den täglichen Schulunterricht anbieten zu können“. Unübersehbar ist seine „Freude sich in die Materie reinzufuchsen“. Kann der Video-Chat künftig den Unterricht ersetzen? Hier sieht Müller realistisch zuerst die Nachteile. „Bei einem Test habe ich nicht die Gewähr, dass keiner mit fremder Hilfe die Arbeit geschrieben hat“. Doch auch Vorteile lassen sich erkennen, „keiner quatscht dazwischen“, was allgemein die Konzentration der einzelnen Schüler erhöht. „Jeder Schüler ist individuell besser zu betreuen“. ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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