Pflanzenführungen von Bernd Hertling

Spannendes aus der Pflanzenwelt

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Bernd Hertling

Dass die Pflanzenführungen von Bernd Hertling ein Highlight sind, spannend und amüsant, dürfte sich schon herumgesprochen haben

Region – Die dreistündige Wanderung mit Bernd Hertling beginnt in Herrmannsdorf. Vom Parkplatz aus geht es rechts ein kleines Stück der Straße entlang, bis die Gruppe auf einen Feldweg Richtung Cafe Schießstätte einbiegt. Gleich am Straßenrand fällt dem Experten das ein oder andere Kraut ins Auge. An einem schattigen Platz ein paar Schritte weiter werden die Vorzüge vom schmalblättrigen und breitblättrigen Spitzwegerich erklärt. 

Aber zuerst eine kleine Namensanekdote zu dem erst genannten Gewächs, welches am liebsten an „Wegen“ wächst. Das –ich in Wegerich steht laut dem Pflanzenkundler im germanischen für Fürsten beziehungsweise -ich heißt einfach Herrscher. Somit ist diese Pflanze ein „König der Wege“. Er findet sich meist auf der Mittelspur eines Feldweges. Und wenn nun der Bauer mit seinem Gespann darüberfuhr, so richtete sich der Wegerich wieder auf. Das tut er auch heute noch, nur dass die Gespanne von früher mittlerweile große Maschinen sind. Eine kleine Notfallapotheke ist dieses Stehaufmännchen. Plagt einen ein Mückenstich, ja sogar ein Bienen- oder Bremsenstich kann damit gelindert werden. Ein Blatt in den Mund genommen, breiig zerkaut und auf den Stich aufgetragen stellt sich zumindest bald Linderung ein. Als Tee oder Sirup eingenommen hilft er bei Mund- und Rachenproblemen. Ein unscheinbares Kraut mit nicht zu unterschätzender Wirkung. 

Eine weiter kleine Geschichte zum Kraut erzählt Hertling amüsiert. Die ersten Siedler Amerikas, brachten die Samen vom Wegerich an den Hosenbeinen klebend. Das Kraut breitete sich schnell aus und die dort lebende Urbevölkerung, die Indianer Nordamerikas, wussten so immer genau, wo die Weißen schon waren. Ein weiteres Heilkraut am Wegesrand, die echte Kamille, kann man so auf den ersten Blick innerhalb der verschiedenen „Kamilleangeboten“ so gar nicht erkennen. „Man muss in den Kopf hineinschauen“, so der Experte. Ist dieser innen hohl, dann ist es eine echte Kamille. Dieses Kraut verfügt über einen hoch dosierten Wirkstoff, der heute noch bei Magengeschwüren verwendet wird. Ein Klassiker ist die Rollkur. Hier werden eine Tasse Kamillentee mit ein paar Tropfen Tinktur getrunken, danach dreht sich der Patient nach einer bestimmten Anleitung, so dass die Flüssigkeit den ganzen Magen benetzt. Dass man am besten immer nur pflückt und anwendet, was man ganz genau kennt, sieht man am Eierköpferl. Diese Kamillenart ohne Blütenblätter kann zum Beispiel die Leber schädigen. 

Nicht nur krautige Pflanzen waren Bestandteil der Führung – auch die holzigen Pflanzen, die Bäume wurden mit spannenden Geschichten erklärt. Bernd Hertling versteht es immer wieder rund um die Pflanzen die amüsantesten, spannendsten Anekdoten weiterzugeben. Und auch die Mythologie bleibt nicht außen vor. So erklärt er das Marterl kurz vor der Schießstätte zu einer Besonderheit. Dies steht nämlich zwischen zwei Eichen. Aber diese Wegkreuze werden normalerweise immer zwischen zwei Linden aufgestellt. Die Linde, ein Symbol für das Weibliche, für die Mutter Gottes. Sie ist ein ganz besonderer Baum, war sie doch auch bis 1813 der deutsche Nationalbaum. „In dieser Zeit aber besetzte Napoleon das Land und um ihn loszuwerden brauchte man noch härteres Holz, den Eichenknüppel“. So hat sich nach dieser Zeit die Eiche für Stärke als Symbol entwickelt und seit dem findet man überall das Eichenlaub als dieses abgebildet. Die Linde stand eher für das freundliche, einladende, unter ihr tanzte und vergnügte man sich. 

Über Zinneberg am Wald entlang bog man Richtung Café West ab, in dem einige einkehrten, der Rest ging zurück nach Herrmannsdorf. Alle waren vollbepackt mit Rezepten, neuen Wissen, Geschichten, alle haben viel gelacht, heiß war es, aber die kleinen Strapazen vergisst man schnell, bzw. man bemerkt sie gar nicht, wenn man so spannend und unterhaltsam unterwegs sein darf, fast wie in einem Pflanzenkrimi. Man möchte einfach immer nur mehr wissen und wartet was Hertling noch zu erzählen hat. Wer eine eigene Führung zusammenstellen mag, kann sich gerne bei Bernd Hertling in Grafing melden. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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