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Millioneninvestition mit Gegenwind

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Überführung Möschenfelder Straße Vaterstetten
Über 1,1 Millionen Euro würde eine Radbrücke über die Unterführung an der Möschenfelder Straße kosten. Wie viele Radler sie am Ende auf dem schnellen Radweg zwischen München und Ebersberg überhaupt nutzen würden, ist bislang unklar. © die

Mindestens drei Millionen Euro würde ein schneller Radweg entlang der Bahn kosten. Vom Freistaat gibt’s gerade nur Geld für die Planung. Die SPD schlägt eine Alternative vor.

Vaterstetten – Insgesamt drei Kilometer Strecke entlang der Bahnlinie sollen in Vaterstetten und Baldham Teil des schnellen Radwegs zwischen München und Ebersberg werden. Die Kosten dafür werden über drei Millionen Euro betragen, das geht aus der Machbarkeitsstudie hervor, die jetzt dem Gemeinderat vorgelegt wurde. Teuerster Posten: Eine neue Radbrücke mit 40 Metern Spannbreite über die Möschenfelder Straße für über 1,1 Millionen Euro. Weitere rund 1,4 Millionen laufen in die Asphaltierung der Geh- und Radwege. Der Rest in Straßenbeleuchtung und Grünflächen.

Das Planungsziel sei ein schnelles Vorankommen der Radfahrer, so Gregor Schober vom beauftragten Büro Wipfler-Plan aus Grasbrunn. Dazu brauche man mindestens 2,50 Meter, besser 3,50 bis 4 Meter breite Wege. Was allerdings nicht überall machbar ist. Ein Gefahrenpunkt ist der S-Bahnhof Vaterstetten. Hier könnte der Gehweg nördlich des Luitpoldrings verbreitert und die Böschung extra abgestützt werden, um einen Radweg einzubauen. Der soll dann quer über den heutigen P+R-Platz führen, um zwischen Lärmschutzwand und Gartenhecken weiterzulaufen. Die Bahn müsste hier einen Schaltkasten verkleinern, damit man vorbeikommt.

Am S-Bahnhof Vaterstetten hingegen sollen die schnellen Radler die vorhandene Brücke nutzen. Ein Gefahrenpotential mit den Schulwegen, Fahrgästen und Kunden der angrenzenden Läden wird hier offenbar nicht gesehen. Als „Spezialität“ bezeichnete Schober nur das Ende am Ingelsberger Weg. Mit einer Stützwand könnte man dort die steile und schmale Rampe aufrüsten, allerdings bräuchte man dafür Privatgrund.

Danach kommt bereits die Gemeindegrenze nach Zorneding. Dort gebe es laut Schober noch keine Planung, weil man erst abwarten wolle, wie sich das Sportgelände des FC Baldham entwickle.

„Bei den Fördersätzen, die jetzt in Aussicht gestellt werden, hätten wir die Chance auf die Brücke an der Möschenfelder Straße“, glaubt Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU). Vergangene Woche erst hatte Vaterstetten zusammen mit Haar, Grasbrunn und Kirchseeon erfahren, dass das bayerische Verkehrsministerium den schnellen Radweg zwischen München und Ebersberg in diesen Abschnitten fördern will. Über dieses Förderprogramm erhalte Vaterstetten am Ende 80 Prozent der Kosten für den Bau zurück, war bei der Diskussion im Gemeinderat mehrfach zu hören.

Das Ministerium allerdings erklärt auf Hallo-Anfrage, beim Projekt „Schneller Radweg München-Ebersberg“ werde zunächst nur die Planung gefördert. „Förderungen für spätere Baumaßnahmen müssen von den Kommunen nach Abschluss der Planungen separat zu einem späteren Zeitpunkt beantragt werden.“ Jetzt müssten die ausgewählten Kommunen erstmal bis 15. Juli einen Zuwendungsantrag bei der Regierung von Oberbayern stellen, danach habe man zwei Jahre Zeit die Planung abzuschließen.

Es sei jedoch beabsichtigt, die folgenden Projektabschnitte möglichst mit weiteren Mitteln oder anderen Förderprogrammen zu unterstützen. Schließlich habe das Ministerium großes Interesse daran, dass die ausgewählten Projekte zeitnah angegangen und schnell umgesetzt würden. Derzeit ist also völlig offen, wieviel Geld es tatsächlich für den Radwegbau in Vaterstetten geben könnte. Im Gemeinderat wurde darüber jedenfalls nicht gesprochen. Planer Schober stellte hingegen den Bau ab Frühjahr 2023 in Aussicht. Fertigstellung: 2024.

Der SPD passt die ganze Sache nicht. Für sie habe der innerörtliche Rad- und Fußverkehr auf der Strecke Vorrang vor dem E-Bike mit 40 km/h, kritisierte Vize-Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD). „Der Radweg ist machbar, aber nicht optimal und er hat trotz erheblicher Kosten keinen direkten Nutzen für die Einheimischen“, fand Sepp Mittermeier (SPD) und schlug als Alternative den vorhandenen Radweg an der B304 vor. Abseits von den Wohngebieten gebe es da kaum Fußgänger. „Das ist mindestens genauso attraktiv.“ Widerspruch von den Grünen. An der neuen Strecke gebe es keine Ampeln, die schnelle Radler ausbremsen würden. Hinweis der Gemeindeverwaltung: Die Förderzusage gelte für Radwege entlang von Bahnlinien und in Verbindung mit den anderen Gemeinden. „Wir sollten nicht nochmal einen Schritt zurück machen, sondern es durchziehen“, empfahl Benedikt Weber (CSU). Die SPD will nun trotzdem einen entsprechenden Antrag einbringen.

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