Wie geht es eigentlich Buba?

Geht so Integration? Flüchtling kämpft weiter um Arbeitserlaubnis

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Möchte arbeiten, darf aber nicht: Buba Jallow aus Mali.

Patrik Steinbach wollte Buba Jallow Anfang August einen Ausbildungsvertrag für diesen Herbst anbieten. Doch die Ausländerbehörde Ebersberg stellt sich quer. Doch Arbeitgeber und Helfer wollen nicht aufgeben

Grafing – Anfang August berichteten wir über Buba Jallow. Der 26jährige war 2014 aus Mali geflohen. Seit etwa vier Jahren lebt er als Flüchtling im Landkreis. Sein Asylantrag wurde allerdings abgelehnt, auch seine Klage gegen diesen Bescheid, obwohl die Lage in Mali unsicher ist. 

2017 bekam er einen Duldungsstatus, heißt eine „vorübergehende Aussetzung der Abschiebung.“ In Grafing fand er dennoch einen Praktikumsplatz, in der Polsterei Steinbach.

„Geht so Integration“, fragt sich Patrik Steinbach

Dort war man von ihm begeistert, menschlich wie fachlich. Patrik Steinbach bot ihm deshalb eine Lehrstelle an, die Buba diesen Herbst beginnen sollte. Doch: die Ausländerbehörde Ebersberg macht einen Strich durch die Rechnung. Sie genehmigte den Ausbildungsvertrag nicht. Grund: er habe keine Bleibeperspektive, schließlich sei sein Asylantrag abgelehnt. „Geht so Integration?“ fragten sich Steinbach und Hendrik Wetekamp vom Helferkreis Aßling-Emmering, für den Buba wie einen Sohn ist. Man ging an die Öffentlichkeit, machte die Geschichte publik. 

Schließlich landete der Fall auf dem Schreibtisch von Landrat Robert Niedergesäß. Obwohl jedes Bundesland Kriterien festgelegt hat, haben Landratsämter gewisse Ermessensspielräume, Entscheidungen zu Beschäftigungserlaubnissen können sie in eigenem Erwägen treffen. Doch es kam, wie es kommen musste: „Das Landratsamt Ebersberg hat - auch nach einem intensiven Dialog mit den Helferkreisen - seine rechtlichen Ermessensspielräume seit Ende 2017 auf meine Weisung hin in mehreren Schritten mehrfach im Sinne der betroffenen Menschen und der örtliche Betriebe liberalisiert und an die Praxis des Nachbarlandkreises München angepasst. In diesem Fall sieht unsere Ausländerbehörde nach intensiver Prüfung und Ausübung aller Spielräume aber leider keine Möglichkeiten mehr, was ich sehr bedaure!“ So schreibt der Landrat an die Landtagsabgeordnete Doris Rauscher (SPD), die sich der Sache annahm, nachdem sich Wetekamp an sie um Hilfe für seinen Schützling gewandt hatte. Der Helfer ist bestürzt. 

„Verfolgt denn niemand die aktuelle politische Diskussion“, empört sich Wetekamp

 „In der Vergangenheit galt die Ebersberger Ausländerbehörde als eine der rigidesten in Bayern. Hat sich daran nichts geändert?“ Tatsächlich hatte der Bayerische Flüchtlingsrat einst scharfe Kritik an der Ebersberger Behörde geübt, woraufhin das Ebersberger Ausländeramt großzügiger geworden sein soll. Scheinbar nicht im Fall Buba. „Verfolgt denn dort niemand die gegenwärtige politische Diskussion?“ empört sich Wetekamp und meint damit die Debatte um Zuwanderung, in der selbst Bundesinnenminister Seehofer davon gesprochen hat, abgelehnten, aber geduldeten Zuwanderern unter Umständen die Aufnahme von Arbeit in Deutschland zu ermöglichen. Wetekamp ist ratlos und hofft jetzt auf die Realisierung eines Vorschlags des Landtagsabgeordneten Thomas Huber (CSU), der eine „Altfallregelung für Asylbewerber, die zwischen 2014 und 2016 zu uns kamen und die mittlerweile gut integriert sind“ ins Gespräch gebracht hat. Zur Erinnerung: Buba hat sich gut integriert. Davon sprechen alle. An der Berufsschule St. Zeno in Kirchseeon hat er Deutsch gelernt. Patrik Steinbach möchte ihn unbedingt als Lehrling, einen vergleichbaren findet er nicht. Die Ebersberger Ausländerbehörde wirft Buba allerdings vor, nicht an seiner Identitätsfeststellung mitzuwirken - als Buba hierher kam, hatte er keine Dokumente. 

Auch Firmenchefs wie Wolfgang Grupp setzen sich für ein Arbeitsrecht ein

Ein Grund für die Ablehnung des Ausbildungsplatzes. „Das ist eine glatte Lüge,“ so Wetekamp, „ich selbst habe die geforderten Unterlagen zusammen mit Buba dort abgegeben. Mit dem Antrag auf Passersatzpapiere bei der Botschaft ist Buba dem völlig nachgekommen.“ Buba selbst hängt derzeit in der Luft. Bis Ende Oktober wäre eine Anmeldung zur Ausbildung noch möglich. Nicht nur Wetekamp hält es für absoluten Quatsch, Menschen gezwungenermaßen untätig sein zu lassen. Auch Unternehmer, wie kürzlich der Firmenchef Wolfgang Grupp auf Deutschlandfunk Kultur setzen sich für ein Bleibe- und Arbeitsrecht von Flüchtlingen ein, selbst wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Bayerns Innenminister Herrmann spricht von Arbeitserlaubnis für abgelehnte Asylbewerber, die nicht abgeschoben werden können. Die Berliner Koalition jedenfalls will in ihrem Zuwanderungsgesetzt Geduldeten mit einer Arbeit einen „verlässlichen Status“ verschaffen, sodass sie arbeiten können, „ohne Abschiebung befürchten zu müssen“. 

Sind das alles nur große Sprüche? fragt sich Wetekamp, „große Ankündigungen im Wahlkampf, auf die dann nichts folgt?“ Dass nun eine Ausbildungsstelle etwas anderes ist als ein Job ist klar. Bubas Pläne jedenfalls sind, nach der Ausbildung und der Beruhigung der politischen Spannungen in Mali, wieder in sein Geburtsland zurückzukehren, um dort den erlernten Beruf weiterzugeben und anderen Menschen eine Berufsbildung zu ermöglichen. Wie es Buba derzeit geht? Nicht wirklich gut.  Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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