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Als Parsdorf noch bedeutend war

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Bürgermeister Georg Reitsberger vor der ältesten Ansicht von Parsdorf. © Foto: die

Eine Ausstellung im Vaterstettener Rathaus erinnert an die Anfänge der Gemeinde Parsdorf vor 200 Jahren.

Vaterstetten – Viel sei in den letzten 200 Jahren „vergessen und vergraben“ worden, sagte Georg Reitsberger bei der Eröffnung der Ausstellung. Der mittlerweile 23. Bürgermeister der Gemeinde erinnerte an alte Zeiten, als Parsdorf mit der Poststation und der schönen Kirche an der belebten und wichtigen Verbindungsstraße zwischen Wien und München ein bedeutender Haltepunkt war. 

Vom Postwechsel an der Wiener Chaussee, wie die Verbindung damals hieß, stieg die Station zu einer Posthalterei auf, war Versorgungsstelle für Mensch und Pferd. „Parsdorf war damals nicht größer als die anderen Gemeinden, hatte nicht mehr Einwohner, es war nur wegen der Post wichtiger“, erklärt Gemeindearchivarin Ulrike Flitner, die die Ausstellung zusammengestellt hat. 

Wirts- und Schankkonzessionen wurden damals nur selten ausgestellt, weil die Behörden hier einen schlechten Einfluss befürchteten. So nahe am Wald gelegen, wollte man keine Schlupfwinkel für Wilddiebe und anderes zweideutiges Gesindel schaffen. 

Ganz anders bei der Poststation in Parsdorf, die neben einer Wirtschaft mit Metzgerei sogar eine Tanzanlage betreiben durfte. Alles änderte sich 1871 mit der Bahnlinie München-Rosenheim. Mit dem Morgen- und Abendzug bekam die Gegend um Vaterstetten und Baldham plötzlich eine Bedeutung. Es kamen Wochenendausflügler, an der Bahnstation entstand eine Restauration, die zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens heranwuchs. Zeitweise wurden hier bis zu 2000 Gäste bewirtet. Den Gästen gefiel die Gegend, sie wurden zu Einwohnern. 

Später zogen Ausgebombte zu, nach dem Krieg kam die große Flüchtlingswelle aus den Ostgebieten. Aufgrund dieses Wachstums wurde der offizielle Gemeindesitz von Parsdorf nach Vaterstetten verlegt und der Name geändert. Der ehemalige Bürgermeister-Sessel aus dem Parsdorfer Rathaus wird heute vom Standesbeamten bei Trauungen genutzt, derzeit ist er in der Ausstellung zu sehen. Zusammen mit einigen anderen Ausstellungsstücken und zahlreichen Dokumenten. 

Interessant ist auch eine Kopie einer Votivtafel aus der Parsdorfer Kirche St. Nikolaus, datiert auf das Jahr 1779. Es ist das wohl erste und einzige Bild von Parsdorf aus jener Zeit, samt dem damaligen Posthalter Valentin König. Wenige Jahre später brannte das Dorf nahezu gänzlich nieder. Die Poststation, heute die traditionsreiche Gaststätte „Alte Post“ wurde wieder aufgebaut. Nach umfassender Renovierung durch den neuen Eigentümer Karl Müller hat sie nun auch wieder geöffnet. die

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