„Weibliche Aktfiguren mit viel Popo“

Po-Art

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„Ich kann nur das machen, was aus mir herauskommt.“ Thomas Böhmer mit einer von ihm geschaffenen Akt-Skulptur.

Ein Besuch beim Steinhöringer Holzbildhauer Thomas Böhmer

Steinhöring/München – Thomas Böhmer hat seine Werkstatt in Hintsberg. Seit 2006 lebt der gebürtige Münchner in Steinhöring. Zunächst hat der Mann eine Ausbildung zum Holzbildhauer in München absolviert, ehe er Heilerziehungspfleger wurde. Mit diesem zweiten Beruf kam er nach Steinhöring. 14 Jahre lang war er im Einrichtungsverbund tätig. „Die Arbeit im Betreuungszentrum habe ich allerdings nie als Arbeit empfunden, denn sie war immer schön,“ schwärmt er. Und dennoch kommt eine Wende in sein berufliches Leben. Die Geschichte dazu geht so: mehr oder weniger zufällig holte er einmal eine seiner alten Holzfiguren aus der Zeit der Holzbildhauerausbildung bei seinen Eltern ab. Als seine Frau die Figur sieht, ist sie begeistert. Das war der Impuls für den Wendepunkt: Böhmer beschließt, sich seiner alten Handwerkskunst zu besinnen und holte das Holzbildhauerwerkzeug wieder heraus. Zufällig hatte er bereits eine Halle angemietet, in der er der künstlerischen Tätigkeit nachgehen kann. 

Alles beginnt dort mit 300 bis 400 Kilogramm schweren Baumstämmen aus der Region, aus denen der Meister Figuren zaubert. Doch zunächst zeichnet Böhmer erst einmal beziehungsweise fertigt Modelle seiner späteren Skulpturen aus Ton. Dann erst geht die Arbeit am Holz los. Anfangs mit der Kettensäge - damit werden die groben Formen, die Umrisse geschnitten - eher der Künstler mit dem Bildhauereisen genauer wird. Wenn die Form – die ihm wichtig ist – aus dem Holz herausgeschlagen ist, geht der 48-Jährige mit der Raspel ans Werk, verfeinert die prallen Volumen und schafft straffe, knackige Oberflächen, die schließlich geschliffen werden. Am Ende wird das so entstandene Kunstwerk gewachst, in seltenen Fällen auch mal geölt. Seine fast immer lebensgroßen Bildhauerarbeiten nennt sein Schöpfer Po-Art. Und das hat seine tiefere Bedeutung in den erotischen Rundungen, die entstanden sind. Böhmers Skulpturen sind immer weibliche Aktfiguren, in der Regel mit großen Popos. Auf die Frage, was ihn daran interessiere, antwortet er schlicht, „weil mich das reizt.“ Und fügt an: „Ich kann nur das machen, was aus mir herauskommt.“ Was ihn nicht interessiert, ist eine Message, eine Botschaft, oder gar ein politisches Statement zu verbreiten. „Ich habe einfach Spaß an knackigen Formen aus tollem Holz, an positiver und praller Lebensfreude.“ Dabei ist er keiner, der eine übertriebenen Wert aufs Detail legt, ihn beschäftigt vielmehr der architektonische Aspekt, die verdichtete Form, das große Ganze. Und da stehen sie nun, etliche Figuren mit großen Popos aus Ahorn, Kirsche, Eiche oder Walnuss. Der Bildhauer hat die fertigen Gestalten in seiner Werkstatt fein säuberlich in einer Ecke aufgestellt. Dort warten sie auf ihren Transport. Denn sie wollen nach München zu ihrer ersten Ausstellung in einer Galerie. Böhmer hat vor etwa einem Jahr seinen Beruf als Heilerziehungspfleger an den Nagel gehängt und arbeitet seitdem ausschließlich als Holzbildhauer. 

Jetzt will er groß hinaus. „Ich genieße das Arbeiten hier in der Ruhe und in dem angenehmen Umfeld sehr,“ schwärmt er. 50 bis 60 Stunden etwa sitzt er über einer Figur, die am Ende, wenn die Masse einmal weggenommen ist, immerhin noch zwischen 80 und 150 Kilogramm wiegt. Anders übrigens als ein Schreiner arbeitet Böhmer an frischem, feuchtem Holz, auch weil sich das leichter bearbeiten lässt, wie er erzählt. „Freilich entstehen da Risse, die gehören dazu.“ Er lässt sie bewusst stehen, dekorativ - und beruhigt: „Wenn sie größer werden, schaden sie der Figur nicht. Keine Sorge, die Figuren springen nicht.“ In den letzten Tagen hat der Mann viel Werbung gemacht für die Ausstellung in München, die am 22.Januar eröffnet wird. 10.000 bis 15.000 Euro soll dort eine Figur erzielen. Die Ausstellung „Weibliche Aktfiguren mit viel Popo“ ist vom 22. bis 28. Januar in der ABC Westside Galerie in der Münchner Schwanthalerstraße 176 zu sehen. Erste Einblicke erhält man schon mal auf unter www.poart-skulpturen.de. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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