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Einfach genial: Perchten sind Immaterielles Kulturerbe

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Perchten Kirchseeon Immaterielles Kulturerbe
Sind stolz auf die Auszeichnung: Rainer Eglseder, BM Jan Paeplow, Florian Mayer, Martina Heiler, Sepp Huber, Wolfgang Uebelacker, Thomas Warg und Ernst Weeber. © Kees

Der Kirchseeoner Perchtenlauf steht jetzt auf einer Stufe mit der Landshuter Hochzeit
oder den Oberammergauer Passionsspielen. Sie wurden zum Immateriellen Kulturerbe Bayerns erklärt

Kirchseeon – Die Geschichte der Kirchseeoner Perchten beginnt so: der allererste Perchtenlauf 1954 sollte eigentlich im Inneren, in den Räumen des örtlichen Schützenhauses stattfinden. Doch da am verabredeten Termin der Saal belegt war, schlug die Wirtin vor, „geht damit doch einfach ins Freie.“ Gesagt, getan. Ein Jahr später berichtete bereits der BR über die mit tosendem Lärm durch die Straßen ziehenden vermummten Gestalten mit ihren schreckenerregenden Masken. So erzählt es der 1.Vorstand des Kirchseeoner Perschtenbundes Soj Wolfgang Uebelacker, Nachfolger des Perchtenvaters Hans Reupold.

Inzwischen sind die Kirchseeoner Perchten legendär. Seit vergangenem Jahr haben sie sogar ein eigenes Museum, das Maskeum im zweiten Obergeschoss der Schule in der Münchner Straße. Das Neuste: Der Kirchseeoner Perchtenlauf ist zum Immateriellen Kulturerbe Bayerns (IKE) erklärt worden.

Ein Grund zum Jubel. Stolz sind alle. Glückwünsche kommen von allen Seiten. Kirchseeons Bürgermeister Jan Paeplow erzählt, dass er seit Bekanntgabe der Auszeichnung mit geschwellter Brust durch die Marktgemeinde gehe. Landrat Robert Niedergesäß hebt das starke ehrenamtliche Engagement über vier Generationen hervor. Museumsleiter und Vorstand des Fördervereins Maskeum Rainer Eglseder sowie die Vorstandsvorsitzende der Perschtenstiftung Martina Heiler finden die Aufnahme „genial“.

Zu 66 Einträgen in Bayern (der einzige im Landkreis übrigens) gehört nun der Kirchseeoner Perchtenlauf und steht damit auf einer Stufe mit den Oberammergauer Passionsspielen und der Landshuter Hochzeit. Die Ehre kommt nicht von ungefähr, schließlich warten in Kirchseeon die Kinder nicht auf den Nikolaus sondern auf die Perchten, wie Eglseder und Uebelacker betonen. Doch wie kommt die Anerkennung?

Fast zufällig sei man auf einen Flyer des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat gestoßen, in dem für eine Bewerbung zur Aufnahme ins Immateriellen Kulturerbe Bayerns geworben wurde. „Wäre das nicht was für uns?“ fragt Uebelacker seinen Kollegen Eglseder.

Der recherchiert zur Geschichte der Perchten, macht sich mit alten Protokollbüchern vertraut, studiert das Pressearchiv und betrachtet die Entwicklung des Kirchseeoner Perchtenbrauchtums in den letzten 25 Jahren. „Ja, das wäre eine tolle Sache,“ so sein Feedback. Aber: das Bewerbungsverfahren habe es in sich. Man stellt ein Team zusammen, das den Antrag ausarbeiten wird.

Ernst Weeber, Florian Mayer, Rainer Eglseder und Wolfgang Uebelacker müssen sich komplexen Fragen stellen. Auf 15 Seiten geht es um die Darstellung der Perchten, ihrer Geschichte, der heutigen Praxis, der Weitergabe von Wissen und Können, um Entstehung und Wandel, aber auch um Reflexion der Geschichte, der Wirkung und Nachhaltigkeit der Perchten, ihrem Europabezug, ihrem Gemeinschaftssinn, den Risikofaktoren für die Erhaltung der Kulturform und vielem mehr.

Außerdem müssen zwei Expertisen, fachliche Gutachten, beigelegt werden. Kreisheimatpfleger Sepp Huber und Kreisarchivpfleger Bernhard Schäfer, der auch Vorsitzender des Historischen Vereins im Landkreis ist, stellen sich zur Verfügung. Eine Menge Arbeit steckt in dem Antrag. Was man im März 2021 beginnt, wird Ende November abgegeben. Dann heißt es warten. Am 29.März kommt die gute Nachricht: „Der Kirchseeoner Perchtenlauf ist nach Entscheidung des Bayerischen Ministerrats im Rahmen der fünften deutschlandweiten Bewerbungsrunde mit sofortiger Wirksamkeit in das Bayerische Landesverzeichnis als Kulturform in den Kategorien Darstellende Künste, Bräuche, Rituale und Feste sowie traditionelle Handwerkstechniken eingetragen.“

Den handwerklichen Aspekt der Maskenschnitzerei hatte Sepp Huber in seinem Gutachten betont, darüber hinaus, dass man sich nie preisgegeben habe, die Tradition erhalte und eben nicht beispielsweise Richtung Halloween abgedriftet sei. „Das IKE kann froh und stolz sein, die Perchten aufnehmen zu dürfen,“ ergänzte sein Kollege, Kreisheimatpfleger Thomas Warg. Aus etwa zwei Duzend Bewerbungen wurden 2022 insgesamt zehn neue kulturelle Ausdrucksformen aufgenommen, darunter die Kirchseeoner Perchten. Das gibt Auftrieb, stärkt das Selbstbewusstsein und festigt den Zusammenhalt. Kees

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