Feierstunde in Albaching

Der Tag, an dem Albaching seine Selbstständigkeit zurück erlangte

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Die damaligen Bürgermeister Max Asböck aus Pfaffing (l.) und August Seidinger aus Albaching (r.) haben am 6. September 1995 die Vermögensauseinandersetzung beendet

Gegen den Verlust ihrer Selbstständigkeit begehrten die Albachinger auf. Und das mit Erfolg. Seit dem 1. Januar 1994 steht die Gemeinde auf eigenen Füßen. Dies wurde in einer Feierstunde gedacht

Albaching – Kein eigener Eintrag mehr im Telefonbuch? Albaching nur noch unter „Pfaffing 2“ zu finden? – das musste wirklich nicht sein. Dies war zu viel und setzte vor 25 Jahren eine Entwicklung in Gang, die zur wieder erlangten Selbstständigkeit von Albaching führte. Jetzt wurde diesem Ereignis mit einer Feierstunde gedacht. 

Mit der Zusammenlegung von Gemeinden sollten in den 70er Jahren schlankere Verwaltungen entstehen, davon versprach sich die Staatsregierung auch für die Bürger Vorteile. Das hat aber nicht immer funktioniert, wie etwa in Albaching. Daran erinnerten jetzt mehrere Redner. Unruhe entstand damals, als der Ortsname immer mehr verschwand. Viele fürchteten um die Identität der Gemeinde. Eine Rolle spielte der damalige Pfarrer Gerhard Gabor, dem diese Entwicklung nicht gefiel und der dagegen aufbegehrte. Fest überzeugt waren viele, dass die Entwicklung des Ortes innerhalb einer Selbstständigkeit erheblich besser verlaufe. 

Dann kam eins zum anderen. Ein neu gegründeter Bürgerverein unter dem Vorsitz von Fritz Schillhuber setzte sich zuerst für den Ortsnamen, dann angesichts des Erfolgs gleich für die Selbstständigkeit ein. „Gelbe Flugblätter hingen plötzlich an den Bäumen“, emotional gab Herbert Binsteiner in seiner Rede die entscheidenden Phasen wieder. Eine Gesetzesänderung, einstimmiger Beschluss des Gemeinderates, Bürgerentscheid mit zwei Drittelmehrheit und ein fiktiver Haushalt, der aufgeht. Zum 1. Januar 1994 war Albaching wieder selbstständig, wollte aber eine Verwaltungsgemeinschaft mit Pfaffing. 

Kritisch beäugte diese Entwicklung der damalige Landrat Dr. Max Gimple, das Engagement sei zwar anerkennenswert, doch müssten die Albachinger nun „zaubern können, um zu überleben“, erinnerte sich der damalige Albachinger Bürgermeister August Seidinger. Pfaffing, das beschrieb dessen stellvertretenderBürgermeister Tobias Forstner in seiner Rede, habe stets die Scheidung unterstützt, Albaching habe aber auch „eine gute Mitgift erhalten“. 

So startete Albaching am 1. Januar 1994 mit zwei Millionen Mark Schulden, war im Jahr 2008 ausgeglichen und verfügt noch heute über eine ansehnliche Rücklage. Ein Grund dafür könnte im Verzicht des eigenen Bauhofs liegen. Dabei stockte Binsteiner mehrmals die Stimme, denn der Ausgleich sei für ihn und andere Genugtuung und Bestätigung gewesen. Damit sei auch ein Schwung entstanden, vor allem mit neuen Baugebieten und schnellem Wachstum – manchen vielleicht zu schnell. Aber genau diesen Geist möchte der heutige Bürgermeister Franz Sanftl am Leben erhalten. 

Der damalige Abgeordnete Josef Ranner schaut heute gar neidisch in diese „Vorzeigegemeinde“, verriet er. Denn, so sein Fazit, ab einer bestimmten Einwohnerzahl lasse offenbar das Engagement nach, jeder schaue nur auf sich und beschwere sich „gleich und sofort“, wenn etwas nicht laufe. Pfaffings Altbürgermeister Josef Niedermeier schilderte humorvoll seine laufenden und oft überraschenden Kontakte zu Albaching, sei es als Kind, dann mit einem Melkkurs, einem Tanzkurs, dann als damaliger VG-Vorsitzender oder jetzt mit seinem Enkel, der dort die Schule besuche. 

Etwas unter ging Tobias Forstners Hinweis, dass die Leistung der Albachinger anerkennenswert sei, doch unterstütze man den VG-Partner auch gerne noch beim letzten Schritt, der unausgesprochener Weise aber nur ein eigenes Rathaus mit eigener Verwaltung sein kann. „Auch da wird sich Pfaffing nicht querstellen.“ kg

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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